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Mit einer Niederlage in die Sommerpause

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Rund um den Fußballverein des 1.FC Köln gibt es den Spruch, dass Heimspieltage immer was ganz Tolles sind, wenn man denn die neunzig Minuten Fußball ausklammert. Ähnlich haben sich gestern die Zuschauer in der Kreuztaler Stählerwiese gefühlt. Die Highlights gab es nämlich dieses Mal nicht nur in den sechzig Minuten auf dem Spielfeld, sondern eher davor und danach. Geschäftsführer Alexander Finke gab vor der Partie die bereits in den sozialen Medien kommunizierte Vertragsverlängerung von Chefcoach Ceven Klatt bekannt und, unter großem Jubel, die Fortsetzung des Leihgeschäfts mit dem BHC, was bedeutet, dass Soeren Servos noch ein Jahr unter dem Kindelsberg bleibt. Nach dem Spiel wurden die Abgänge mit großem Besteck und vielen Emotionen verabschiedet. Insbesondere bei der Verabschiedung Gabriel Vianas wurde die ein oder andere Träne auf der Tribüne vergossen. Und zum guten Schluss ging es dann ein paar Meter neben dem Handballfeld, in der altehrwürdigen Halle D, zur Saison-Abschlussparty, die bis in die frühen Morgenstunden dauerte.

Doch es wurde auch Handball gespielt. Und der Beginn war ein Fingerzeig für den Rest des Spiels. Eine unbekümmert aufspielende Essener Mannschaft, der man die Last anmerkte, die ob des Klassenerhalts in der vergangenen Woche von ihren Schultern gefallen war, spielte herzerfrischend schnellen Handball. Drei Mal netzte Rechtsaußen Jan Reimer in den ersten fünf Minuten. Dazu ein Tor von Kreisläufer Valentin Willner, der in der Abwehr mit Tom Wolf einen physisch sehr starken Innenblock stellte. Das alles mündete in einem 1:4. Beide Fanlager sorgten mit Sprechchören für eine gute Stimmung, wobei sich vor allen Dingen die rund einhundert Mitgereisten aus dem Ruhrgebiet lautstark bemerkbar machten. Die beiden Youngsters, Soeren Servos und Finn Scharnweber kombinierten sich sehenswert zum 3:5. Julius Fanger wurde anschließend rüde von Essens Felix Göttler gefoult, bevor Göttler seinerseits mit einem Traumtor zum zwischenzeitlichen 5:7 (10.) traf. Eine der besten Abwehrformationen der Liga bekam ihre Reihen einfach nicht geordnet. Und während auf Seiten der Gäste Keeper Dominik Plaue heiß lief, klappte die Kooperation der Abwehr mit dem Keeper auf Seiten des TuS gar nicht. Nach zehn Minuten hatte Plaue vier Paraden auf dem Zettel, während sich Adanir noch gar nicht auszeichnen konnte. Da die Lücken weiterhin zu groß waren, zogen die Ruhrgebietler bis auf 7:11 davon. Elf Gegentore nach nicht einmal einer Viertelstunde sind dann auch einfach des Guten zuviel. Der nicht einsatzfähige Daniel Hideg, der sich im Abschlusstraining verletzt hatte, fehlte an allen Ecken und Enden. „Vielen Spielern hat man die lange Saison angemerkt“, wollte Klatt aber keinesfalls den Stab über den Seinen brechen. Denn die verbliebenen, gesunden Spieler gaben auf der Platte ihr letztes Hemd. Und kämpften sich wieder ran. Tom Jansen mit einem Tor zum 9:12 (18.), und der erstmals über einen längeren Zeitraum eingesetzte Nachwuchsspieler Max Löher mit einer gelungenen Abwehraktion, zündeten dann die Stählerwiese an. Der niederländische Nationalspieler erwies sich in den Folgeminuten als Go-to-Guy des TuS. Und Fanger, mit viel Selbstbewusstsein ausgestattet, verkürzte auf 12:13 (22.). Dabei erwies es sich als außerordentlich hilfreich, dass nun auch Filip Baranasic, der Adanir im Ferndorfer Kasten abgelöst hatte, immer öfter eine Hand an den Ball bekam. Eine Aktion mit Gänsehaut-Faktor in Minute dreiundzwanzig. Löher traf zum ersten Ausgleich der Partie – sein erstes Zweitliga-Tor, welches entsprechend bejubelt wurde. Tolle Aktion dann in der 26.Minute. Der Mann mit der Rückennummer 1, Linus Michel, übernahm die Rolle des Mittelmanns und sorgte zum Einstand für einen Traumpass auf seinen Bruder Mattis am Kreis. Die Kirsche auf der Sahnetorte fehlte dann leider, da der Kapitän den Ball nicht verwandeln konnte. Linus Michel belohnte sich aber keine Minute später mit dem Treffer zum 16:16 aus fast unmöglichem Winkel. Der Trainer war nach dem Abpfiff hörbar stolz auf die beiden Eckpfeiler der zweiten Mannschaft: „Ich freue mich wirklich sehr für Linus und Max!“ In den verbleibenden drei Minuten gelang den Rot-Weißen allerdings kein Treffer mehr, während die Essener noch zwei Mal zum 16:18 Halbzeitstand trafen.

„Wir hatten über die sechzig Minuten gesehen nicht in allen Phasen die maximale Intensität, was aber durchaus erklärbar ist“, sagte Klatt, konnte damit aber keinesfalls den Auftakt in Hälfte Zwei meinen. Denn da ging es rauf und runter. Es hatte etwas von Run & Gun Handball – schnelle Abschlüsse, kaum Abwehraktionen ; das mündete in einem 22:24 nach siebenunddreißig Minuten. Bis dahin hatte sich also an der Gemengelage nichts geändert. Bis die junge Garde auf den Plan trat. Denn der erstmalige Ausgleich in der zweiten Halbzeit fiel, als sich mit Max Löher, Finn Scharnweber und  Soeren Servos zwei 19-jährige und ein 20-jähriger auf dem Feld befanden. „Wir haben in diesem letzten Spiel auch nochmal ein paar ganz neue Formationen auf dem Feld gesehen“, meinte Klatt mit einem Augenzwinkern. Doch die Gäste erwiesen sich in der Folge als Party-Crasher. Vier Tore in Folge, mit vier unterschiedlichen Torschützen, sorgten dafür, dass der Stählerwiese beim 25:29 (46.) ein wenig der Stecker gezogen war. Die einzigen die Partylaune hatten, saßen auf der Georg-Tribüne ganz außen und gegenüberliegend in Block A – die Fans vom TuSEM, die immer wieder ihr Team und insbesondere den scheidenden Plaue feierten. Doch wenn eines weiterhin Bestand hat, dann die Tatsache, dass Siegerländer niemals aufgeben. Tor für Tor kämpfte sich die TuS-Equipe wieder heran. Angeführt von Fanger mobilisierten die Michel & Co. ihre letzten Kraftreserven. Eingangs der Crunch-Time egalisierte Fanger zum 30:30, bevor es dem Gummersbacher dann auch vorbehalten war, beim 32:31 (57.) für die erste Ferndorfer Führung im Spiel zu sorgen. Der altbekannte Spruch, dass man in einem Spiel nur ein einziges Mal führen muss, nämlich dann wenn die Schlusssirene ertönt, schien sich zu bewahrheiten. Ferndorf war im Sieben gegen Sechs erfolgreich, bekam aber in der vorletzten Minute zwei Gegentore ins verwaiste Gehäuse – das war der Genickbruch für die Klatt-Jungs. Vom 32:34 neunzig Sekunden vor Schluss erholten sie sich nicht mehr, so dass am Ende ein 33:35 auf der Anzeigetafel stand.

„Ich bin froh, dass diese Seuchensaison vorbei ist. Nun wünsche ich Allen eine erholsame Pause. Für uns geht es mit dem Trainingsauftakt am 6.Juli weiter“, verabschiedete sich Klatt in die kurze Phase der Regeneration. Schon am letzten August-Wochenende geht die neue Saison wieder los. Mit den beiden Aufsteigern aus Emsdetten und Hamm wird die Liga vermutlich nochmal ein Stück weit stärker. Es wird also wieder ein Hauen und Stechen um den Klassenverbleib geben. Und insbesondere für die #familieferndorf, #familietus wird es darum gehen, verlorengegangene Heimstärke zurückzugewinnen. Und dann lautet das Motto wieder: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!

Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Soeren Servos (7), Julius Fanger (5), Marvin Mundus, Finn Scharnweber (je 4), Max Löher, Gabriel Viana, Philip Würz (je 3), Tom Jansen (2), Linus Michel, Mattis Michel (je 1), Can Adanir, Filip Baranasic, Jonas Wilde

Fotos: Heiko Burbach

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