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Sensationeller Auswärtssieg in Coburg

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Foto: Tamay Adanir

Filip Baranasic war im Abschlusstraining umgeknickt. Und für Soeren Servos hatte die Zeit von vergangenem Freitag an auch nicht ganz gereicht. Somit standen gerade einmal dreizehn Spieler im Aufgebot des TuS für das schwere Auswärtsspiel beim Tabellenachten aus Coburg. Dabei mitgezählt Jannis Michel, der Co- und Torwarttrainer, der Baranasic vertrat. Und der emotional leader Tom Jansen, der aufgrund seiner Krankheitsgeschichte nur für den allergrößten Notfall auf der Bank saß. Im Vorbericht wurde, auch aufgrund der bisher desaströsen Bilanz gegen Coburg, von einer wahren Heldeninszenierung geschrieben, wenn denn ausgerechnet in dieser Personalsituation ein Sieg bei den Schwarz-Gelben gelänge. Und um es kurz zu machen – die zehn eingesetzten Spieler haben sich am Samstagabend in Coburg zu Helden geworfen. Dass darf dann gerne am kommenden Samstag mit einer ausverkauften Stählerwiese honoriert werden. Die Michel & Co. haben sich einen entsprechenden Empfang jedenfalls redlich verdient.

Im Ferndorfer Rückraum begannen, von links nach rechts, Julius Fanger, Nico Schnabl und Marvin Mundus. Lösungen über Übergänge und Breite ins Spiel bekommen – das hatte Chefcoach Ceven Klatt seinen Jungs ins Aufgabenheft geschrieben. Und das setzten sie gleich zu Beginn sehr gut um. Es wurde geduldig nach Lösungen im Angriffsspiel gesucht und es gab nicht den einen, kontrollierbaren Shooter im TuS-Team. Im Gegenteil, die ersten drei Torschützen hießen Mundus, Hideg und Schnabl – von Halbrechts, von der Mitte und von Halblinks. 1:3 stand es nach drei gespielten Minuten. Damit hatten die Klatt-Mannen das geschafft, was man sich vorgenommen hatte – von Beginn an mitzuspielen und nicht abreißen zu lassen. In der Abwehr stellte eine äußerst bewegliche Ferndorfer Formation die Coburger Angreifer immer wieder vor große Aufgaben. Es war dann die 8.Minute, beim Stande von 3:4, als Finn Scharnweber einen Wurf an die Latte setzte. Um es vorwegzunehmen, es sollte für lange Zeit der letzte Fehlwurf des talentierten 20-jährigen gewesen sein. Der Zwischenstand von 4:6 (11.) resultierte daraus, dass Can Adanir zwei Paraden mehr vorzuweisen hatte als sein Gegenüber. Die Gastgeber wechselten sogar sehr früh den Keeper. Ferndorf-Schreck Petros Boukovinas bekam keine Hand an den Ball und machte Platz für Fabian Apfel. Die erspielte Zwei-Tore-Führung gaben die Rot-Weißen erstmal nicht aus der Hand. Gestützt auf Adanir, hinter einer herausragend arbeitenden Abwehrformation, die gut in die Helfersituationen kam, perfekt verschob und den Coburger Spielfluss immer wieder mit Stopfouls störte, war die oftmals kritisierte Spielsteuerung ein Prunkstück in der Offensive. „Nico Schnabl macht sein bestes Spiel im TuS-Trikot“, sagte Klatt nach dem Spiel und schob noch hinterher, dass „er dem Spiel Struktur gegeben hat“. Neben Toren und erfolgreichen Anspielen auf den Kapitän am Kreis, ging Schnabl auch in die Tiefe, was in Siebenmetern für die TuS-Equipe mündete. Hierbei zeigte sich einmal mehr Josip Eres als verlässlicher Schütze, auch wenn auf dem Feld Scharnweber den Vorzug erhalten hatte. Aus einem 7:9 machten Eres und Hideg innerhalb von dreißig Sekunden ein 7:11 (18.). HSC-Coach Anel Mahmutefendic hatte genug gesehen und nahm eine Auszeit. „Räume suchen, Ball laufen lassen, mehr investieren“ - Mahmutefendic legte den Finger in die Wunde, doch seine Auszeit hatte erst einmal keinerlei positive Wirkung auf das Coburger Spiel. Im Gegenteil – das Spielglück war mit den Ferndorfer Jungs, was beim Tor zum 8:13 eindrucksvoll zu beobachten war. Coburg hatte auf Sieben gegen Sechs umgestellt. Ein Wurf Daniel Hidegs über das ganze Feld wäre eine sichere Beute des Coburger Keepers geworden. Doch ein Schwarz-Gelber hatte seine Finger im Spiel und fälschte den Ball leicht ab, der dann ins Tor trudelte. Beim 8:14 (24.) kassierte Mundus eine Zwei-Minuten-Strafe, so dass der Ernstfall für Jansen eingetreten war. Da aber Adanir weiterhin der bessere Keeper war, kamen die Gastgeber nicht näher ran. Auch zwei weitere Zeitstrafen, gegen Gabriel Viana und Mattis Michel, brachten die Siegerländer Jungs nicht aus dem Konzept. Man wartete weiterhin geduldig auf Chancen und war mit dem Spielglück im Bunde, was der Treffer zum 13:18 Halbzeitstand bewies. Eres verwarf einen Siebenmeter. Der Ball blieb aber bei den Rot-Weißen, und Hideg schweißte den Ball in der Schlusssekunde aus zwölf Metern in die Maschen.

Klatt war nach dem Spiel hörbar stolz auf die Seinen: „Eine ganz starke Angriffsleistung des Teams. Es spricht für die Truppe, mental über sechzig Minuten so auf der Höhe zu sein!“ Dabei war der Auftakt in Hälfte Zwei nicht von Erfolg gekrönt. Julius Fanger, der weiterhin aufsteigende Form zeigt, wurde äußerst rüde aus der Luft geholt und landete unsanft auf dem Rücken. Coburg bekam jetzt dazu auch noch Torhüter-Paraden. Und zu allem Überfluss agierte Coburgs Bester, Mikael Helmersson, vom Strich aus wie ein Uhrwerk. Beim 17:20 (37.) waren die Bayern wieder in Schlagdistanz. Doch die Mentalitätsmonster aus dem handballverrücktesten Dorf Südwestfalens zogen wieder an. Schnabl funktionierte hinten sowie vorne. Und spätestens bei Vianas Traumtor zum 18:23 nahm der Traum vom Auswärtssieg Konturen an. Auf den Tribünen konnte man nun überdeutlich hören, dass auch zu diesem Spiel wieder einige Ferndorfer mitgefahren waren. Einfach nur Wahnsinn, mit welcher Leidenschaft die Mannschaft supportet wurde. Gestützt auf die immer wieder deutlich zu vernehmenden Ferndorf-Sprechchöre zogen die Michel & Co. über 20:24 (42.) auf 22:27 (49.) davon. Klatt nahm eine Auszeit, und verlangte von den Seinen: „Wir brauchen die Höhe gegen Helmersson. Den müssen wir weghalten. Ich weiß dass es schwer fällt, aber ich möchte, dass wir die nächsten fünf Minuten nochmal ins Tempo gehen und einfache Tore mitnehmen.“ Und wie der Chef befohlen, ließen seine Spieler Taten folgen. Ein bockstark aufspielender Mundus, ein äußerst treffsicher Scharnweber und hintendrin die Lebensversicherung namens Adanir. Die TuS-Equipe legte bis zum 22:28 (51.) eingangs der Crunch-Time vor. Zwei Minuten später durften die Coburger nochmal kurz Hoffnung schöpfen. Doch Fanger, der ebenso wie Schnabl mit viel Übersicht und Cleverness agierte, machte beim 24:29 (54.) den Deckel drauf. Die letzten Minuten wurden dann zum Jubellauf in Rot und Weiß. Zwei Mal trat dann noch der türkische Nationalspieler in Erscheinung. Erst kaufte Adanir Helmersson einen freien Ball ab. Um dann kurz vor Schluss, mit einem über das ganze Spielfeld geworfenen Ball, den Treffer zum 26:32 zu erzielen. „Wir spielen es cool und routiniert runter“, war Klatt sehr angetan von der Art und Weise, wie seine Jungs in der Coburger Arena aufgetreten sind.

Nun gilt es, gegen die HSG Nordhorn-Lingen noch einmal nachzulegen, um im letzten Heimspiel der Saison einen versöhnlichen Ausklang mit den Fans zu feiern. Denn auf ein Herzschlag-Finale am 7.Juni gegen den TuSEM Essen hat keiner wirklich Lust. Und so kommt dem Spiel am kommenden Samstag um 18:00 Uhr eine besondere Bedeutung zu. Denn mit einem weiteren Sieg könnte man den dann wohl sicheren Klassenerhalt feiern. Ein paar wenige Sitzplatz-Tickets gibt es noch - Stehplätze auch. Aber das Ziel lautet: Ausverkaufte Stählerwiese! Verdient haben es sich die Kämpfer in den rot-weißen Trikots allemal. Deshalb der Aufruf für den kommenden Samstag: Raus aus dem Sofa, rein in die Stählerwiese. Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!

Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Marvin Mundus (9/3), Daniel Hideg, Julius Fanger (je 4), Finn Scharnweber, Nico Schnabl, Gabriel Viana (je 3), Josip Eres (3/3) Mattis Michel (2), Can Adanir (1), Tom Jansen, Jannis Michel, Philip Würz


Fotos: Tamay Adanir

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