Ein großes Spiel wirft seinen Schatten voraus

Nach dem Wiederaufstieg des TuS 2024 waren alle fünf Begegnungen Spiele auf Augenhöhe. Und auch die Gesamtstatistik zeigt ein sehr ausgeglichenes Verhältnis. Dabei waren insbesondere die Partien in der Hagener Ischelandhalle meist sehr emotional. Unvergessen der Gala-Auftritt der Ferndorfer Mentalitätsmonster im Wiederholungsspiel am 21.April 2026, wo rund 200 TuS-Fans das Match zu einem Heimspiel machten. „Und wir brauchen auch dieses Mal wieder die Fans“, sagt Ferndorfs Chefcoach Ceven Klatt und legt nach: „Das ist für die Jungs auf der Platte ein ganz entscheidender Punkt. Ich erwarte, dass auch unsere Fans am Sonntagabend über die Schmerzgrenze gehen, nochmal fünf Prozent mehr geben als sonst schon, um die Jungs nach vorne zu pushen. Das haben sie sich schlicht und ergreifend auch verdient mit ihren bisherigen Saisonauftritten.“
Da dürfte das Hagener Ensemble was dagegen haben. Trainer Pavel Prokopec wird mit seinem Team die Heimniederlage gegen Emsdetten vom vergangenen Sonntag aufgearbeitet haben. Klatt drückt es folgendermaßen aus: „Jetzt sind bei Hagen nochmal alle Sinne geschärft.“ Wie ein ICE raste die Hagener Truppe durch die ersten beiden Saisonspiele. Hamm und Coburg waren nur Spielbälle für eine Mannschaft, die auch ganz offen kommuniziert, am Ende der Saison ganz weit oben in der Tabelle stehen zu wollen. Erstmals Sand ins Getriebe kam dann nach 45 Minuten beim Auswärtsspiel in Dessau, als man eine 7-Tore-Führung nur mit Müh und Not ins Ziel rettete. Im Heimspiel gegen Emsdetten bekamen die Norouzinezhad & Co. die Kurve dann nicht und mussten die erste Saisonniederlage quittieren. Dabei ist es insbesondere Norouzinezhad, auf dem viel Last im Hagener Spiel liegt. Zusammen mit seinen Nebenleuten ist er es, der in der Abteilung Attacke meist vorweg geht. Neuzugang und Mittelmann Juan de la Pena, den man vom Erstliga-Aufsteiger Bietigheim an die Volme lotste, ist laut Klatt „das fehlende Puzzlestück“ im sowieso schon starken Kader der Gastgeber. Traditionell stark besetzt sind die Grün-Gelben auch im Tor. Neben Pascal Bochmann, letzte Saison der Keeper mit den ligaweit meisten Paraden, ist es seit dieser Saison Jonas Wilde, ein Altbekannter aus der Stählerwiese, der im Hagener Tor glänzt und aktuell sogar eine bessere Quote aufweist als Bochmann. Nicht vergessen werden darf im Kader des aktuellen Tabellendritten der Rechtsaußen, der laut Klatt in Liga Zwei zu den besten seines Fachs gehört – Pierre Busch. Der gegenstoßorientierte, in der Jugend des VfL Gummersbach ausgebildete Busch, ist neben seinem großen Repertoire von Außen, vor allen Dingen für seine Nervenstärke vom Siebenmeterstrich bekannt.
Siebenmeter sind ein gutes Thema. In der vergangenen Saison wurde dem TuS Ferndorf unter anderem angelastet, zu wenig in die Schnittstellen zu gehen und damit zu wenig Siebenmeter zu generieren. Das stellt sich heuer komplett anders dar. Man sucht aus dem Rückraum die kleinsten Lücken, dazu ziehen auch die Kreisläufer immer wieder Siebenmeter und Zeitstrafen gegen den Gegner. Mit den zweitmeisten Strafwürfen der Liga ist es aber nicht getan. Auch in anderen Statistikwerten ist der TuS Ferndorf kaum wiederzuerkennen. War man beim Thema Wurfeffizienz letzte Saison beispielsweise noch ein Abstiegskandidat, ist die Wurfquote aktuell die beste der ganzen 2.Liga. Nur eines der Prunkstücke aus der vergangenen Saison, die Leistung der beiden Keeper Can Adanir und Filip Baranasic, ist noch nicht wieder da, wo sich die Beiden auch selber gerne sähen. Obendrein kann der Trainer aktuell personell fast aus dem Vollen schöpfen. Josip Eres´ Genesungsverlauf ist perfekt, so dass noch im Laufe der Hinrunde ein Einsatz wahrscheinlich ist. Bei Mikael Helmersson wird es wichtig sein, ihn nicht gleich wieder zu verheizen. Klatt spricht immer wieder das Thema Belastungssteuerung an: „Sehr wichtig für uns, dass wir aktuell den Luxus haben, so viele gesunde Rückraumspieler einsetzen zu können. Dadurch absolvieren wir gute Trainingseinheiten, bereiten uns konzentriert auf die Gegner vor und obendrein ist die Mannschaft durch die Bank topfit aus der Vorbereitung gekommen.“ Angesprochen auf Helmersson verweist Klatt auf „sechs Wochen ohne Wettkampfpraxis“ und will den Italiener langsam ans Team heranführen. Wahrscheinlich wird der Neuzugang beim Auswärtsspiel in Potsdam erstmals für den TuS Ferndorf wieder im Kader stehen, so dass er am 11.Oktober gegen Großwallstadt eine Option sein könnte.
„Der Weg nach Hagen, der ja dieses Jahr wieder ein kurzer ist über die instandgesetzte Brücke, wird sich lohnen“, sagt Klatt und verspricht, dass die eingesetzten Spieler echte Derby-Mentalität zeigen werden. Die markante Spannbetonbrücke in Höhe der Anschlussstelle Lüdenscheid-Nord – auch bekannt als das Tor zum Sauerland – ist marode und muss saniert werden. Dazu wird die A45 ab Sonntagabend um 21 Uhr gesperrt. Nach dem Spiel sollten die hoffentlich zahlreich mitgereisten Ferndorfer Fans die Rückfahrt nicht allzu weit hinauszögern, damit man nicht über die Umleitungsstrecke fahren muss. Darauf angesprochen, dass es die Mannschaft wahrscheinlich nicht schaffen wird vor 21 Uhr an dieser Stelle zu sein, sagt Klatt mit einem Augenzwinkern: „Ist doch super, dann haben die Jungs ein Weilchen mehr Zeit den Derbysieg zu feiern!“ Das ist das große Ziel für Sonntagabend – Derbysieg und damit unter die Top 5 der 2.Liga rutschen. Der Mann auf Ferndorfs Kommandobrücke hat es angesprochen. Auch auf die Fans kommt es an. Und wer die kürzeste Auswärtsfahrt der Saison, und wahrscheinlich auch die stimmungsvollste, nicht live vor Ort miterleben kann, der darf beim Streamingdienst DYN mitfiebern. Vor allen Dingen in der Hagener Ischelandhalle gilt am Sonntagabend um 18 Uhr: Scream for your team – mit der #familieferndorf, mit der #familietus !
WISSENSWERTES
Gegner: VfL Eintracht Hagen
Einwohner Hagen: 189900 (zum Vergleich: Ferndorf = 3900)
Heimspielstätte: Ischelandhalle – ca. 2100 Zuschauer Fassungsvermögen
Trikotfarbe: grün-gelb
größte Erfolge: vier Aufstiege in die 2.HBL
Sieger der Staffel Mitte 2.HBL 1992







