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Verdienter Punktgewinn nach aufopferungsvollem Kampf

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Little Italy, Chinatown, Woodlawn Heights – Italiener, Chinesen und Iren haben eine große Community in New York. Dass allerdings der TuS Ferndorf eine große Community in Berlin hat, war bis zum Samstagabend nicht bekannt. Spaß beiseite, doch für diese Unterstützung der mehr als fünfzig anwesenden TuS-Fans gibt es sonst kaum eine Erklärung. Wahnsinn, wie viele sich auf den weiten Weg nach Potsdam gemacht hatten und beeindruckend, wie selbige das Team über sechzig Minuten hinweg ununterbrochen unterstützten. Das ist genau der Schulterschluss, den die Mannschaft mit den Fans braucht. Mit solch einer Einheit wird auch in der Saison 2026/27 Zweitliga-Handball in der Stählerwiese zu sehen sein.

Die Startaufstellung hielt zwei Überraschungen parat. Soeren Servos begann auf der Mitte. Und auf Rechtsaußen begann Finn Scharnweber für Josip Eres. „Finn hat sich unter der Woche im Training angeboten“, vertraute Ferndorfs Coach Ceven Klatt auf sein Bauchgefühl. Ein anderer Spieler war sofort auf Betriebstemperatur – die badische Ballkanone im rot-weißen Trikot, Daniel Hideg. Zwei veritable Rückraumkracher und zwei Assists standen für Hideg nach zehn Minuten schon auf dem Zettel. Bis dahin hatten die Klatt-Mannen stets vorgelegt. Über 1:2 (5.) und 3:5 (9.), stand es nach zwölf Minuten 4:5. Eine Unterzahl-Situation überstanden die Nordsiegerländer dann schadlos. Nico Schnabl übernahm von Servos, was allerdings nichts am guten Spielfluss änderte. Und Hideg machte da weiter, wo er in den ersten Minuten aufgehört hatte. Tolles Anspiel auf den sicher verwandelnden Mattis Michel und anschließend eine schöne Finte – Hideg hatte sichtlich Spaß in der mit 1111 Zuschauern gefüllten MBS-Arena. Die Männer aus dem handballverrücktesten Dorf Südwestfalens waren auf drei Tore enteilt. Es war der Lohn guter Effektivität vorne, harter Abwehrarbeit mit gutem Verschieben hinten und einem Can Adanir, der in den wichtigen Situationen auf der Hut war. Beim Treffer zum 6:9 in der 17.Minute trat dann erstmals Scharnweber als Torschütze in Erscheinung. Es sollte wahrlich nicht das letzte Mal gewesen sein an diesem Abend. Nach dem Treffer Schnabls zum 9:12 (21.) war dann etwas Sand im Getriebe. Im Angriff wurde nicht mehr so effektiv abgeschlossen, und die Abwehr musste gegen Potsdams Mittelmann Markus Mahr, der kaum zu halten war und vor Spielfreude sprühte, Schwerstarbeit verrichten. Drei Tore in Folge gelangen den Hausherren, bevor Scharnweber nochmal netzte. Maximilian Grundmann im Potsdamer Tor stand Adanir in nichts nach und wurde zum Ende der ersten Halbzeit zum Faktor. Spektakuläre Szene beispielsweise in der 26.Minute, als Tom Jansen, der von Marvin Mundus übernommen hatte, einen außergewöhnlichen Kempa abschließen wollte, Grundmann diesen aber ebenso außergewöhnlich hielt. Nach dem wiederholten Ausgleich des gastgebenden VfL zum 14:14 (28.) nahm Klatt seine erste Auszeit. Die Körpersprache war hierbei ebenso Thema wie der Rückzug – über allem stand aber Tempo. Tempospiel hatte der Ferndorfer Trainer schon unter der Woche eingefordert und mahnte nun seine Jungs, den Fuß keinesfalls vom Gaspedal zu nehmen. Und so spielten die Michel & Co. zwei perfekte Minuten bis zur Halbzeitpause. In Überzahl machten sie aus dem 14:14 ein 14:17.

Der Auftakt in die zweite Halbzeit war ganz nach dem Geschmack der TuS-Fans.Mundus mit einem Tor aus der Kategorie „Tor des Monats“, Servos und erneut Scharnweber sorgten für ein 16:20 (35.) und die erste Vier-Tore-Führung. Wie in Halbzeit Eins wurde eine Unterzahl siegreich gestaltet. Und auch die guten Torhüter-Leistungen setzten sich auf beiden Seiten nahtlos fort. Doch zwischen der 35. und 45.Minute hatten die TuS-Jungs ihre schlechteste Phase im Spiel. Die Gastgeber erwischten eine perfekte Welle und glichen beim 20:20 nicht nur aus, sondern gingen beim 22:21 auch erstmals in Führung. „Der Gedanke war kurz da - ich hatte keine Lust, am Ende wieder mit einem Tor zu verlieren“, gab Klatt einen Einblick in sein Seelenleben in der 45.Minute. Und Mundus ergänzte nach dem Spiel: „Potsdam wechselte im Rückraum auf zwei Linkshänder, womit wir Probleme bekamen.“ Die von Mundus angesprochenen Personalrochaden im Rückraum bestimmten über sechzig Minuten das Spiel beider Mannschaften. Dem hohen Tempo Tribut zollend wechselten beide Trainer immer wieder mal durch. Nicht gewechselt wurde auf der rechten Ferndorfer Seite. Mundus und Scharnweber spielten durch und zeigten eine herausragende Leistung. Nach 49 Minuten spielte Hideg einen Traumpass auf den 19-jährigen Ferndorfer Rechtsaußen, der das zu seinem siebten Treffer nutzte. Doch das 25:26 hatte nicht lange Bestand. Zu Beginn der Crunchtime drehten die Blau-Roten die Partie mit drei Treffern in Folge zum 28:26 (55.). Es schien wie so oft zu sein. Der TuS Ferndorf zeigt eine couragierte Leistung, belohnt sich aber am Ende nicht mit Punkten. Doch die TuS-Equipe, angeführt von Hideg, Mundus und Scharnweber, hatte etwas dagegen. Selbst ein höchst diskutabler Siebenmeter-Pfiff des ansonsten über sechzig Minuten außerordentlich gut leitenden Schiedsrichter-Gespanns eine Minute vor Schluss, konnte den TuS-Express nicht stoppen. Der wieder einmal ganz stark haltende Adanir nahm Mahr, der zuvor drei Siebenmeter kaltschnäuzig verwandelt hatte, den wichtigsten Strafwurf des Spiels weg und sorgte so dafür, dass seine Mitspieler dreißig Sekunden Zeit hatten, um das Spiel zu remisieren. Auszeit Klatt und die Ansage: „Wir spielen noch einmal, dann gehen wir ins Sieben gegen Sechs. Mit der letzten Aktion Abschluss. Jugo, Rückpass, Daniel macht den Auftakt.“ Und was so wie besprochen eigentlich selten funktioniert, passte im Ferndorfer Spiel zusammen wie der berühmte Hintern auf dem Eimer. Hideg machte den Auftakt und Mundus nimmt sich den entscheidenden Wurf. 30:30 bei nur noch vier Sekunden auf der Uhr. Den anschließenden Anwurf Potsdams stoppte der TuS-Kapitän höchstselbst und sorgt für kollektiven Jubel in Rot und Weiß.

Die über das ganze Spiel lautstark supportenden Fans wurden für ihr Kommen belohnt. Und auch das Team, dass ja bekanntlich schon am Freitag gen Osten aufgebrochen war, konnte sich endlich nochmal für eine engagierte Leistung belohnen. Jetzt sind es vier Punkte und die bessere Tordifferenz auf die HSG Krefeld, die weiterhin den ersten Abstiegsplatz belegt. „Ein toller Auswärtspunkt“, so umschrieb es Klatt und es war der Auftakt zu einer stimmungsvollen Rückfahrt. Jetzt möchte das Team auch endlich nochmal in der Stählerwiese gewinnen. Gelegenheit dazu haben die Jungs vom Kindelsberg dazu schon am kommenden Freitag, wenn der HC Elbflorenz in Kreuztals bester Stube gastiert. Für die Fans des Siegerländer Zweitligisten heißt das: Raus aus dem Sofa, rein in den Hexenkessel. Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!

Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Finn Scharnweber (8), Marvin Mundus (7), Daniel Hideg (4), Mattis Michel (3), Gabriel Viana (2), Julius Fanger, Tom Jansen, Nico Schnabl, Soeren Servos, Philip Würz (je 1), Josip Eres (1/1), Can Adanir, Filip Baranasic
 


Fotos: Tamy Adanir & Mareike Engel

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