Zum Hauptinhalt springen

Mit einer Niederlage in die EM-Pause

News

Ein Auswärtsspiel in Essen = am besten ganz schnell Vergessen! Wenn das denn so einfach wäre. Denn zum einen war diese Niederlage ein heftiger Schlag ins Kontor, da man beim Tabellenhintermann aus dem Ruhrgebiet unbedingt reüssieren wollte. Zum anderen nimmt man diese Niederlage nun mit in die rund sechswöchige Handballpause während der Europameisterschaft. Der Kopf ist definitiv an bei der TuS-Equipe, was auch die Worte von Coach Ceven Klatt auf der Pressekonferenz nach dem Spiel zeigen: „Absolut enttäuschend – denn wir wollten hier heute unbedingt gewinnen!“ Und während die Gemütslage auf der einen Seite im Keller war, war beim Trainer der Gastgeber, Kenji Hövels, gute Laune angesagt: „Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Jetzt können wir im Januar in Ruhe arbeiten.“ Und genau das steht im krassen Gegensatz zur Stimmung bei der TuS-Equipe, die nun bis Anfang Februar darauf warten muss, die Atmosphäre rund um die Stählerwiese wieder ins Positive zu drehen.

Es war ein zerfahrener Beginn zweier Mannschaften, denen man anmerkte, dass viel auf dem Spiel stand. Über vier Minuten, mit technischen Unzulänglichkeiten auf beiden Seiten, dauerte es, bis sich auf der Anzeigetafel etwas tat. Felix Mart brachte den TuSEM, mit einem Siebenmeter der Kategorie Extraklasse, mit 1:0 in Führung. Auf der Gegenseite warfen die TuS-Jungs Essens Keeper Dominik Plaue warm, so dass es in der Konsequenz 2:0 stand (6.). Can Adanir konnte sich dann erstmals auszeichnen, und im Angriff stellten Julius Fanger und Daniel Hideg auf 2:2. Der Mannschaft war der Wille, der aber auch Grundvoraussetzung ist um solch ein Spiel zu gewinnen, in jeder Faser anzumerken. Der Abwehrverbund kam besser ins Spiel und vorne zauberten Josip Eres und Daniel Hideg. Statt selbst abzuschließen spielt Eres den Kempa auf Hideg und es stand 3:4. Erste Führung für den TuS in der 9.Minute. Adanir kam besser ins Spiel und beim 5:7 hatten die Jungs vom Kindelsberg die Chance, in Überzahl auf 5:8 zu erhöhen. Doch die Überzahlsituation, mit dem bekannten Ferndorfer Spielzug als Auftakthandlung, ging gründlich daneben. Statt eine Drei-Tore-Führung herauszuwerfen, gestattete man den Gastgebern fünf Tore in Folge. Dass ein Handballspiel in Wellen verläuft, durfte man schon oft erleben. Zwischen der 14. und 19.Minute hatten die Essener jedenfalls eine perfekte Welle. Denn erst in der 20.Minute, nach sechs Minuten ohne eigenen Torerfolg, brachte Hideg seine Farben mit dem 10:8 zurück ins Spiel. Die junge Essener Mannschaft spielte genau das, was man sich auch bei den Klatt-Mannen so wünschen würde – Tempospiel, breit angelegt, mit Torgefahr von allen Positionen. Es fehlte mal wieder ein Denker und Lenker im Siegerländer Spiel. Zudem war keinerlei Tiefe erkennbar. Oftmals war es kein Angriff, sondern ein Ballvortrag auf zwölf Meter. Dass die Essener ihre 13:10 Führung aus der 22.Minute nicht in die Halbzeit bekamen, dafür hatte Hövels eine Erklärung parat: „Wir machen uns mit vielen leichten Fehlern das Leben schwer – vor und nach der Halbzeit.“ Der niederländische EM-Fahrer Tom Jansen, mit vier Treffern in sieben Minuten, sorgte fast im Alleingang dafür, dass es mit einem 15:15 in die Halbzeit ging. „Der Gästeblock meldete sich noch einmal lautstark an“ - die Worte des sehr guten Kommentatoren-Duos zum Abschluss der ersten Halbzeit war ein kleiner Ehrenerweis an die zahlreich mitgereisten TuS-Fans, die über sechzig Minuten für einen starken Support sorgten. 

Essen-Coach Hövels hatte es angesprochen. Das fehlerbehaftete Spiel der Ruhrpöttler setzte sich zu Beginn der zweiten dreißig Minuten fort. Und so war es den TuS-Jungs fast schon ein Leichtes, aus einem 15:15 ein 15:20 (35.) zu machen. Viel Tempo aus einer gut stehenden Abwehr. Einfache Tore aus dem Gegenstoß und erster Welle – Handball kann mitunter so einfach sein. Mitunter aber auch fürchterlich kompliziert. Denn just zu dem Zeitpunkt, ab dem die Essener wieder besser in den Rückzug kamen und den TuS ins Positionsspiel zwangen, war mit der Herrlichkeit auch schon wieder vorbei. Keine Zweikämpfe und keine Tiefe im Spiel. Wäre nicht Adanir zwischendurch zu der Form aufgelaufen, die ihn bis ins türkische Nationalteam gespült hat, wäre das Spiel schon viel früher wieder auf die Seite der Essener gekippt. Das Ferndorfer Spiel war inzwischen so fehlerbehaftet wie ein Matchplan von Sandro Wagner. Nach dem 17:21 (38.) von Gabriel Viana, war es ein 6:2 Lauf der Hausherren, der das Spiel in der 44.Minute wieder remisierte. Neben den Schwierigkeiten mit dem eigenen Spiel waren es nun auch vermehrt Entscheidungen des Schiedsrichter-Gespanns, die ihren Teil dazu beitrugen, dass die Verunsicherung auf Ferndorfer Seite nun fast greifbar war. Zusätzliches Problem: Nachdem man die Halle kurz nach der Halbzeit nahezu leise gespielt hatte, brachte man mit dieser Phase das Publikum wieder zurück. „So eine Heimspielatmosphäre kann dann auch mitentscheidend sein“, war Hövels begeistert von der Stimmung unter den 2388 Zuschauern. Dem achtfachen Torschützen Tom Jansen gelang dann ein Treffer aus der Kategorie „Tor des Monats“ zum 23:24 (44.). Danach wechselten die Führungen hin und her, bis sich der TuSEM, in Person von Finley Werschkull, erstmals wieder auf zwei Tore absetzen konnte (28:26, 51.). In der Crunch-Time zog Essen, nach technischen Unzulänglichkeiten auf TuS-Seite, auf drei Tore davon, nur um in der 58.Minute wieder den Anschlusstreffer durch Hideg zu kassieren. Doch allen Träumereien machte eine Zeitstrafe gegen Lukas Süsser einen Strich durch die Rechnung. In Unterzahl war den Gastgebern nicht beizukommen, so dass am Ende eine 34:32 Niederlage zu Buche stand.

Sechs Wochen Pause – sechs Wochen, in denen einiges aufgearbeitet werden muss. Sechs Wochen, in denen aber auch einige Spieler wieder zurückkommen. Hampus Dahlgren, Julius Meyer-Siebert und Philip Würz werden am 7.Februar in Krefeld wieder mit an Bord sein. Bis dahin gilt es Kräfte zu bündeln und zusammenzustehen. Der gut gefüllte Gästeblock war wieder einmal ein Beweis dafür, dass die Klatt-Mannen weiterhin auf die Unterstützung der treuen Fans zählen können. Der Blick kann nun nur nach vorne gehen mit der klaren Mission für den Rückrundenauftakt: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei! 

Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Daniel Hideg, Tom Jansen (je 8), Gabriel Viana (4), Julius Fanger (3), Mattis Michel, Marvin Mundus, Nico Schnabl (je 2), Josip Eres (2/2), Valentino Duvancic (1), Can Adanir, Filip Baranasic, Lukas Süsser


Fotos: TuSEM Essen, 2.HBL / Dennis Ewert/RHR-FOTO
 

Weitere interessante Beiträge

Großer Kampf des TuS bleibt ohne Lohn

Weiterlesen

Den Schwung aus Potsdam mit ins Heimspiel nehmen

Weiterlesen

Verdienter Punktgewinn nach aufopferungsvollem Kampf

Weiterlesen

Mission Potsdam: TuS Ferndorf will Auswärtssieg Nummer fünf

Weiterlesen

TuS Ferndorf verpflichtet Kreisläufer Timo Stoyke für zwei Jahre

Weiterlesen

TuS Ferndorf bleibt gegen Spitzenteam chancenlos

Weiterlesen