Starker Auftritt der TuS-Jungs macht Appetit auf den Liga-Auftakt

TuS-Coach Ceven Klatt hatte bereits im Vorfeld das richtige Näschen bewiesen, als er, angesprochen auf den tollen Pokalabend des TuS gegen die Rhein-Neckar-Löwen vor knapp zehn Jahren in der Gummersbacher Schwalbe-Arena, verlauten ließ: „Den Top-Teams aus der 1.Liga reicht meist eine fünf- bis zehnminütige Schwächephase des Zweitligisten aus, um das Spiel auf ihre Seite zu ziehen!“ Der Prophet sollte recht behalten – denn wären die fünf Minuten vor der Halbzeit und die fünf Minuten nach der Halbzeit nicht gewesen, man hätte dem haushohen Favoriten wahrscheinlich bis in die Schlussphase hinein Paroli bieten können. So blieben den stark dezimierten TuS-Jungs nur anerkennende Schulterklopfer nach dem Spiel und die Standing Ovations der 1033 Zuschauer in den beiden Schlussminuten.
Der niederländische Nationalspieler in Diensten des TuS Ferndorf, Tom Jansen, machte gleich zu Beginn deutlich, warum er sich letzte Saison zum Emotional Leader entwickelt hat. Vorne übernahm er Verantwortung und hinten ackerte und feierte er sich wie einst beim Auswärtscoup in Hagen. „Tom hat das auf der Mitte sehr gut gelöst“, war auch sein Coach voll des Lobes. H annovers Rechtsaußen Daniel Weber stellte in der 3.Minute auf 1:2. Das sollte für die kommenden neun Minuten die letzte Führung des Erstligisten gewesen sein. Denn die Rot-Weißen zeigten sich völlig unbeeindruckt vom Gegner und legten fortan vor. Selbst eine doppelte Unterzahl überstand man fast schadlos. Grund dafür war sicher auch das taktische Mittel von Ferndorfs Chefcoach. Klatt hatte seinen Mannen das Spiel Sieben gegen Sechs verordnet. Was in der Folge leider auch immer wieder zu einfachen Gegentoren in den verwaisten TuS-Kasten führte, andererseits im Angriff, mit dem zweiten Kreisläufer, mannigfaltige Optionen für Lösungen bot. Und diese wurden immer wieder kreiert durch die spielfreudigen Rückraumakteure der Nordsiegerländer. Erst beim 6:7 (12.) legten die Niedersachsen wieder vor. Doch der frischgebackene Papa Daniel Hideg, sorgte nicht nur für den Ausgleich sondern, mit einem Assist auf Philip Würz aus der Kategorie Spektakel, für die neuerliche Führung beim 8:7 (13.). Juan Carlos Pastor, spanischer Weltmeister-Trainer von 2005, hatte genug gesehen und nahm eine Auszeit. „Wie gut wir uns aus der Affäre ziehen sieht man auch daran, dass Pastor nach knapp einer Viertelstunde seine erste Auszeit nimmt und er seine erste Sieben rund 45 Minuten auf der Platte lässt“, war Klatt hörbar stolz auf die Leistung seiner Jungs. Die Ferndorfer Halbrechten, in Person von Tom Jansen und Marvin Mundus, waren kaum zu stoppen. Nach dem 7:7 waren es zwei Tore von Jansen und vier Tore von Mundus die im 13:12 (18.) mündeten. Klatt nahm in der 21.Minute seine erste Auszeit. „Unser Problem ist Tissier“, sprach Ferndorfs Coach den Denker und Lenker im Hannoveraner Spiel an. Und wahrlich – der immer mal wieder auf dem Sprung in die Nationalmannschaft stehende Mittelmann war kaum zu bremsen. Entweder strahlte er selber Torgefahr aus oder setzte Justus Fischer am Kreis in Szene, der dann häufig nur auf Kosten von Siebenmetern zu stoppen war. Apropos Siebenmeter – während die Grün-Weißen sieben von acht Versuchen verwandelten, sah die Ferndorfer Quote mit drei Toren aus sechs Versuchen denkbar schlechter aus. Doch erst einmal hielt die 22.Minute den schönsten Treffer der Partie bereit. Mundus setzte den wieder genesenen Julius Fanger in Szene, der mit einem wundervollen Kempa zum 15:15 traf. „Fabian Hecker ist ein ganz starker Part im Abwehrverbund“, lobte Klatt den ein Jahr verletzungsbedingt ausgefallenen Sauerländer, der dann auch zum 16:16 (23.) traf, Doch dann kamen die eingangs angesprochenen fünf Minuten vor der Pause. Die TSV Hannover-Burgdorf nutzte einige Unaufmerksamkeiten im Ferndorfer Spiel und stellte bis zur Halbzeitsirene auf 17:20.
Die hohe Anzahl der verursachten Siebenmeter und die Tore ins verwaiste Ferndorfer Gehäuse infolge des Spiels Sieben gegen Sechs – zwei schwerwiegende Gründe dafür, warum schon fünf Minuten nach Wiederanpfiff die rund ein Dutzend Hannover-Burgdorf Fans Pläne für die 2.Pokalrunde schmieden durften. Große Expertenkenntnis war nicht vonnöten um zu wissen, dass nach dem 20:26 in der 36.Minute eine Pokalsensation nicht mehr möglich war. Dafür ist der Handballpokal nicht mit dem DFB-Pokal der Fußballer vergleichbar. Im Handball ist es für einen Zweitligisten schier unmöglich, solch einen Rückstand nochmal zu egalisieren. Und doch muss man der TuS-Equipe zugute halten, dass sie sich zu keiner Zeit aufgaben und immer weiter versuchten, den Matchplan Klatts umzusetzen, der damit nach Spielende auch seinen Frieden gemacht hatte und zufrieden war: „Wir haben über weite Strecken einen erfrischenden Handball gespielt. Ob mit zwei Rechts- oder auch zwei Linkshändern - im Sieben gegen Sechs haben wir immer wieder Lösungen gefunden!“ Dabei wäre der Favorit bei besserer Chancenverwertung der Ferndorfer nicht so schnell weggezogen. Klatt hatte versucht mit einer frühen Auszeit entgegenzuwirken. Aber wie das im Sport oft der Fall ist, kam dann auch noch Pech, hier in Form von Aluminiumtreffern, dazu. Und so zog der Erstligist über 22:28 (40.) und 24:31 (49.) davon. Von einer echten Crunch-Time konnte keine Rede mehr sein. Ein schöner Nebenaspekt war es, dass sich bis zum Spielende alle Neuzugänge den Ferndorfer Fans präsentieren und auch in die Torschützenliste eintragen konnten. Die beiden Linksaußen Pablo Lange und Thore Rahmlow, wie auch Kreisläufer Timo Stoyke, konnten dem Spiel allerdings keine Wendung geben. Die etwas zerfahrene Schlussphase endete in einem verdienten 29:36 Auswärtssieg. Die TSV Hannover-Burgdorf kann sich auf die nächste Aufgabe konzentrieren, um am Wochenende 10.+11.April 2027 den Sehnsuchtsort Köln zu erreichen.
Für den TuS Ferndorf gilt die Konzentration ab dem morgigen Tag voll und ganz dem Ligaauftakt bei den Eulen Ludwigshafen. Dort gastieren die Michel & Co. am kommenden Samstag um 18:00 Uhr. In den vergangenen Jahren waren immer viele Ferndorf-Fans vor Ort, um das Team lautstark zu unterstützen. Das wird auch am Samstagabend nicht anders sein, wenn es endlich wieder heißt: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!
Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Tom Jansen (8), Marvin Mundus (6/3), Daniel Hideg (4), Julius Fanger (3), Mattis Michel (2), Fabian Hecker, Pablo Lange, Thore Rahmlow, Finn Scharnweber, Timo Stoyke, Philip Würz (je 1), Can Adanir, Filip Baranasic
Fotos RGR/TuS Ferndorf, René Weiss
























