Zum Hauptinhalt springen

Tragischer Schlussakkord vor 1337 Zuschauern

News

Es konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen, aber die beiden größten Highlights gab es aus Ferndorfer Sicht schon bei der Einlaufzeremonie. Zum einen zeigte Kapitän Mattis Michel mit seinem Einlaufkind, dass der TuS Ferndorf das Thema Inklusion groß schreibt und es am Ende des Tages immer noch viel, viel wichtigere Dinge im Leben gibt als Sieg oder Niederlage in einem Handballspiel. Zum anderen wurde beim Einlaufen der Nummer 25, Marvin Mundus, bekanntgegeben, dass der 25-jährige Lengericher seinen Vertrag bis 2028 verlängert hat.

Dass war es dann erst einmal mit den positiven Dingen des Abends. Wobei einer aus dem Team der Rot-Weißen herausragte und die Anfangsminuten dominierte – Can Adanir, der mit seinen Paraden dafür sorgte, dass die Gäste aus der Hansestadt Lübeck nicht schon früh enteilten. Julius Meyer-Siebert sorgte mit Tor und Assist für eine frühe 2:0 Führung. Erst nach viereinhalb Minuten musste Adanir dann das erste Mal hinter sich greifen. Meyer-Siebert sorgte aus elf Metern mit brachialer Gewalt für die erneute Führung. Kopf-an-Kopf ging es weiter, wobei die TuS-Equipe immer vorlegte. Beim 4:4 in der 11.Minute hatte man allerdings eine andere Wahrnehmung. Denn auf der einen Seite hielt Adanir was zu halten war, währenddessen die Hansestädter gefühlt keine Torhüterleistung hatten. Julius Fangers wunderschöner Dreher zum 8:7 (18.) sollte die letzte TuS-Führung an diesem Abend sein. Ferndorfs Coach Ceven Klatt nahm eine Auszeit, um direkt im Anschluss ins Sieben gegen Sechs zu wechseln. Doch die blau-weiß gekleideten Gäste glichen nicht nur wieder aus, sondern gingen beim 9:12 sogar mit drei Toren in Führung. „Wir wussten, wie unangenehm Lübeck deckt“ - Klatt lobte indirekt einen Schwartauer Abwehrverbund, der die Ferndorfer Rückraumakteure hochstehend empfing, perfekt verschob und immer wieder zu Stopfouls kam. Lücken fanden dann bis zur Pause noch Vertragsverlängerer Mundus und Daniel Hideg, so dass es mit einem 11:13 in die Pause ging. Letzter Aufreger in Hälfte Eins war ein vermeintliches Stürmerfoul vom Halbrechten der Gäste, Janik Schrader. Dieser rauschte mit einem Spin-Move in Hampus Dahlgren hinein. Alle rechneten mit der Ahndung eines Stürmerfouls. Doch die Schiedsrichter gaben Siebenmeter für das Kreisvergehen Dahlgrens und zu allem Überfluss musste der kleine Schwede aufgrund dieses Zusammenpralls verletzungsbedingt den Dienst quittieren. 

„Ferndorf hat uns sechzig Minuten lang immer neue Aufgaben gestellt. Doch wir haben mit viel Geduld immer wieder Lösungen gefunden“ - Lübecks Coach David Röhrig war voll des Lobes für sein Team. Den Rückstand zur Halbzeit hatten die Michel & Co. beim 14:14 ausgeglichen. Gabriel Viana, der den verletzten Dahlgren ersetzte, kehrte früher wieder aufs Feld zurück wie angedacht. Und führte sich direkt mal mit einem Tor ein. Doch bis zur 40.Minute hatten die Marmeladenstädter wieder eine Drei-Tore-Führung herausgeworfen. 16:19 lautete der Zwischenstand. Der zuletzt so stark agierende Ferndorfer Abwehrverbund kam ein ums andere Mal nicht in die Zweikämpfe, war zu spät dran, was postwendend mit Siebenmetern bestraft wurde. Tom Jansen und Lukas Süsser kamen dann ins Spiel. Und beide Akteure führten sich mit einem Tor ein. Insbesondere Süssers Dreher zum 18:19 (41.) war ein Schmankerl. Durch diverse Zeitstrafen wurde es danach luftig auf dem Feld. Dabei hatte Lübecks Lukas Kingsley Emdorf Glück, dass er für einen Schlag gegen Fangers Hals nur eine Zwei-Minuten-Strafe bekam. Der TuS-Equipe fehlte weiterhin die Tiefe im Spiel. Anders die Gäste, die dadurch Siebenmeter um Siebenmeter zugesprochen bekamen – neun waren es am Ende! Was danach folgte, war Abnutzungskampf par excellence. Keine der beiden Seiten wollte nachgeben. Angeführt von einem in der zweiten Halbzeit entfesselt aufspielenden Fanger ließ die TuS-Equipe nicht abreißen. Über 21:22 (45.) und 24:25 (49.), nahm Klatt in der 50.Minute sein zweites Team-Time-Out. Und im Gegensatz zur ersten Halbzeit drehte der Coach nun an den richtigen Stellschrauben. Beim 27:27 in der 54.Minute war das Spiel wieder auf Null gestellt. In den darauffolgenden fünf Minuten merkte man beiden Teams die nachlassende Konzentration an. Technische Fehler und unkonzentrierte Abschlüsse gaben sich die Klinke in die Hand. „Wir haben drei Hundertprozentige in den letzten vier Angriffen. Da sind wir dann auch nicht abgezockt genug“, haderte Klatt mit der Chancenverwertung seiner Jungs. Röhrig hatte dagegen eine andere Sicht auf die Dinge: „Das war mit eine der besten Leistungen in dieser Saison von meinem Team. Wir haben keinen Torhüter-Sahnetag, aber ausgerechnet die letzten drei Bälle nimmt Paul Dreyer weg!“ Dabei darf durchaus angemerkt werden, dass man gerade in Drucksituationen einfach mal den einfachen, geraden Ball suchen sollte, statt den x-ten Trickwurf zu versuchen. Lübecks Bester, Rechtsaußen Paul Holzhacker, hatte zum 27:28 getroffen. Doch der Schlussakkord wollte es so, dass die letzte Minute an Dramatik nicht zu überbieten war. Überzahl Ferndorf, doch Lübeck hat den Ball. Filip Baranasic hält und in der ersten Welle nimmt Fanger die Verantwortung und geht aufs Tor. Kein Tor, aber Siebenmeter – und in dieser Saison hat Josip Eres eine Wahnsinnsquote vom Strich. Doch ausgerechnet bei diesem so eminent wichtigen Wurf klappt es nicht und Gäste-Schlussmann Dreyer wird zum umjubelten Held.

Das was in dieser Saison an Dramatik in der Stählerwiese geboten wird, ist nicht mehr mit Worten zu beschreiben. Sechstes Heimspiel der Spielzeit 25/26 – und zum vierten Mal verlieren die Michel & Co. mit dem knappsten aller Ergebnisse. Gut, dass nächste Woche ein Auswärtsspiel auf dem Programm steht möchte man da fast schon sagen. Es geht nach Lübbecke in die Kreissporthalle zum TuS Nettelstedt-Lübbecke. Wieder ein Freitagabend – hoffentlich wieder ein spannendes Spiel ; dann aber bitte mit dem besseren Ende für die leidgeplagten Ferndorfer Jungs. An der Unterstützung durch die Fans hat es auch dieses Mal wieder nicht gelegen. Und so wie man die reisefreudigsten Anhänger der Liga kennt, werden auch wieder einige nach Ostwestfalen aufbrechen, um dort das Wochenende einzuläuten. Mitgefiebert werden darf natürlich auch wieder beim Streamingdienst DYN vor den Endgeräten. Egal wo – auch am Freitagabend zählt der TuS wieder auf seine Fans, wenn es heißt: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!

Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Julius Fanger (8), Julius Meyer-Siebert (6), Josip Eres (4/1), Tom Jansen, Marvin Mundus (je 2), Valentino Duvancic, Daniel Hideg, Mattis Michel, Lukas Süsser, Gabriel Viana (je 1), Can Adanir, Filip Baranasic, Hampus Dahlgren


Fotos: TuS Ferndorf + T. Adanir
 

Weitere interessante Beiträge

Spielplan veröffentlicht: TuS Ferndorf startet in Ludwigshafen – Heimauftakt gegen Emsdetten

Weiterlesen

TuS verliert erstes Testspiel und Julius Fanger

Weiterlesen

Helmersson zum TuS Ferndorf: Zwei Ambitionen, die perfekt zusammenpassen

Weiterlesen

Sommerfahrplan 2026: TuS Ferndorf startet in die heiße Phase der Vorbereitung

Weiterlesen

DHB-Pokal: TuS Ferndorf empfängt TSV Hannover-Burgdorf am 21. August – Ticketvorverkauf startet am 8. Juli für Dauerkarteninhaber

Weiterlesen

Bundesliga-Highlights in der Sommervorbereitung - TBV Lemgo Lippe & Bergischer HC in der Stählerwiese

Weiterlesen