Der Hexenkessel soll wieder zum Faktor werden

Mit dem Gegner am späten Freitagabend haben die Handballer aus dem Kreuztaler Stadtteil schon manches Mal die Klingen gekreuzt. Seit den ersten Aufeinandertreffen ist dabei die Pflege der Fanfreundschaft ein fester Bestandteil, die sich inzwischen nicht mehr nur auf Mitglieder der Brigade C und den Zabporters aus Dessau beschränkt. Ebenfalls fester Bestandteil war über Jahre hinweg die gute Statistik der Michel & Co. gegen die Bauhausstädter. Zwischen Juni 2017 und Oktober 2025 verlor man keines der acht Pflichtspiele gegeneinander, bevor die Blau-Weißen in der vergangenen Saison den Spieß komplett umdrehten. Matchwinner für die Dessauer, in beiden Partien, war Torhüter Philip „Brosi“ Ambrosius. Mit 16 Paraden im Hinspiel und 17 Paraden im Rückspiel zog er den TuS-Jungs den Zahn. Doch bis dato ist das traditionell starke Torhüter-Gespann des DRHV noch nicht wirklich in der Saison angekommen, wobei Klatt das, mit einem Augenzwinkern, ein wenig differenzierter sieht: „So eine Statistik ist wie ein Bikini – man sieht nicht alles!“ Wer hingegen schon voll und ganz in der Saison angekommen ist, ist der Dessauer Rückraum. Yannick Danneberg macht auf Halblinks Betrieb, während sein Pendant auf der rechten Seite, Marcel Nowak, neben der Torgefahr auch immer wieder für ein gutes Kleingruppen-Spiel bekannt ist. Auf der Position des Spielgestalters sind es der 24-jährige Mika Schüler, der schon auf eine tolle Saison 2025/26 verweisen kann und den Klatt als „sehr spielintelligent“ bezeichnet, sowie der erst 19-jährige Deutsch-Bosnier Alen Hadzimuhamedovic, die neben guten Kooperationen auch selbst Torgefahr ausstrahlen. Apropos junge Spieler. Die Abgänge zweier hochtalentierter 22-jähriger tun den Sachsen-Anhaltinern äußerst weh. Neben Kreisläufer Tim Hertzfeld hat auch Mittelmann Fritz-Leon Haacke den Verein gen Leipzig verlassen.
Auf Seiten des TuS Ferndorf ist die Stimmung weiterhin bestens. Marvin Mundus führt die Torschützenliste der zweiten Liga an. Daniel Hideg ist der beste Vorbereiter in Deutschlands zweithöchster Spielklasse. Und kein anderer Kreisläufer trifft aktuell so oft ins gegnerische Tor wie Mattis Michel. „Diese individuellen Dinge sind schön, aber der Erfolg der Mannschaft steht im Vordergrund“, sagt Klatt und verweist darauf, dass das die Jungs genauso sehen. Personell kann der Mann auf Ferndorfs Kommandobrücke fast aus dem Vollen schöpfen. Einzig Josip Eres fällt noch längerfristig aus. Mikael Helmersson scharrt mit den Hufen, kommt aber für einen Einsatz noch nicht in Frage. Dabei sein werden allerdings der Langzeitverletzte Nico Schnabl und der in Coburg nicht einsatzfähige Soeren Servos. „Soeren hatte eine Zerrung aus dem Emsdetten-Spiel. Wir waren positiv was seinen Einsatz angeht, aber nachdem er noch Beschwerden hatte, haben wir ihn, auch im Hinblick auf das Spiel gegen Dessau, nicht eingesetzt“, umreißt Klatt das Fehlen Servos´in Coburg. Sowohl bei Schnabl als auch bei Servos wird spannend zu sehen sein, wie sie sich in das Sieben gegen Sechs einfügen, dass inzwischen wie selbstverständlich zur Ferndorfer Marschroute gehört. In der vergangenen Saison waren es im Hinspiel in Dessau die vielen technischen Fehler, die eine bessere Performance verhinderten. Diese will man nun auch wieder reduzieren, denn bei den Eulen und gegen Emsdetten war die niedrige Anzahl eben jener technischen Fehler einer der Schlüssel zum Sieg.
Nicht viel hat gefehlt, dann wäre der TuS Ferndorf mit beeindruckenden 6:0 Punkten in die Saison gestartet. Nun sind es 4:2 Punkte und man ist voll im Soll, wenn man zugrunde legt, dass die imaginären zwanzig Punkte zum Klassenerhalt reichen. Darauf darf man sich in dieser verrückten zweiten Liga allerdings nicht verlassen. Deshalb zählt jeder Punkt, ja vielleicht sogar jedes Tor. Daher hoffen die Michel & Co. am Freitagabend auf die selbe großartige Unterstützung wie aus der Schluss-Viertelstunde des Emsdetten-Spiels. Da ist der Funke vom Spielfeld auf die Tribüne übergesprungen und es wurde zu einer Demonstration, wie laut der Hexenkessel Stählerwiese werden kann. Daran gilt es anzuknüpfen, da auch die Dessauer wieder auf rund zwei Dutzend Fans bauen können, die den weiten Weg an einem Werktag antreten. Also, raus aus dem Sessel, rein in Kreuztals beste Stube, um gemeinsam das Ziel Klassenerhalt zu erreichen: Scream for your team – mit der #familieferndorf, mit der #familietus!
WISSENSWERTES
Gegner: Dessau-Roßlauer HV 06
Einwohner Dessau: 75000 (zum Vergleich: Ferndorf = 3900)
Heimspielstätte: Anhalt Arena – 3300 Zuschauer Fassungsvermögen
Trikotfarbe: blau-weiß
größte Erfolge: Erstligist 1991/92, 19 Jahre ununterbrochen Zweitligist von 1992-2011
>>> Der TuS Ferndorf live und auf Abruf bei DYN







