Weihnachtsspiel im Ruhrpott

„Vielleicht nicht mehr den zweiten Teller Nachschlag nehmen und auch nicht mehr den dritten Verdauer trinken“ - Cheftrainer Ceven Klatt hatte die Seinen am Dienstagvormittag noch einmal zum intensiven Training beisammen. Danach gab er ihnen, mit einem Augenzwinkern versehen, den eingangs erwähnten Ratschlag mit auf den Weg. „Wir haben für einen Montag nach einem Sonntagsspiel hart trainiert. Aber die Jungs sollen jetzt auch mal 48 Stunden an was anderes als Handball denken!“ Wobei das schwierig sein wird, denn schon am zweiten Weihnachtsfeiertag steht ein immens wichtiges Spiel auf dem Programm. Durchgereicht worden bis auf Platz Fünfzehn ist der TuS Ferndorf. Deshalb ist das Spiel beim Tabellensechzehnten von so hoher Bedeutung. Übrigens ein Weihnachtsspiel, welches es nächstes Jahr nicht geben wird. In Anbetracht der Handball-Weltmeisterschaft 2027 im eigenen Land, gönnt man den Spielern ein paar zusätzliche Tage zur Erholung.
Ganz anders wird es am 26.Dezember um 16 Uhr in der Sporthalle Am Hallo an der Essener Ernestinenstraße zur Sache gehen. „Es erwartet uns, in einer nahezu ausverkauften Halle, eine junge Mannschaft die gerne und viel rennt“, skizziert der TuS-Coach das Profil des Gegners. Und wahrhaftig, fast das ganze Essener Team rekrutiert sich aus den Jahrgängen 2000-2006. Einer, der nicht zu diesen jungen Burschen gehört ist Max Neuhaus. Der ehemalige Ludwigshafener, der laut Klatt „am besten immer mit zwei Mann attackiert werden muss“, ist der Denker und Lenker im TuSEM-Spiel. An der Seite Neuhaus' blüht seit kurzem der junge Felix Maart auf. Maart kommt aus dem Nachwuchs der Füchse Berlin und profitiert gerade immens vom Trainerwechsel. Denn auf der Kommandobrücke der freitäglichen Gastgeber hat vor kurzem Kenji Hövels von Daniel Haase übernommen. Hövels, selbst Bundesligaspieler gewesen, kommt aus dem Füchse-Nachwuchs, hat dort unter anderem Maart trainiert und herausragend gute Arbeit abgeliefert. Getragen wird das Essener Spiel aber weitestgehend von Felix Göttler. Der inzwischen 20-jährige Göttler, ausgebildet bei den Rhein-Neckar-Löwen, war letzte Saison bereits der sechstbeste Feldtorschütze der zweiten Liga. Am Kreis der Ruhrpöttler agieren nur Spieler mit Gardemaß. Valentin Willner setzt meist in der Offensive die Akzente, während hinten Finn Wolfram den Deckungsverbund zusammenhält. Doch gerade da hakt es beim TuSEM. Aktuell kassieren die Hövels-Schützlinge die zweitmeisten Gegentore der Liga. Vielleicht ein Fingerzeig für die TuS-Equipe, wobei gerade das Torewerfen zuletzt nicht gerade die Paradedisziplin der Klatt-Mannen war.
„Wir haben eine gute Abwehr gespielt und Hüttenberg vor Aufgaben gestellt. Fakt ist, wir werfen nicht genügend Tore!“ - Klatt war, im Gegensatz zum Heimspiel gegen die Eulen Ludwigshafen, mit der Einstellung seiner Jungs zufrieden. Was sich allerdings nicht wegdiskutieren lässt, ist die aktuelle Abschlussschwäche der Michel & Co.. Insbesondere der Rückraum agiert nicht gierig genug und gewinnt zu wenig Zweikämpfe. Das Spiel wird zu selten breit angelegt und wenn dann die Spieler frei zum Wurf kommen, ist oft genug der gegnerische Torhüter oder das Aluminium im Weg. Daran haben die Nordsiegerländer zu Wochenbeginn gearbeitet. Und am 1.Weihnachtsfeiertag bittet der Coach um 17 Uhr auch nochmal zum Training. Da werden ganz sicher Josip Eres und Gabriel Viana dabei sein. Rechts- und Linksaußen des TuS, und derzeit Alleinunterhalter auf ihren Positionen. Eres muss schon die ganze Saison ohne etatmäßigen zweiten Mann auskommen. Bei Viana ist es so, dass sein Gespannspartner Hampus Dahlgren, den es nach der Saison zurück in seine Heimat zieht, aufgrund eines hartnäckigen Infekts erst in der Wintervorbereitung wieder zum Team stößt. Weiterhin fehlen wird aller Voraussicht nach auch Julius Meyer-Siebert. Dessen Knieverletzung hat zu Flüssigkeit im Knie geführt. Trotz Punktierung ist bislang keine Besserung eingetreten, so dass hier weiterhin Schonung das Zauberwort ist. Zuschauen ist das Schlimmste für einen Handballer. Und auch Philip Würz wird noch einmal zusehen müssen, bevor er am 7.Februar in Krefeld endlich wieder das TuS-Trikot tragen wird. Das Trikot mit der Nummer 23 wird in Essen Max Löher tragen. Der 18-jährige aus dem eigenen Nachwuchs brennt darauf, sich in der zweiten Liga beweisen zu dürfen.
Freie Fahrt für freie Bürger – die ADAC-Kampagne aus dem Jahre 1974 ist aktueller denn je. Denn zum Auswärtsspiel in Essen dürfen sich Mannschaft, Staff und Fans auf eine freie Fahrt ins Ruhrgebiet freuen. Die Sperrung der A45 bei Lüdenscheid ist Geschichte. Es muss keine Umleitung mehr in Kauf genommen werden. Vielleicht macht sich aus diesem Grund noch der ein oder andere Fan zusätzlich auf den Weg. Auch so werden die TuS-Jungs auf lautstarke Unterstützung zählen dürfen. Ein Fanbus wird die 120 Kilometer unter die Reifen nehmen. Auch diverse private Fahrgemeinschaften haben sich angesagt. Und diese reisefreudigen Fans sollen nun endlich mal wieder mit einem Sieg belohnt werden. Der letzte Erfolg in der Fremde datiert vom 20.September, als man in Oppenweiler/Backnang gewinnen konnte. In der Sporthalle Am Hallo heißt es jedenfalls zu bester Kaffee- und Kuchenzeit am zweiten Weihnachtsfeiertag: Scream for your team – mit der #familieferndorf, mit der #familietus !
WISSENSWERTES
Gegner: Turn- und Sportverein Essen-Margarethenhöhe - kurz: TuSEM Essen
Einwohner Essen: 597.000 (zum Vergleich: Ferndorf = 3.900)
Heimspielstätte: Sporthalle „Am Hallo“ – 2600 Zuschauer Fassungsvermögen
Trikotfarbe: rot-weiß
größte Erfolge: Deutscher Meister '86, '87 + '89, Deutscher Pokalsieger '88, '91 + '92, Europapokal der Pokalsieger '89, EHF-Pokal 2005







