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TuS N.-Lübbecke entführt zwei Punkte aus der Stählerwiese

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Bild: Heiko Burbach

Es ist zwar Woche für Woche das gleiche Klagelied, was von Ferndorfer Seite angestimmt wird, doch langsam aber sicher ist es eine Personallage, aus der Ferndorfs Coach Ceven Klatt kaum mehr Gewinnbringendes herausholen kann. Denn das Häuflein der Aufrechten lief am Freitagabend bereits im Notmodus, wie Ferndorfs Trainer in der Pressekonferenz betonte: „Wir haben Spieler wie Daniel Hideg, Mattis Michel und Gabriel Viana, die innerhalb der letzten Woche drei Mal über fast sechzig Minuten gehen mussten.“ Dass dazu das Verletzungspech weiterhin zuschlägt, ist das negative Tüpfelchen auf dem I. Tom Jansen fiel kurzfristig aus. Und während des Spiels erwischte es Soeren Servos, der in einer Schwungbewegung den Fuß des am Rande stehenden Gästecoaches Davor Dominikovic traf und umknickte. Dazu hatte Klatt eine ganz klare Meinung: „Das ist maximal unglücklich gelaufen. Davor ist ein großer Sportsmann und er kann absolut nichts dafür. Das war eine Verkettung unglücklicher Umstände!“ Der angesprochene Gästecoach grätschte nochmal dazwischen und bedauerte die Situation ein weiteres Mal und schickte noch einmal beste Genesungswünsche an Servos.

Ein Blick auf die Auswechselbänke ließ schon vor dem Spiel erahnen dass es, neben dem handballerischen Können, auch auf andere Softskills ankommen wird. Was auch Klatt nochmal herausstrich: „Die größte Herausforderung lag im mentalen Bereich!“ Den dreizehn Ferndorfer Spielern stellten sich sechzehn N.-Lübbecker entgegen. Bis auf Spielmacher Kasper Haugen Furu und Shooter Lutz Heiny konnte Dominikovic aus dem Vollen schöpfen. Doch die Anfangsphase gehörte dem TuS Ferndorf. Michel und Hideg legten zum 2:0 vor, bevor der Kroate auf Nettelstedts Bank eine rekordverdächtig frühe Auszeit nahm. Nach gerade einmal zweieinhalb Minuten bat er die Seinen zum Gespräch. „Das war nicht mein Rekord“, sagte er nach dem Spiel augenzwinkernd und erinnerte sich, dass er bereits in der 1.Minute schon einmal eine Auszeit genommen hatte. Seine Mannschaft hatte gut zugehört, denn nach fünf Minuten hatte sie das Spiel zum 2:3 gedreht. Es war Tempo im Spiel. Beide Mannschaften versuchten, über Tempospiel zu Torerfolgen zu kommen, was den Gästen noch ein bisschen besser gelang. Besonders sehenswerter Treffer dann zum 4:5, als Nettelstedts Linksaußen Alexander Schulze einen Tempogegenstoßpass spektakulär im Ferndorfer Tor unterbrachte. Beim 7:6 (16.) hatten die Rot-Weißen das Spiel wieder gedreht. Viana schweißte einen Ball von Linksaußen in den langen Winkel zum 8:6, was die in Schwarz gekleideten Gäste allerdings wenig beeindruckte. Auf der Ferndorfer Bank war die Rotation bereits in vollem Gange. Klatt wechselte durch, um Kräfte zu verteilen. Beispielsweise übernahm Nico Schnabl von Viana auf Linksaußen und reüssierte sogleich zum 9:9 (19.). Auf der Gegenseite funktionierte bei N.-Lübbecke die Kooperation mit dem Kreisläufer nun immer besser, so dass die Ostwestfalen beim 10:13(26.) erstmals auf drei Tore enteilen konnten. Unter dem Jubel von rund einem Dutzend mitgereister Fans wurde nun der Zerberus im Gäste-Tor, Fredrik Genz, mehr und mehr zum Faktor. Sechs Paraden von Genz, standen nur zwei Paraden Filip Baranasics gegenüber. „Wir haben zu viele schlechte Abschlüsse und machen zu viele technische Fehler“, war Klatt mit dieser Phase der Partie nicht einverstanden. Natürlich fehlte den Ferndorfer Jungs auch ihr Emotional Leader. Jansen, der beim Derby in Hagen die immer wieder notwendigen Emotionen reinbrachte, wird erst einmal ausfallen. Ein hartnäckiger Infekt fesselt den niederländischen Nationalspieler aktuell ans Bett, so dass er voraussichtlich auch nächste Woche in Coburg nicht dabei sein wird. So plätscherte es bis zur Halbzeit ein wenig dahin. 12:15 war der Pausenstand, der zumindest noch alle Möglichkeiten offenhielt.

Noch kein Faktor war bis zu diesem Zeitpunkt die Stählerwiese. Danny Pieth am DYN-Mikro beschrieb es treffenderweise so, dass es die Frage nach der Henne und dem Ei war. Musste der Funke vom Spielfeld überspringen oder musste der ansonsten so gefürchtete Hexenkessel den Funken von der Tribüne aufs Feld überspringen lassen? Die 1400 Zuschauer bedeuteten für die Verantwortlichen jedenfalls eine zum dritten Mal in Folge ausverkaufte Stählerwiese. Und die Zuschauer sahen einen Gästekeeper, der mit seinen Paraden mehr und mehr zum Stimmungskiller avancierte. Und während auf Seiten der N.-Lübbecker weiterhin Torgefahr von jeder Position ausgestrahlt wurde, mussten die Michel & Co. für jedes Tor hart arbeiten. Über 13:16 (35.) und 16:19 (40.) veränderte sich nicht viel an der Gesamt-Gemengelage. Sechs Minuten tat sich dann fast nichts am Ergebnis. Es war ein Abnutzungskampf auf beiden Seiten. Eine Auszeit hingegen, in der man kein Mikro braucht um den Trainer zu verstehen, ist von vielen Emotionen geleitet – jedenfalls versuchte es Klatt in seinem Team-Time-Out in der 42.Minute sehr martialisch: „Wir spielen ohne Körperkontakt. Wir brauchen einen guten Rückzug und wir brauchen Körperkontakt in der Abwehr. Und wir brauchen Bereitschaft für Zweikämpfe!“ Eine Viertelstunde vor Schluss probierten es beide Seiten mit einem Kempa. Beide Versuche scheiterten kläglich. Nettelstedts Fünffach-Torschütze Manuel Hörr, der nach dem Spiel ein Extra-Lob seines Trainers einheimste, erhöhte erstmals auf fünf Tore (16:21, 46.). Klatt nahm seine dritte Auszeit, was gleichbedeutend mit der letzten Ausfahrt war. Würde die TuS-Equipe nochmal in die Spur finden? Es sah nicht danach aus. Denn immer dann, wenn die Tür einen Spalt weit aufging, war Genz zur Stelle und sorgte mit einer weiteren Parade für entspannte Gesichter bei den Ostwestfalen. In der 53.Minute dann das Unglück mit Servos, der Dominikoviv auf den Fuß trat. Eine genaue Diagnose steht bei dem Youngster noch aus, doch nach dem Spiel sah man ihn im Spielertrakt schon wieder relativ normal Gehend. Bei den Rot-Weißen klappte nun vieles nicht mehr. Selbst Josip Eres, aus sieben Metern einer der sichersten Schützen der Liga, scheiterte mit einem Strafwurf. Beim Spielstand von 19:25 in der 56.Minute war das Spiel entschieden. Und dennoch hielt das Spiel noch zwei bemerkenswerte Szenen parat. Zum einen der Einsatz des Ferndorfer Jungs Max Löher, der einige Einsatzminuten erhielt und über den sein Trainer sagte: „Max hat es gut gemacht. Er ist jung und braucht Zeit sich zu Entwickeln.“ Zum anderen das Ferndorfer Heimpublikum. Während anderswo unter diesen Umständen Missmut aufkommt, erhob sich die Stählerwiese in den letzten zwei Minuten und zollte den Kämpfern in den rot-weißen Trikots Respekt. Auch wenn das Spiel 24:28 verloren ging, hatten die Michel & Co. mit dem Derbysieg in Hagen viel Kredit bei den eigenen Fans gewonnen.

Am nächsten Samstag geht die Reise des TuS-Trosses ins oberfränkische Coburg. Da hängen die Trauben für den TuS Ferndorf immer hoch. Und gerade unter den aktuellen Rahmenbedingungen, mit acht verletzten Spielern, wird es nochmal einen Zacken schwerer. Doch eines werden die Jungs von Ceven Klatt nicht tun – sie werden den Kopf nicht in den Sand stecken. „Wir werden an diesem Wochenende nicht mehr trainieren. Die Jungs sollen mal regenerieren und den Kopf frei bekommen“, sagte Klatt und richtete sein Augenmerk auf die letzten Spiele der Saison, wo er mit seinem Team auf jeden Fall nochmal einen Sieg feiern möchte. Vielleicht ja schon am 9.Mai, wenn die HSG Nordhorn-Lingen zu Gast in Kreuztals bester Stube ist. Dann heißt es jedenfalls wieder: Raus aus dem Sofa, rein in die Stählerwiese. Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!

Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Daniel Hideg (6), Josip Eres (5/3), Mattis Michel (4), Gabriel Viana (3), Nico Schnabl, Soeren Servos (je 2), Julius Fanger, Marvin Mundus (je 1), Can Adanir, Filip Baranasic, Max Löher, Finn Scharnweber, Philip Würz

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