Ferndorf verliert das Spiel und Josip Eres

Die ersten zehn Minuten des Auswärtsspiels in Ludwigshafen waren von zwei Akteuren geprägt. Zum einen Can Adanir im Ferndorfer Tor – der türkische Nationalspieler zeigte einmal mehr, warum er inzwischen internationale Erfahrungen sammeln darf. Zum anderen Soeren Servos – der Junioren-Nationalspieler drückte der Anfangsphase im Offensivspiel seinen Stempel auf und kassierte dafür auch ein Extra-Lob seines Coaches Ceven Klatt. Der wiederum war von der Herangehensweise in der Anfangsphase des Spiels begeistert: „Wir setzen den Matchplan perfekt um und stellen die Eulen vor für sie nicht zu lösende Aufgaben mit unserem Defensivspiel. Und in der Offensive gelingt es uns, über Tempo und Isolationen zu einfachen Toren zu kommen.“ Unter lautstarkem Support der wieder einmal deutlich zu vernehmenden TuS-Fans, hatte Servos bis zum 2:5 Zwischenstand in der 9.Minute bereits vier Mal für seine Farben getroffen. Apropos Fans – die Ludwigshafener Engagement-Agentur LUnited hatte am bundesweiten Mitmachtag für ehrenamtliches Engagement 500 Karten gekauft und verteilt. Dadurch sorgten die 2201 Zuschauer für einen tollen Rahmen. Und die bekamen eine TuS-Equipe zu sehen, die weiterhin auf dem Gaspedal stand und den Gastgebern kaum Raum zum Atmen gab. Die Angreifer wurden von der TuS-Abwehr hoch stehend in Empfang genommen. Man kam in die Stopfouls, die Helferkette funktionierte und alles was dann noch durchkam wurde zur Beute des starken Ferndorfer Rückhalts namens Adanir. 2:8 lautete der nächste Zwischenstand in der 13.Minute. Der schier unbezwingbar erscheinende Ferndorfer Zerberus hatte nach einer Viertelstunde bereits sieben Paraden auf dem Zettel. Und vorne beteiligten sich alle Spieler am Offensiv-Feuerwerk. Julius Fanger über die zweite Welle, Gabriel Viana im erweiterten Tempogegenstoß, Mattis Michel vom Kreis, Daniel Hideg per Rückraumkracher und Josip Eres per Siebenmeter. Eine Zeitstrafe wegen Meckern gegen Fanger und ein, zwei technische Fehler im Angriffsspiel zeigten, bis zum 6:12 in der 19.Minute, erst einmal keine Auswirkungen auf den Ferndorfer Vorsprung. Doch Klatt mahnte in einem Team-Time-Out zu diszipliniertem Verhalten gegenüber den Schiedsrichter-Entscheidungen, noch mehr Höhe in der Abwehr gegen einzelne Spieler und das gute Übergeben in der Helferkette. Servos, mit unnachahmlichem Zug zum Tor, stellte auf 9:14 (25.). Doch anschließend mehrten sich die technischen Fehler, so dass die Hausherren nun Tor um Tor vom Ferndorfer Vorsprung abknabbern konnten. Waren es beim 3:10 noch sieben Tore Vorsprung, so schrumpfte dieser bis zur Pause auf nur noch drei Tore. Wobei auch der Halbzeitstand von 12:15 alle Chancen offen ließ, das Spiel weiterhin von vorne weg zu spielen.
Das gelang zu Beginn der zweiten dreißig Minuten auch exzellent. Ein Traumanspiel von Mundus auf Michel verwertete dieser zum 12:16. Und hinten nahm Adanir Eulen-Linksaußen Kian Schwarzer einen freien Ball weg. Bis zur 34.Minute war alles im Lot. Ja bis, bis Eulen-Kreisläufer Frederic Stüber, den man in Ferndorf ob seiner Art Abwehr zu spielen bestens kennt, mit Eres zusammenprallte. Der in Kreuztal heimisch gewordene Kroate hatte den Ball schon gesichert, als Stüber ihn zu Boden drückte. Der aufschreiende, sich vor Schmerzen krümmende Eres ließ bereits wenig Gutes erahnen. Mit einem Gilrichtsverband ausgestattet kam er zwar noch einmal an die Halle, wurde aber dann in einem Privat-PKW mit ins Siegerland genommen. „Das ist für mich das bitterste am ganzen Abend. Meine Gedanken sind bei Josip, dem ich viel Kraft für die anstehende Rekonvaleszenz wünsche“, war Klatt weit nach Spielende noch immer äußerst betrübt über den verletzungsbedingten Ausfall des zuverlässigen Rechtsaußens. Es ging weiter ohne eine Zeitstrafe, aber dafür mit dem nächsten TuS-Tor. Doch nach und nach mussten die Michel & Co. den nachlassenden Kräften Tribut zollen. Während die Gastgeber durchwechseln konnten, hatte Klatt wenig Alternativen auf der Bank. Die beiden Regisseure auf Seiten der Pfälzer, Vincent Bülow und Marc-Robin Eisel, führten die Ihren auf 17:18 (42.) heran. Klatt sah das Unheil kommen – nachlassende Kräfte in Kombination mit dem nicht mehr allerletzten Willen in der Abwehr, und daraus resultierend auch weniger Möglichkeiten für Adanir sich auszuzeichnen. Der TuS-Coach nahm sofort eine Auszeit, in der er an die Seinen appellierte: „Bleibt locker. Es war klar dass diese Phase kommt und das auch die Halle nochmal kommt.“ Und wahrlich, die Halle wurde mehr und mehr zum Faktor. Die Gastgeber hatten eine Welle erwischt, die sie möglichst lange reiten wollten. Und während auf Ferndorfer Seite der kurzfristig einsatzfähige Tom Jansen dem Spiel keinen positiven Impact geben konnte, war auf Seiten der Eulen ein Halbrechter in den letzten zwanzig Minuten der Gamechanger. Tilo Müller, 18-jähriges Eigengewächs der Rheinland-Pfälzer, wuchs im wahrsten Sinne des Wortes über sich hinaus und bereitete der TuS-Abwehr große Probleme. Beim 20:19 in der 47.Minute gelang den Hausherren die erste Führung seit dem 1:0. Klatt nahm Auszeit Nummer Drei und mahnte nochmal eindrücklich, sich mehr zu helfen in der Abwehr, um Durchbrüche zu verhindern.“Wir gehen dann ins Sieben gegen Sechs, weil uns im Sechs gegen Sechs die Kräfte fehlen, um ähnlich explosiv zu agieren wie in Hälfte Eins.“ Beim 23:21 zu Beginn der Crunch-Time erwischte es dann auch Stüber. Nach einer harten Attacke gegen Hideg, bei der dieser ungeschützt auf den Rücken knallte, musste der 31-jährige für zwei Minuten auf die Bank. Diese Phase nutzten die Nordsiegerländer, um beim 23:23 auszugleichen. Selbiges gelang nochmal fünf Minuten vor Schluss zum 24:24. Doch danach war es vorbei. Dem halben Schritt weniger in der Abwehr und der nachlassenden Explosivität im Angriff mussten die Klatt-Jungs Tribut zollen. Adanir, der das Torwart-Duell in der zweiten Halbzeit gegen Mats Grupe verlor, haderte mehr und mehr mit seinen Vorderleuten. Mit einem 3:0 Lauf stellten die Eulen auf 28:25, was 120 Sekunden vor Schluss gleichbedeutend mit der Entscheidung war. 29:27 lautete das Endergebnis – doch mindestens genauso schwer wie die Niederlage wiegt der Verlust Eres'.
Je nach Ausgang der Partie Coburg vs. Krefeld am Sonntagabend gilt es nun auf Ferndorfer Seite, nochmal alle Kräfte zu bündeln für die letzten 120 Minuten der Saison 2025/26. Nächstes Wochenende gastieren die Michel & Co. im kleinen Derby beim TV Hüttenberg, bevor es dann am 6.Juni emotional wird. Neben dem letzten Spieltag der Saison, bei dem es unter Umständen noch um wirklich Alles gehen könnte, werden natürlich auch die Spieler verabschiedet, die den TuS Ferndorf verlassen. Und natürlich nicht zu vergessen, die große Saison-Abschlussparty. Für das Spiel gegen Essen gibt es Stand heute nur noch Stehplatztickets. Es wird also voll, es wird laut und es wird emotional – denn zum Start in die Sommerpause heißt es dann ein letztes Mal in Kreuztals bester Stube: Raus aus den Terrassenstühlen, rein in den Hexenkessel. Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!
Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Soeren Servos (8), Marvin Mundus (5/2), Julius Fanger (4), Daniel Hideg, Mattis Michel (je 3), Finn Scharnweber (2), Gabriel Viana (1), Josip Eres (1/1), Can Adanir, Tom Jansen, Philip Würz
Fotos: HBL / Eulen Ludwigshafen









