Schmerzhafte Niederlage in der Schlusssekunde

Dabei dürfte den Mannen von TuS-Chefcoach Ceven Klatt dieses Tor vorgekommen sein wie ein Déjà-Vu. Denn bereits der Treffer Bartlomiej Bis`zum 2:0 fiel auf fast die gleiche Art und Weise. Dem Coburger Kreisläufer merkte man schon früh an, dass er einen ganz großen Schluck aus der Adrenalin-Flasche genommen hatte. Am Ende standen für den 42-fachen polnischen Nationalspieler vier Tore, drei herausgeholte Siebenmeter und zwei Assists zu Buche. „Wir kommen nicht gut ins Spiel und machen zu viele technische Fehler. Obendrein nehmen wir uns Abschlüsse, die wir uns eigentlich nicht nehmen wollen“ - Klatt war mit der Anfangsphase seines Teams alles andere als zufrieden. Viele der Dinge, die man sich vorgenommen hatte, wurden nicht adäquat umgesetzt. Über 3:1 (5.) und 5:2 (6.) ging es bis zum 7:3 in der 8.Minute dahin. Während auf Seiten der Gastgeber bis dahin sechs verschiedene Spieler als Torschützen in Erscheinung traten, war auf Seiten der TuS-Jungs Tom Jansen quasi Alleinunterhalter. Doch während in den ersten Minuten nur die Jungs in den rot-weißen Trikots technische Fehler produzierten, passierte selbiges nun auch den in Schwarz-Gelb gekleideten Gastgebern. Und diese Phase nutzten Tom Jansen, Philip Würz und Daniel Hideg, um sich mit drei Toren in Folge wieder heranzukämpfen. 7:6 stand auf der Anzeigetafel und die Frage schien nur, welches Team als nächstes wieder mehr Fehler produzieren würde. Es waren leider die Jungs aus dem Siegerland, was in einem 12:8 in der 17.Minute mündete. Klatt nahm eine Auszeit und justierte einige Dinge neu. Im Angriffsspiel sah er keine großen Probleme, prangerte aber die technischen Fehler an. Sein Hauptaugenmerk galt der unzureichenden Deckungs-Performance. Zu viele Durchbrüche und eine zu geringe Intensität in den Helfersituationen merkte der Ferndorfer Übungsleiter an. Seine Mannen schienen gut zugehört zu haben. Denn neben nun funktionierenden Kreisläufer-Kooperationen war es Rechtsaußen Finn Scharnweber, der nach der Auszeit den Torereigen eröffnete und auch das 14:13 in der 25.Minute erzielte. Das Spiel war wieder geöffnet. Auf der Ferndorfer Bank klatschten sich die Spieler ab und feuerten sich gegenseitig an. Doch es war ein Spiel, welches weiterhin von den Fehlern auf beiden Seiten lebte. Der TuS-Angriff produzierte drei Stück in Folge, was die Unterfranken gnadenlos ausnutzten. Aus dem zwischenzeitlichen 14:13 war binnen drei Minuten ein 17:13 geworden. Zur Halbzeitpause stand ein 18:15 zu Buche. Bedenkt man, dass die Sieben von Coburg-Coach Anel Mahmutefendic am letzten Wochenende in Hagen gerade einmal neunzehn Tore in sechzig Minuten erzielt hatte, konnte der Coach der Gastgeber mit der Vorstellung der Seinen durchaus zufrieden sein.
Zu Beginn der zweiten dreißig Minuten waren es die Linkshänder im TuS-Team, die dem Ferndorfer Spiel ihren Stempel aufdrückten. Jansen, Mundus und Hecker sorgten im Angriff für sechs Linkshänder-Tore in Folge. Da nun auch der Abwehrverbund wesentlich aufmerksamer agierte und Can Adanir ein, zwei Mal die Hand an den Ball bekam, wurde aus dem Halbzeitstand ein 22:21 (39.). Die Moral im Team der Rot-Weißen schien ungebrochen. Beim HSC 2000 aus Coburg waren die gefürchteten griechischen Nationalspieler, Petros Boukovinas im Tor und Savvas Savvas im Rückraum kein Faktor. Auf Ferndorfer Seite machte es der Hauptprotagonist aus dem Emsdetten-Spiel umso besser. Marvin Mundus, der im Training intensiv an seiner Ausbeute vom Siebenmeter-Strich gearbeitet hatte, wurde von Minute zu Minute effektiver. Lohn für Mundus` Arbeit, und wieder einmal hervorragenden neun Toren, ist die aktuelle Führung in der Torschützenliste der 2.Liga. Die 41.Minute hielt dann ein weiteres Highlight parat. Der Gummersbacher Julius Fanger war es, der für den erstmaligen Ausgleich im Spiel sorgte. Bis zur Crunch-Time war es dann ein Spiel auf Augenhöhe. Coburg legte wieder vor, aber die Klatt-Mannen ließen sich nicht abschütteln. Zehn Minuten vor Schluss zeigte die Anzeigetafel ein 26:24. Doch nun war es ausgerechnet Coburgs zweiter Mann im Tor, Fabian Apfel, der mit drei ganz wichtigen Paraden den Seinen den Weg ebnete. Kapital schlagen konnten die Bayern daraus aber nicht. Ganz im Gegenteil. Die Michel & Co. zeigten wieder einmal, dass man sie erst abschreiben darf, wenn in der Dusche das Wasser angeht. Timo Stoyke, Ferndorfer Neuzugang aus Dresden, kam eine Viertelstunde vor Schluss und leistete nicht nur in der Abwehr wertvolle Arbeit. Nach einer völlig berechtigten roten Karte gegen Philip Würz in der 55.Minute übernahm Stoyke auch im Angriff Verantwortung. Und er war es auch, der beim 29:29 zweieinhalb Minuten vor Schluss, zum dritten Ausgleich der Partie traf. Sollten die Mentalitätsmonster aus der Stählerwiese sich am Ende doch belohnen für ihren aufopferungsvollen Kampf? Mundus mit starken Nerven und verwandeltem Siebenmeter sechzig Sekunden vor Schluss. Es war zu diesem Zeitpunkt fast klar, dass Coburg den letzten Angriff über die volle Schlussminute zieht. Doch sie spielten es schlecht aus und die Ferndorfer Abwehr stand gut. Ein höchst umstrittener Freiwurf zehn Sekunden vor dem Ende ermöglichte dann den Gastgebern noch eine allerletzte Chance. Ein Pass war im Zeitspiel noch über. Wurf Coburg gegen die Ferndorfer Mauer und der Ball fliegt ins Aus. Schluss? Mitnichten! Nejc Planinsek schaltete am schnellsten, schnappte sich den Ball an der Ecke und fand, in bewährter Manier wie beim eingangs erwähnten 2:0, den Mann am Kreis – Bis verwandelte in der Schlusssekunde zum 31:30.
„Es ist wichtig auf unserem Weg, dass wir aus solchen Spielen die richtigen Schlüsse ziehen“, richtete Klatt nach dem Spiel seinen Blick schon wieder nach vorne, haderte aber dennoch ein klein wenig mit der Regelauslegung der Schiedsrichter in den Schlussminuten. Doch auch einen Blick in die Statistik der technischen Fehler und Torwartparaden ließ der TuS-Coach zu: „Es gibt ganz viele Ansätze. Aber einfach runter gebrochen haben wir mehr technische Fehler und nur halb so viele Torwartparaden.“ Von dieser Niederlage werden die Michel & Co. sich nicht umwerfen lassen. Schon am kommenden Freitag haben sie die Chance, einen weiteren Sieg einzufahren, wenn der Rivale aus dem sachsen-anhaltinischen Dessau zu Gast ist. Freitagabend, Hexenkessel und dazu ein Team, das wieder begeisternden Handball spielt. Auf allen drei Tribünen gibt es aktuell noch Tickets zu erwerben. Also raus aus der dem Sessel, rein in Kreuztals beste Stube, damit es Freitagabend ab 20:00 Uhr wieder heißt: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!
Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Marvin Mundus (9/6), Tom Jansen (6), Daniel Hideg (3), Julius Fanger, Fabian Hecker, Pablo Lange, Finn Scharnweber, Philip Würz (je 2), Mattis Michel, Timo Stoyke (je 1), Can Adanir, Filip Baranasic, Thore Rahmlow
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Fotos: HSC Coburg / 2. Handball-Bundesliga













