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TuS Ferndorf bleibt gegen Spitzenteam chancenlos

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Was war das bitte für eine Kulisse – 1400 Zuschauer in der ausverkauften Stählerwiese sorgten für ein lautstarkes Spektakel. Doch der Tabellenzweite, der HBW Balingen-Weilstetten, entledigte sich mit beeindruckender Souveränität der Pflichtaufgabe im Siegerland und hat nun beste Karten im Aufstiegsrennen. Denn die direkten Konkurrenten der Süddeutschen ließen Federn, so dass an der Tabellenspitze Bietigheim und Balingen nun einsam ihre Kreise ziehen. Der Blick des TuS Ferndorf hingegen geht nach unten. Die HSG Krefeld hat den nächsten Sieg eingefahren, so dass sich das Tableau im Tabellenkeller, analog zum vergangenen Jahr, wieder einmal eng zusammenschiebt. Gerade einmal vier Punkte trennen den Tabellenvierzehnten aus Ludwigshafen noch vom ersten Abstiegsplatz, den nach diesem Spieltag wahrscheinlich der TuSEM aus Essen innehat, die am Sonntagnachmittag gegen Bietigheim ran müssen. Und gegen die beiden genannten Teams dürfen die Michel & Co. noch ran. Am 23.Mai bei den Eulen Ludwigshafen und dann am letzten Spieltag, am 6.Juni, unter Umständen zum Hitchcock-Finale, gegen den TuSEM.

Zum Spiel: Die Männer in Rot und Weiß begannen furios. Die Achse Daniel Hideg / Mattis Michel funktionierte von Beginn an, das Tempo war hoch und der treffsicherste Siebenmeterschütze der Liga, Josip Eres, war ebenfalls von Beginn an auf der Höhe. Das mündete in einer 4:2 Führung in der 6.Minute. Die Mannen von Coach Ceven Klatt zeigten zu Beginn ein gänzlich anderes Gesicht als noch vor zwei Wochen in Bietigheim. Doch zwei Zeitstrafen gegen den Ferndorfer Kapitän und einige nicht klar nachzuvollziehende Pfiffe brachten das fragile Gebilde namens Ferndorfer Selbstbewusstsein ins Wanken. Die Entscheidungen auf dem Feld zogen sowohl dem Team, als auch der Halle den Stecker. Und wie abgezockt ein Team aus den oberen Gefilden agiert, demonstrierten die Gäste in Perfektion. Jede noch so kleine sich bietende Chance packten sie beim Schopfe und demonstrierten, warum sie auf Tabellenplatz Zwei stehen. In Zahlen ausgedrückt: Aus einem 5:5 (11.) wurde innerhalb von nur dreieinhalb Minuten ein 5:10. „Ein guter Start bis zum 4:2. Danach fällt uns das Torewerfen schwer. Wir lassen zu viele Chancen aus und machen in Summe zu viele technische Fehler“ - Klatt war alles andere als zufrieden mit seinem Team und versuchte schon in Minute Dreizehn mit einer Auszeit gegenzusteuern. Als Stimmungsaufheller betätigte sich dann Can Adanir. Der TuS-Keeper traf über das Feld hinweg ins leere Balinger Tor zum 7:10. Der Hexenkessel kam kurz in Wallung, doch vier Balinger Treffer in Folge waren zu viel des Guten und ein echter Killer für die Stimmung in Kreuztals bester Stube. 7:14 lautete der Zwischenstand in der 27.Minute. Auf Seiten der Nordsiegerländer war die Wurfquote im Keller, während die in Blau gekleideten Gäste ein Musterbeispiel an Effizienz an den Tag legten. Hinzu kam, dass der ehemalige deutsche Nationaltorwart Daniel Rebmann wesentlich häufiger eine Hand an den Ball bekam als das Ferndorfer Torhüter-Duo. Sieben selber erzielte Tore, darunter zwei Siebenmeter, sprechen eine eindeutige Sprache. Balingen-Weilstetten agierte mit einem perfekt verschiebenden Abwehrverbund, während die Klatt-Mannen von der 17. bis zur 27.Minute ohne Torerfolg blieben. Ein Hoffnungsschimmer für Halbzeit Zwei war der spektakuläre 10:16 Anschlusstreffer zum Halbzeitstand durch Julius Fanger in der 30.Minute.

Der Beginn von Hälfte Zwei hatte auf Ferndorfer Seite einen Hauptprotagonisten, der in der ersten Halbzeit noch weit von seiner Normalform entfernt war – Daniel Hideg. Die badische Ballkanone nahm das Heft des Handelns in die Hand und traf zwischen der 30. und 38.Minute vier Mal, obwohl er zwischenzeitlich zwei Minuten auf der Strafbank Platz nehmen musste. Da aber die Ferndorfer Keeper, inzwischen hatte Filip Baranasic von Adanir übernommen, weiterhin ohne Fortune agierten, konnte der Rückstand nicht verkürzt werden. Aus dem 10:16 Halbzeitstand wurde nach 38 Minuten ein 16:22. „Wir haben in der Abwehr sehr stark agiert und sind wachsam geblieben“, stellte Gäste-Coach „Matti“ Flohr seinem Team ein gutes Zeugnis aus und schob anschließend hinterher, dass er „unfassbar stolz auf sein Team“ sei. Wahrlich, ab der 40.Minute ließen die Männer aus dem Zollernalbkreis die Muskeln spielen und zogen bis zur 48.Minute auf 18:27 davon. Die Entscheidung war längst gefallen. Der Hexenkessel gar nicht auf Temperatur gekommen, da die Akteure auf dem Feld den Funken nie überspringen lassen konnten. Da die Gäste nun im Gefühl des sicheren Sieges zwei Gänge zurückschalteten, hatte die TuS-Equipe die Chance zur Ergebniskosmetik. Zum Ende hin konnte man das Ergebnis erträglicher gestalten. Am Ende waren es, beim Endergebnis von 24:32, acht Tore Unterschied. Gefühlt waren es deutlich mehr. Das Schlusswort gehört dem siegreichen Gäste-Trainer: „Ich bin enorm froh hier gewonnen zu haben, da wir höchsten Respekt vor dem TuS Ferndorf hatten.“

Zeit zum Wundenlecken haben die Michel & Co. nicht wirklich. Zwei unfassbar schwere Aufgaben haben sie noch vor der Brust. Am Ostersamstag geht es in den Speckgürtel der deutschen Hauptstadt. Beim Tabellenvierten aus Potsdam wird es allerdings eine ebenso schwere Aufgabe wie am darauffolgenden Freitag im Heimspiel gegen den Tabellendritten aus Dresden. Es klingt abgedroschen, ist aber aktueller denn je zuvor – das Team braucht den Schulterschluss mit den Fans. Langsam aber sicher biegt eine kräftezehrende Saison auf die Zielgerade ein. Vier Heimspiele stehen für den TuS Ferndorf noch auf dem Programm. Vier Mal die Chance, gemeinsam mit dem Hexenkessel wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg einzusammeln. Und dann heißt es hoffentlich am Abend des 6.Juni, dass man im handballverrücktesten Dorf des Siegerlands ein weiteres Jahr Zweitliga-Handball genießen darf.

Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Daniel Hideg (5), Mattis Michel, Gabriel Viana (je 4), Tom Jansen (3), Soeren Servos (2), Josip Eres (2/2), Can Adanir, Julius Fanger, Finn Scharnweber, Nico Schnabl (je 1), Filip Baranasic, Hampus Dahlgren, Marvin Mundus, Philip Würz


Fotos: Heiko Burbach

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