Sechste Ein-Tore-Niederlage zehrt am Nervenkostüm

Es begann vielversprechend für die Siegerländer. Julius Fanger setzte Valentino Duvancic in Szene, der zum 1:0 traf. Apropos Duvancic – der hatte gegen die anfangs offensive Abwehr der Hessen Schwerstarbeit zu verrichten. Das traf wiederum auch für Latte und Pfosten zu. Hüben wie drüben rettete ein ums andere Mal das Aluminium für die bereits geschlagenen Keeper. Und es war schon in den ersten Minuten erkennbar, dass die Abwehrreihen das Spiel dominieren würden. Bis zur 10.Minute stand ein 2:2 auf der Anzeigetafel. Dann ging es kurzzeitig Schlag auf Schlag. Gabriel Viana kassierte eine Zeitstrafe, doch in Unterzahl netzte Marvin Mundus spektakulär zum 4:4 (12.) und zog auch auf der Gegenseite eine Zwei-Minuten-Strafe. Daniel Hideg traf dann ins verwaiste Hüttenberger Tor. Und als Viana, per Tempogegenstoß, in der 15.Minute auf 7:5 erhöhte, wähnten die TuS-Fans die Rot-Weißen auf dem richtigen Weg. Nico Schnabl verwertete ein schlecht getimtes Zuspiel Hidegs abenteuerlich zum 8:6. Da waren gut sechzehn Minuten gespielt. Warum das wichtig ist? Weil in den darauffolgenden Minuten nichts mehr zusammen ging bei den Jungs vom Kindelsberg. Sage und schreibe zwölf Minuten blieb man ohne eigenen Torerfolg. Unkonzentriertheiten, technische Fehler, wiederholtes Alu-Pech und ein glänzend aufgelegter Yahav Shamir im Hüttenberger Tor verhinderten, dass man länger in Führung blieb. Die Mittelhessen zogen über 8:8 (21.) auf 8:11 (27.) davon, bevor der niederländische EM-Fahrer Tom Jansen zum ersten Mal wieder für die TuS-Jungs reüssierte. Shamir hatte seine Quote mittlerweile in die Höhe einer Weltklasse-Leistung katapultiert (46%) und auf der anderen Seite brachte der Wechsel vom nicht schlecht haltenden Can Adanir auf Filip Baranasic nicht den erhofften Impact aufs Spiel. Mit Fanger, Hideg und Schnabl standen Chefcoach Ceven Klatt nur drei der etatmäßigen Rechtshänder im Rückraum zur Verfügung. Julius Meyer-Siebert musste passen und fehlte vor allen Dingen im Angriff. Denn mit Fanger und Schnabl war zwar immense Spielfreude auf dem Feld, es fehlte aber einer, der auch mal aus dem Rückraum treffen konnte. So war es fast schon verwunderlich, dass bis zur Halbzeit ein 11:11 auf dem Zettel stand. Hideg hatte zum 10:11 getroffen und dabei eine Hüttenberger Zeitstrafe gezogen. In Unterzahl konnten die Gäste nicht treffen und Josip Eres markierte, aus ganz spitzem Winkel, das angesprochene 11:11. Hüttenbergs Trainer Stefan Kneer fand nach dem Spiel die richtigen Worte: „Ein schwieriges Spiel, wo beiden Seiten die fehlende Leichtigkeit anzumerken war.“ Sein Gegenüber auf Ferndorfer Seite sah darüber hinaus „ein sehr kampfbetontes Spiel mit guten Abwehrreihen“.
Die zweite Hälfte begann ähnlich wie die erste. Fanger setzte den ersten Akzent und dann scheiterte man wieder am Aluminium. Die von Kneer angesprochene Leichtigkeit war den Hausherren abhanden gekommen. Für jedes Tor musste gekämpft werden. Zudem war beim Torhüter-Duell weiterhin der Gast weit überlegen. Beim 12:12 in der 33.Minute war das Spiel zum letzten Mal remisiert. Danach legten die ganz in Weiß gekleideten Gäste vor. Jansen war es, der die Seinen am Leben hielt. Nach einer dreiviertel Stunde erinnerten jedoch beide Mannschaften an zwei kurz vor dem K.O. stehende Boxer im Ring. Klatt nahm eine Auszeit und justierte neu. Nach diesem Team-Time-Out beim 15:18 stellten die TuS-Jungs innerhalb von einer Minute auf 17:18. Das Team lebte und auch die Stählerwiese war zurück im Spiel. Eigentlich genau der Punkt, an dem Spiele kippen. Doch die allgemeine Verunsicherung im Spiel des TuS Ferndorf ist weiterhin greifbar. Und dann gehen die Bälle eben nicht ins Tor. Die Gäste, angetrieben von ihrer lautstarken Anhängerschaft, schraubten ihrerseits wieder am Ergebnis. Shamir fing einen Ball von Jansen und im Gegenzug stellte der fünffache Torschütze Paul Ohl auf 18:22 (50.). Ein weiteres Beispiel für die Verunsicherung auf Ferndorfer Seite: Nach einem Ballverlust dauerte der Rückwechsel auf Adanir so lange, dass das TuS-Tor fast zehn Sekunden lang leer war. Der Gast ging nicht auf das leere Tor, was bei einer Vier-Tore-Führung, neuneinhalb Minuten vor Schluss, durchaus verständlich war. „Wir haben es eigentlich im Griff, machen aber dann den Deckel nicht drauf – Kneer fehlte bei seinem Team in diesem Moment der Killerinstinkt, das Match frühzeitig zuzumachen. „Es spricht für die Jungs, dass sie das Spiel hinten raus nochmal öffnen“, war Klatt mit der Einstellung der Seinen zufrieden. Denn nach dem 18:22 robbten sich die Ferndorfer Tor für Tor wieder heran. Hätte man nicht in der 52. und 57.Minute je einen Siebenmeter verworfen, hätte es noch zu mehr als nur dem Anschlusstreffer gereicht. So stellte Mundus eine Minute vor Schluss auf 22:23, doch der Haupttorschütze der Gäste, der sechsfache Torschütze David Kuntscher, nagelte den Ball aus zehn Metern zum entscheidenden 22:24 ins Netz. Der verwandelte Siebenmeter von Mundus zum 23:24 nach Ablauf der Spielzeit war somit nur Ergebniskosmetik. Wieder einmal haben die Männer aus dem handballverrücktesten Dorf des Siegerlandes ein Spiel mit einem Tor verloren.
Angesprochen auf die lange Durststrecke ohne Sieg meinte Kneer nach dem Spiel: „Wir sind sehr froh, endlich nochmal gewonnen zu haben. Ich hoffe, dass wir den Kopf jetzt frei bekommen. Man sollte allerdings die Kirche im Dorf lassen. Ferndorf und Hüttenberg haben letzte Saison eine fantastische Runde gespielt. Dass darf aber nicht dazu führen, dass die Erwartungshaltung zu hoch wird.“ Klatt richtete den Blick aufs nächste Spiel: „Das Spiel in Essen ist für beide Mannschaften enorm wichtig. Natürlich werden wir auch da nochmal alles geben um einen Sieg zu holen!“ Brisanz im Abstiegskampf – das Weihnachtsspiel im Ruhrpott könnte unter besseren Voraussetzungen stattfinden. Die vielen knappen Niederlagen haben allerdings nun dafür gesorgt, dass es ein echter Knaller im Klassenkampf wird. Unterstützung der treuen Ferndorfer Fangemeinde wird es sicherlich wieder geben. Erstmals seit langer Zeit ist der Weg über die A45 frei. Somit steht zumindest die Sperrung der Rahmedetalbrücke einem weihnachtlichen Ausflug ins 120 Kilometer entfernte Essen nicht im Wege. Um 16 Uhr geht es los am Freitagnachmittag. Auch wenn es gerade schmerzt - der Blick geht nach vorne, so dass es am zweiten Weihnachtsfeiertag heißt: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!
Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Tom Jansen (6), Marvin Mundus (5/1), Valentino Duvancic (3), Julius Fanger, Daniel Hideg, Gabriel Viana (je 2), Josip Eres, Mattis Michel, Nico Schnabl (je 1), Can Adanir, Filip Baranasic, Lukas Süsser
Fotos: T.Adanir, H.Burbach, RGR/TuS Ferndorf


























