Was für ein furioser Auftakt in die neue Saison

Dabei war der Start in die Partie alles andere als mustergültig. Fehler im wieder einmal gern und häufig praktizierten Sieben gegen Sechs mit zwei Kreisläufern, dann ein schwacher Abschluss im Zeitspiel – früh konnten die Eulen 2:0 vorlegen. Was von Beginn an beim Team von TuS-Coach Ceven Klatt funktionierte, war das Zusammenspiel des Rückraums mit dem Kreis. Ob Mattis Michel oder Philip Würz, der Kapitän und sein Stellvertreter waren die ersten Adressaten vom Assistgeber Nummer Eins im Ferndorfer Spiel, Daniel Hideg. 5:2 stand es nach sechs Minuten und die ganz in Weiß gekleideten Jungs vom Kindelsberg waren noch auf der Suche nach der richtigen Performance. Dann gab es innerhalb von 120 Sekunden zwei spielentscheidende Szenen. Zuerst traf es Fabian Hecker. Nach einem rüden Foul an Eulen-Shooter Friedrich Schmitt musste der Sauerländer seinen Dienst quittieren. Ein echter Schlag ins Kontor für den TuS, da Hecker für die Stabilität im Abwehrverbund kaum wegzudenken ist. Die angesprochene zweite Szene betraf den zuvor gefoulten Schmitt. Der Halblinke, der im Pokal gegen Wetzlar aus sieben Versuchen sieben Tore erzielt hatte, traf Tom Jansen unglücklich und musste fortan ebenfalls von Außen zusehen – rote Karte gegen einen der wichtigsten Spieler im Aufgebot der Eulen. Das hinterließ Spuren bei den Schützlingen vom 2007-er Weltmeister Michael Haaß. Bis zum 8:5 (12.) lief es zwar erst einmal weiter wie gehabt. Was dann allerdings zwischen der 14. und 24.Minute passierte ist kaum in Worte zu packen. Klatt umschreibt es folgendermaßen: „Nach der Anfangsphase spielen wir eine sehr gute erste Halbzeit. Mit jeder gelungenen Aktion holen wir uns mehr Selbstvertrauen, bekommen Paraden, werfen Tore und treffen insgesamt gute Entscheidungen!“ Der TuS agierte wie aus einem Guss. Insbesondere das Zusammenspiel von Hideg und Michel bekamen die Gastgeber nicht in den Griff. In der Abwehr agierten alle Spieler mit höchstem Einsatz. Außerdem bekam Can Adanir im Ferndorfer Kasten nun immer mal wieder eine Hand an den Ball. Mit diesem hochkonzentrierten Auftritt machte die TuS-Equipe aus dem 8:5 ein 8:16 in der angesprochenen 24.Minute. Ein 11:0 Lauf der Michel & Co., den es auf diesem Niveau eigentlich nie zu bestaunen gibt. Haaß war zu seiner zweiten Auszeit gezwungen. Erst danach stabilisierten sich die Gastgeber und verhinderten ein Debakel zur Halbzeitpause. Die 27.Minute war noch erwähnenswert. Ferndorfs Leader mit der imaginären Kapitänsbinde traf mit seinem neunten (!!) Tor zum 10:18 und dann kam es auch von der Siebenmeter-Marke knüppeldick für die ganz in Rot gekleideten Gastgeber. Filip Baranasic übernahm, und kaufte Eulen-Linksaußen Kian Schwarzer den Strafwurf ab. Zu Schwarzers Ehrenrettung sei gesagt, dass es am Ende der einzige von sechs Siebenmetern war, den er nicht traf. Ein 13:20 zierte zur Halbzeit die Anzeigetafel.
Zur zweiten Halbzeit erschienen die Spieler des Ex-Bundesligisten mit viel Wut im Bauch und wollten das Spiel wieder öffnen. Man hoffte auf eine schnelle Verkürzung des Rückstands und dann natürlich auch auf den Faktor Ebert-Hölle. Die war bis dahin nicht so laut wie sonst, mit 1311 Zuschauern nicht so gut gefüllt wie sonst und so konnten auch die TuS-Fans immer wieder lautstark auf sich aufmerksam machen. Die wütenden Eulen-Angriffe konterten die Klatt-Mannen extremst souverän. Mundus sorgte, mit einem sehenswerten Dreher zum 15:22 und einem Tor aus der halblinken Angriffsposition zum 16:24, für die erste Acht-Tore-Führung der Siegerländer. Als Hideg, nach unzähligen Assists, nun auch selber traf, war man erstmals auf neun Tore enteilt. Haaß nahm Eulen-Auszeit Nummer Drei, um letztmals an einigen Stellschrauben zu drehen. Da zeitgleich Klatt die Rotationsmaschine anwarf, robbten sich die Gastgeber mit einem 3:0 Lauf heran. Auf Ferndorfer Seite kam nun vermehrt Julius Fanger zum Einsatz und Soeren Servos sammelte seine ersten Einsatzminuten nach seiner Verletzung. Was gut war im Hinblick auf das nächste Spiel am Freitag gegen Emsdetten, ging andererseits ein wenig zu Lasten des Spielflusses. Das Spiel wurde zerfahrener und kampfbetonter. Auf Ferndorfer Seite ging man vermehrt in die Schnittstellen und bereitete der Eulen-Abwehr damit viel Arbeit. „Die zweite Halbzeit kann ich dazu nutzen, um Julius und Soeren Einsatzzeiten zu geben“, erklärte Klatt zu den Personalrochaden und legte noch ein Sonderlob an seine beiden Kreisläufer nach: „Mattis macht ein überragendes Spiel. Sechzig Minuten im Innenblock und ist bis zum Schluss das Tempospiel mitgegangen. Philip hat am Ende ein blutiges Trikot, was bezeichnend für seinen unermüdlichen Einsatz ist.“ Über 20:27 (43.) und 22:29 (47.) blieb es bei der Sieben-Tore-Führung. Ein ganz klein wenig Sorge musste man in der 49.Minute haben. Die Pfälzer verkürzten auf 24:29 mit einem wunderschönen Kempa-Tor und zündeten damit auch nochmal die Halle an. Dass das nur ein kurzes Aufflackern und kein Fächenbrand wurde, dafür sorgte eine gute Abwehrarbeit. Baranasic konnte sich noch das ein oder andere Mal auszeichnen und Linksaußen Pablo Lange heimste noch ein Sonderlob seines Coaches für engagierte Arbeit im Defensivverbund ein. „Und ich freue mich darüber, dass wir das Torhüter-Duell gewonnen haben“, sagte ein hörbar glücklicher TuS-Coach. In der Tat war es ein toller Auftritt des gesamten Teams, der Lust auf mehr gemacht hat. Über 25:31 (53.) und 26:33 (58.) steuerte man auf den am Ende nie gefährdeten 27:34 Auswärtssieg zu.
Nun wartet am kommenden Freitag um 19:00 Uhr das Duell mit dem starken Aufsteiger aus Emsdetten, der sein Auftaktmatch mit 34:25 gegen den Dessau-Rosslauer HV gewann. Über den neu eingerichteten Zweitmarkt gibt es sogar noch zusammenhängende Sitzplatz-Tickets. Da die Fußballer aus Siegen kein Heimspiel haben und auch Emsdetten immer für einen vollen Gästeblock bekannt ist, sollte einer vollen Stählerwiese, und damit einem echten Handballfest am ungewohnten Freitag-Spieltag, nichts im Wege stehen. Die Mannschaft hat es sich auf jeden Fall verdient. In und um Kreuztal heißt es also am kommenden Freitagabend: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!
Eingesetzte Spieler (Tore in Klammern): Mattis Michel (12), Marvin Mundus (9/3), Tom Jansen (4), Julius Fanger, Pablo Lange, Finn Scharnweber (je 2), Daniel Hideg, Soeren Servos, Philip Würz (je 1), Can Adanir, Filip Baranasic, Fabian Hecker
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Fotos: Harry Reis / Eulen Ludwigshafen / HBL















