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Dritter Sieg im vierten Spiel – was für ein Saisonstart

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Mannschaften haben oft eine gewisse Identität. So sagt man einigen Teams in der Liga nach, dass sie sich erst geschlagen geben, wenn das Wasser in der Dusche angeht. Es gibt aber auch die Handballmannschaften, die man in die Kategorie abwehrstark und offensivstark einordnet. In der ersten Saison nach dem Wiederaufstieg, der Spielzeit 2024/25 war der TuS Ferndorf mit einer Betonabwehr unterwegs. Es gab eher weniger Tore zu sehen als in anderen Hallen, dafür glänzte sehr oft der Abwehrverbund in Kombination mit guten Torhütern. In der letzten Saison konnten die Jungs von Ceven Klatt keinen Entwicklungsschritt machen, da man durch unzählige Verletzungen immer wieder ausgebremst wurde und nie vollzählig trainieren konnte. „Wir wären die beste Mannschaft im Vier gegen Vier gewesen“, ist eine Aussage von TuS-Chefcoach Ceven Klatt die darauf abzielt, dass er des Öfteren nur acht gesunde Feldspieler im Training hatte.

Die Saison 2026/27 steht dagegen bis dato unter der Begrifflichkeit Offensivspektakel. In allen vier Spielen mindestens dreißig Tore erzielt. Und bei 39 selbst erzielten Treffern muss man bis in den April 2024 zurückschauen, wann das dem TuS Ferndorf zuletzt gelang. Für alle Statistikfans – es war der 13.04.2024 mit einem 40:23 gegen Haßloch in der 3.Liga Süd-West. 

Der Gegner am Freitagabend hatte große Verletzungssorgen im Gepäck. Fünf arrivierte Kräfte fehlten Gästecoach Vanja Radic, der die Niederlage auf der Pressekonferenz mit einer Portion schwarzem Humor begleitete, aber auch nochmal bekräftigte, dass man „an dieser Situation hoffentlich wachsen kann“. Dabei ging es in der stimmungsvollen Stählerwiese gut los für die Sachsen-Anhaltiner. Angefeuert von gut einem Dutzend Schlachtenbummlern, die den weiten Weg an einem Werktag auf sich genommen hatten, legten sie immer vor und die Klatt-Mannen egalisierten. Erst nach sechs Minuten war es der Top-Torschütze der 2.Liga, Marvin Mundus, der die Rot-Weißen erstmals in Front warf (4:3). In den darauffolgenden zehn Minuten war es die Show von Dessaus Rechtsaußen Yannick-Marcos Pust. Fünf der acht Dessauer Tore gingen auf das Konto des gebürtigen Berliners. Beim 6:8 (12.) waren die Blau-Weißen sogar auf zwei Tore weg, was Ferndorf aber postwendend korrigierte. Es war ein Kopf an Kopf Rennen. Jede Mannschaft legte mal vor, konnte aber maximal bis auf die erwähnten zwei Tore wegziehen. Der erste Knackpunkt des Spiels dann in der 20.Minute. „Wir bekommen über Fabian Hecker Emotionen ins Spiel und auch Timo Stoyke macht das richtig gut“, sprach Klatt vor allen Dingen die bessere Griffigkeit im Abwehrverbund an, die er zuvor in einer Auszeit angemahnt hatte. Angesprochener Stoyke in Kombination mit dem Kapitän Mattis Michel im Innenblock und Pablo Lange mit guter Leistung auf der Halbposition. Doch neben der Defensivleistung war auch die Abteilung Attacke weiterhin in Torlaune. Die Torhüter waren bis dahin kein Faktor, doch Can Adanir bekam ab und an eine Hand an den Ball und sorgte somit mit dafür, dass man sich peu à peu absetzen konnte. Mundus übernahm immer wieder Verantwortung und zeigte, dass er durch die bisherigen Saisonleistungen Selbstvertrauen bis Oberkante Unterlippe hat. Zwischendurch war es dann der Vollstrecker Hecker, wie ihn Hallensprecher Kai Brückmann liebevoll nennt, der mit dem dritten Tor aus drei Versuchen zeigte, dass er sich inzwischen auch auf der Außenposition wohlfühlt und Torgefahr ausstrahlt. Top-Shooter Mundus traf dann aus zehn Metern zum 17:14 und zeigte beim 18:14 einmal mehr, dass er sich inzwischen auch von der Siebenmeter-Marke sehr sicher fühlt. Damit machten die Jungs aus dem handballverrücktesten Dorf Südwestfalens aus dem 12:12 den Halbzeitstand von 19:14. 

In den sozialen Medien machen auf TuS-Seite die ersten Anspielungen auf die meistverkauften Schokolinsen der Welt die Runde. Denn bei den Ferndorfer Handballern stehen die M&M's ebenso hoch im Kurs, wie bei den Süßigkeiten-Fans in aller Welt. Mattis Michel und Marvin Mundus, Ferndorfs M&M's waren schon in Halbzeit Eins kongenial unterwegs und setzten das auch in Hälfte Zwei fort. Nach einem wahren Kraftakt von Rückkehrer Soeren Servos zum 20:14, war es Rechtsaußen Finn Scharnweber, der beim 23:16 für die erste Sieben-Tore-Führung sorgte. Gäste-Coach Radic zog schon vier Minuten nach der Pause die Notbremse und nahm seine zweite Auszeit. Das änderte erst einmal nichts an der Gemengelage. Adanir hielt einen Tempogegenstoß und auf Linksaußen zauberte der glänzend aufgelegte Pablo Lange einen weiteren Ball ins Netz. 25:18 nach 36 Minuten – die Gäste aus der Bauhausstadt mussten dringend Lösungen finden gegen die jungen Wilden in Ferndorfs Team. Denn die beiden 20-jährigen Lange und Servos spielten auf der linken Angriffsseite einen guten Ball, verbuchten Tore in ihrer Statistik, während der 23-jährige Julius Fanger einen zauberhaften Assist auf den Kapitän am Kreis spielte. Fanger war die Spielfreude mit einigen bemerkenswerten Anspielen anzumerken, so dass der wiedergenesene Nico Schnabl noch ein wenig geschont werden konnte. Stoyke mit herausgeholtem Siebenmeter und Lange mit dem fünften Tor im fünften Versuch – der TuS-Express rollte unaufhörlich Richtung drittem Saisonsieg. Einen Aufreger gab es mit der gelben Karte für Klatt. Der Ferndorfer Coach hatte etwas zu vehement angemahnt, dass Pust wiederholt aus dem Aus ins Spielfeld gestartet war, und da der Ball schon im Spiel war, wechselte der Ballbesitz auf Dessau. Die wurden weiterhin von ihren Fans lautstark unterstützt und gaben sich auch nicht auf, wenngleich die Rot-Weißen unaufhörlich auf dem Gaspedal standen. Über 31:25 (44.) und 33:28 (48.) ging es in die Schlussphase der Partie. Die Torhüter bekamen auf beiden Seiten weiterhin wenig Chancen sich auszuzeichnen. Mundus zauberte in der 52.Minute das 34:29 ins Gästetor, was ein klein wenig nach Vorentscheidung roch. So kam in den Schlussminuten Thore Rahmlow auf Linksaußen zu Einsatzminuten und auch Schnabl durfte noch ein wenig Spielpraxis sammeln. Bezeichnend das Tor zum 39:32 in der 59.Minute durch Rahmlow, zu dem Schnabl assistierte. Für das 40.Tor hatte anscheinend keiner der Protagonisten das nötige Kleingeld dabei, so dass es am Ende beim vielumjubelten 39:33 vor 1196 zufrieden nach Hause gehenden Zuschauern blieb.

Platz Fünf ist der verdiente Lohn, ablesbar auf der Tabelle der 2.Liga. Eine tolle Momentaufnahme und viel Rückenwind für die Michel & Co., wenn es am kommenden Sonntag zum Spitzenspiel des fünften Spieltags nach Hagen geht. Das ewig junge Südwestfalen-Derby steht auf dem Programm und die Klatt-Mannen freuen sich über jeden einzelnen Fan, der am ungewohnten Sonntagabend den Weg in die Ischelandhalle findet. Die Stählerwiese ist auf dem besten Wege wieder zu einer schwer einnehmbaren Festung zu werden. Erinnert man sich an das Wiederholungsspiel Hagen gegen Ferndorf in der vergangenen Saison, so machten es die dort anwesenden TuS-Fans zu einem Heimspiel. Sechzig Minuten Hexenkessel-Atmosphäre im Gästeblock, die immer wieder vom Emotional Leader des Spiels, Tom Jansen, befeuert wurde. Wer möchte das nicht noch einmal erleben? Deshalb gilt auch am kommenden Sonntag das altbekannte Motto: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!

Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Marvin Mundus (10/6), Mattis Michel (6), Pablo Lange (5), Fabian Hecker, Soeren Servos (je 4), Julius Fanger (3), Timo Stoyke (2), Daniel Hideg, Tom Jansen, Thore Rahmlow,  Finn Scharnweber, Philip Würz (je 1), Can Adanir, Filip Baranasic, Nico Schnabl

>>> Der TuS Ferndorf live und auf Abruf bei DYN

 


Fotos: RGR/TuS Ferndorf + René Weiss @we_create_sports

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