Nächstes Herzschlagfinale der TuS-Jungs

Zumal schon in der Anfangsphase vieles nicht rund lief bei der TuS-Equipe. Die Ferndorfer, die mit Marvin Mundus und Lukas Süsser zwei Ex-Nettelstedter in ihren Reihen haben, gingen zwar, angeführt vom Aktivposten Julius Meyer-Siebert, mit 1:3 (5.) in Führung. Doch auffällig war bereits in der Anfangsphase, dass die Abpraller von gehaltenen Bällen Can Adanirs oder dem Aluminium allesamt bei den Gastgebern landeten. Apropos Adanir – der hielt zu Beginn der Partie alles was zu halten war und sorgte so mit dafür, dass nach siebeneinhalb Minuten ein 2:4 die Anzeigetafel zierte. Doch danach war ein echter Bruch im Spiel der Ferndorfer erkennbar. Die N.-Lübbecker packten in der Abwehr beherzt zu und verschoben sehr konsequent. Und auf Seiten des TuS Ferndorf schlichen sich immer mehr Unkonzentriertheiten ins Spiel. Aus dem 2:4 machten die Hausherren bis zur 16.Minute ein 7:4. Zu viele technische Fehler bei der TuS-Equipe, zu viele Durchbrüche gestattete man den Nettelstedt-Lübbeckern, so dass sich TuS-Coach Ceven Klatt schon früh gezwungen sah mit einer Auszeit gegenzusteuern. „Ein sehr intensives Spiel, in dem Nettelstedt sehr hart gedeckt und uns das Leben schwer gemacht hat“ - Klatt hatte die bewegliche Abwehr der Schwarz-Roten im Visier und wollte, dass seine Mannen mit mehr Tempo in die Aktionen kommen. Wer sich schon zu diesem frühen Zeitpunkt des Spiels keinen Vorwurf machen brauchte waren die mitgereisten Fans. Lautstark machten die TuS-Fans auf sich aufmerksam, so dass man immer wieder deutlich die „Ferndorf“-Sprechchöre hören konnte. Mehr als zwei Tore konnten sich die Ostwestfalen nie absetzen. Andererseits kamen die Michel & Co. nie zum Ausgleich. So ging es über 9:7 (20.) und 11:9 (23.) bis zum 15:12 in der 28.Minute. Die erste Drei-Tore-Führung Nettelstedts. Die Würfe der TuS-Jungs gingen auf Frederik Genz im Tor der Gastgeber oder gleich gänzlich neben den Kasten. Im Abwehrverbund kam dann Süsser zu Einsätzen, dem Klatt ein Sonderlob „für die eingebrachte Mentalität und seine Präsenz“ aussprach. In die Pause ging es mit einem 15:13, da Gabriel Viana noch einmal netzte.
Zu Beginn der zweiten dreißig Minuten gab es zwei Dinge zu konstatieren. Im Angriff fehlte zunächst weiterhin das Tempo in den Aktionen und man tat sich unglaublich schwer Tore zu erzielen. Aber die Abwehr der Siegerländer stand nun etwas besser und agierte aggressiver. Näher ran, oder gar zum Ausgleich, langte es aber weiterhin nicht. Wie schon gegen Lübeck wurde zu selten die Nahtstelle der gegnerischen Abwehr gesucht, wobei das Spiel über Außen, insbesondere Linksaußen, stark verbessert war im Vergleich zu den letzten Monaten. Über 16:15 (36.) und 20:18 (42.) kam man in eine Phase, in der es eher nach Wild-West-Handball als nach Zweitligahandball aussah. Die mehrfach vorhandene Chance auf den Ausgleich wurde nicht genutzt. Schlimmer noch: Innerhalb kürzester Zeit vergaben die Rot-Weißen vier Angriffe auf schwache Art und Weise. Damit holte man das Publikum zurück ins Spiel, was vorher gar kein Faktum gewesen war. Das Moderatoren-Duo sprach davon, dass man eine stehende Halle, zu diesem Zeitpunkt der Partie, letztmals in der vergangenen Saison gesehen habe. Einzig die Tatsache, dass die Gastgeber für ihre Tore hart arbeiten mussten, während die TuS-Jungs über viel Tempo zu eigenen Torerfolgen kamen, ließ die Hoffnung nicht ersticken. Zu Beginn der Crunch-Time nahm Klatt bei 24:22 eine Auszeit und forderte dabei, aufgrund der vielen leichtfertigen Ballverluste „mehr Verantwortung für den Ball“. Doch das Pegel schlug leider in die falsche Richtung. Statt endlich einmal auszugleichen, der letzte Ausgleich stammte aus der elften Minute (4:4), zogen die Ostwestfalen auf 26:23 davon. Fünfeinhalb Minuten noch auf der Uhr. Das sollte es gewesen sein mit der Hoffnung, was Zählbares mit auf die Heimfahrt ins Siegerland zu nehmen. Doch wenn man den Mannen von Coach Ceven Klatt eines attestieren muss dann, dass sie dem Spruch „Siegerländer geben niemals auf“, immer wieder Leben einhauchen. Mit unbändigem Willen und einem famos agierenden Viana auf Linksaußen, der für seine am Ende sieben Tore großes Lob vom Coach einheimste, kamen die Männer vom Kindelsberg wieder auf 26:25 (58.) heran – aber einmal mehr nicht zum Ausgleich. Der sollte erst mit der letzten Aktion des Spiels fallen. Daniel Hideg, der 114 Sekunden vor dem Ende auf 27:26 verkürzt hatte, fasste sich ein Herz und traf in der Schlusssequenz zum Ausgleich. Jubelnde Ferndorfer auf der einen, trauernde Nettelstedter auf der anderen Seite. Klatt fasste es treffend zusammen: „Wir haben sechzig Minuten daran geglaubt. Und am Ende endlich auch mal das Glück auf unserer Seite!“
Unverhofft kommt ja bekanntlich oft. Und wie schon in Dresden, wurde Hideg auch in Nettelstedt zum „Go-to-guy“! Jetzt gilt es, die gute Stimmung mit in die neue Woche zu nehmen. Denn schon am kommenden Freitag um 19:30 Uhr wartet die nächste schwere Aufgabe auf die Männer in Rot und Weiß. Der HSC Coburg stellt sich im Hexenkessel vor. Eine Mannschaft gegen die sich der TuS Ferndorf traditionell schwer tut. Umso mehr kommt es darauf an, dass der Funke vom Spielfeld auf die Tribüne überspringt und man gemeinsam die nächsten Punkte einsammelt. Aktuell 9:15 Punkte bringen ein kleines Polster auf die Abstiegsplätze. Doch da man gegen die ersten Sechs der Tabelle schon gespielt hat, bietet das Restprogramm durchaus die Möglichkeit, das Punktekonto positiv zu verändern. Damit das gelingt, heißt es Freitagabend in Kreuztals bester Stube: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!
Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Gabriel Viana (7), Julius Fanger (5), Daniel Hideg (4), Tom Jansen (3), Valentino Duvancic, Julius Meyer-Siebert, Mattis Michel (je 2), Marvin Mundus (1), Josip Eres (1/1), Lukas Süsser, Can Adanir, Filip Baranasic
Fotos: Mathias Lehmann


























