TuS-Team gewinnt ein Spiel auf des Messers Schneide

In Krefeld waren es sieben technische Fehler in sechzig Minuten. Am Freitagabend begannen die Klatt-Mannen die Partie mit zwei technischen Fehlern in sechzig Sekunden. Natürlich war den Gästen aus Dormagen bekannt, dass Marvin Mundus die Alleinlast auf Halbrechts tragen musste. Dementsprechend war man vorbereitet und machte vor allem dem 25-jährigen Lengericher das Leben schwer. Doch auch das restliche Team entwickelte keine Durchschlagskraft. Eine Überzahl konnte man nicht gut ausspielen und auch der in der Vorwoche so herausragende Can Adanir im Ferndorfer Kasten war in den ersten Minuten noch kein Faktor. Über 0:2 (3.) und 2:4 (6.) liefen die Rot-Weißen schnell einem Rückstand hinterher. Der zuvor glücklose Adanir zeigte dann in der 9. und 10.Minute mit zwei starken Paraden, warum er inzwischen türkischer Nationalspieler ist. Im Angriff war es in dieser Phase Nico Schnabl, der mit einem Tor, und zwei tollen Assists auf Valentino Duvancic, dafür sorgte, dass beim 7:6 (13.) das Spiel gedreht war. Allerdings war die Ferndorfer Abwehr noch nicht wirklich im Bilde. Ein ums andere Mal reichten den Mittelrheinern einfache Wackler, um den Ferndorfer Abwehrverbund auszuhebeln. Das führte zu einem 8:10 Rückstand, den Ferndorfs Chefcoach Ceven Klatt zum Anlass nahm, seine erste Auszeit zu nehmen. Schnabl zwickte es ein wenig, so dass Fanger übernahm. Und Filip Baranasic löste Adanir im Tor ab. Die Auftakthandlungen Finn Schrovens bekam die TuS-Abwehr allerdings weiterhin nicht in den Griff. Immer wieder reüssierten die Bayer-Jungs über die Kooperationen des Halbrechten mit Kreis und Außen. Mit einem weiteren Spielerwechsel sorgte Klatt für eine Premiere in Kreuztal. Denn Sören Servos, 19-jährige Leihgabe vom Bergischen HC, durfte im Rückraum ran. Und wie er das machte. Vorne netzte er beim 13:14 (23.) zum ersten Mal im TuS-Trikot. Und im direkten Gegenzug erkämpfte er sich in der Abwehr den Ball. Die mit 1400 Zuschauern ausverkaufte Stählerwiese war zum ersten Mal auf Betriebstemperatur. Fast ein wenig unter ging dabei das Debüt auf Rechtsaußen. Finn Scharnweber, 19-jährige Leihgabe aus Erlangen, kam zu seinen ersten Zweitliga-Minuten. Verhindern konnten die beiden jungen Wilden allerdings auch nicht, dass die Dormagener Truppe auf 13:15 (25.) enteilte und im Ballbesitz war. Doch die zweimalige Chance auf drei Tore zu enteilen, ließ der Gast liegen. Im Gegenteil - gestützt auf die ersten Paraden Baransics, drehten die Männer vom Kindelsberg das Spiel auf 16:15, bevor es dann mit einem 16:16 in die Pause ging. „Die Szenen vor der Pause und später beim 19:22 sind bezeichnend. Wir spielen uns sehr viele Chancen heraus, die wir dann aber nicht nutzen“, wollte TSV-Coach Julian Bauer seinem Team aber trotzdem keinen Vorwurf machen.
„Die Dormagener haben uns mit ihren hohen Halbverteidigern und den daraus resultierenden Stopfouls vor Probleme gestellt. Sehr froh bin ich über das Debüt von Sören Servos, der Power und Schwung in die Partie gebracht hat“ - Klatt war in der Pause zum Handeln gezwungen. Und der so gelobte Youngster lieferte, im Paket mit Marvin Mundus, weiter ab. Wobei die ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit den Mannen vom Rhein gehörten. Auch wenn die Gäste einen weiteren Siebenmeter verwarfen und ebenso technische Unzulänglichkeiten aufzuweisen hatten wie die Gastgeber, gelang ihnen beim 19:22 in der 40.Minute die erste Drei-Tore-Führung. Es gab immer noch zu viele Löcher im Ferndorfer Abwehrverbund. Josip Eres, mit einem seiner fünf sicher verwandelten Siebenmeter, Mundus, und Duvancic sorgten aber innerhalb von drei Minuten für den 22:22 Ausgleich. Der Hexenkessel wurde wieder zum Faktor, denn der Funke war vom Spielfeld auf die Tribünen übergesprungen. Und auch der rot-weiße Abwehrriegel wurde, gestützt von den beiden Kreisläufern Michel und Duvancic, mehr und mehr seinem Namen gerecht. Und vieles was dann noch durchkam, wurde zur Beute Baransics. Eres' Nervenstärke vom Siebenmeter-Strich ist diese Saison beeindruckend – allerdings, beim Stande von 25:26 (48.) einen Heber gegen den 2,03 Meter großen Ole Simonsen im Bayer-Tor zu werfen, und auch zu treffen, zeugt vom großen Zutrauen Eres' in die eigenen Stärken. Unter den Augen von Vize-Europameister Miro Schluroff wurde es ein Kopf-an-Kopf Rennen. Debütant Scharnweber traf in Unterzahl zum 28:27 (51.). Die beiden Trainer hatten dann die richtigen Beschreibungen für das enge Spiel in der Crunch-Time parat. Während Klatt nochmal betonte, dass er „zwei Teams, die gegen jeden Gegner in der Liga alles auf dem Feld lassen“ gesehen hatte, sprach Bauer davon, dass „das Spiel in beide Richtungen gehen kann und wegen dem einen Tor hinten nun nicht alles schlecht sei, genauso wie bei einem Tor vor nicht alles gut gewesen wäre!“ Ein 29:29 zeigte die Anzeigetafel drei Minuten vor Schluss, als der Mann die Bühne betrat, dem diese Situationen inzwischen auf den Leib geschneidert scheinen. Die Rede ist vom Go-to-guy des TuS, von der badischen Ballkanone namens Hideg. Auch wenn Dormagen immer wieder verkürzen konnte. Drei Mal hintereinander knipste Hideg in unnachahmlicher Manier. Und doch bekam Dormagen den letzten Angriff. Aber wie eine Blaupause aus dem Krefeld-Spiel: Der Keeper des TuS, diesmal war es Baransic statt Adanir, hatte was dagegen. Den Abpraller sicherte sich, wie konnte es anders sein, natürlich Hideg. Der warf den Ball zwei Sekunden vor dem Ende einfach weg und schrie seine Freude raus. Was folgte war kollektiver Jubel in Rot und Weiß. Endlich war das lange abhanden gekommene Spielglück wieder zurück in der Stählerwiese.
Das verflixte Jahr 2025 scheint vergessen. Der Blick geht nach vorne. Und da wartet am nächsten Spieltag das Südwestfalen-Derby auf die Michel & Co.. Bei Eintracht Hagen darf sich die TuS-Equipe auf zahlreiche und lautstarke Unterstützung freuen. Wer am 12.Dezember 2024 dabei war, wird wieder dabei sein wollen. Julius Fanger und Jonas Wilde, die beiden Derby-Helden von damals, können den Neuzugängen im Ferndorfer Team sicher aus eigener Erfahrung berichten, wie süß ein Erfolg in diesem Duell schmeckt. Von Vereinsseite gibt es ein Fahrangebot im Bus inklusive Eintrittskarte. Es wird ein tolles Handballfest am kommenden Freitag in der Hagener Ischelandhalle. Deshalb der Aufruf an alle Fans des TuS Ferndorf. Seid live dabei, wenn es im Derby gegen die Eintracht aus Hagen geht: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!
Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Marvin Mundus (8/2), Daniel Hideg (6), Josip Eres (5/5), Sören Servos (4), Valentino Duvancic (3), Mattis Michel, Nico Schnabl (je 2), Finn Scharnweber, Gabriel Viana (je 1), Can Adanir, Filip Baranasic, Hampus Dahlgren, Julius Fanger
Fotos: H. Burbach, T. Adanir, RGR/TuS Ferndorf




































