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Klatt-Mannen wollen den guten Saisonstart veredeln

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„Tradition hat nur dann Sinn, wenn der Wille zu noch größeren Taten vorhanden ist“ - der Spruch eines legendären Vereinsgründers kann auch bei der freitäglichen Begegnung zwischen dem TuS Ferndorf und dem TV Großwallstadt Anwendung finden. Beide Vereine sind 1888 gegründet worden. Und in beiden Vereinen wird seit rund 100 Jahren dem Handballsport gefrönt. Nun ist wahrlich die Fallhöhe bei den Siegerländer Handballern eine andere wie bei den Unterfranken. Denn der Spruch aus der Einleitung steht vielen Traditionsvereinen im Weg. Egal in welcher Sportart, man schwelgt zu sehr in der Vergangenheit und richtet den Blick nicht mehr nach vorne.

Das wurde dem siebenfachen deutschen Meister aus Großwallstadt 2015 zum Verhängnis. Zu sehr hing man in der Vergangenheit, den späten 70-er und frühen 80-er Jahren fest, als man mit Deutschen Meisterschaften, Pokalsiegen, ja sogar internationalen Titeln die Untermainhalle in Elsenfeld tapezieren konnte. Es mündete in der Insolvenz und einem Neustart in Liga Drei. Aktuell steht dem Coach der Blau-Weißen, dem 36-jährigen André Lohrbach, ein gut austarierter Kader zur Verfügung. „Sie haben mit Sebastian Trost von den Eulen Ludwigshafen, den ohnehin guten Rückraum nochmal verstärkt und sind da auf jeder Position doppelt besetzt“, umschreibt TuS-Coach Ceven Klatt den TVG-Kader. Vom Rückraumrechten Maximilian Horner schwärmt Klatt sogar ein bisschen, nicht ohne auf das Vorjahr hinzuweisen, als Horner den Ferndorfern im Hinspiel Probleme bereitete. Dreh- und Angelpunkt bei Großwallstadt war seinerzeit Nils Holger Kretschmer. Der im Herbst 2024 überführte Dopingsünder ist ein schmerzhafter Verlust gewesen, wurde aber von der Teamleistung aufgefangen. Die meisten Tore hat in dieser Saison bis dato Maxim Schalles geworfen. Der Rechtsaußen tut es dem Rechtsaußen des TuS Ferndorf, Josip Eres,  gleich und wirft die Siebenmeter der Unterfranken mit der Genauigkeit einer Schweizer Uhr. Erwähnung finden muss auf jeden Fall noch der Kreisläufer der Gäste. Der 29-jährige Patrick Gempp, den Klatt bei seiner Station bei den Rimparer Wölfen trainierte, gehört zweifelsfrei zu den besten Kreisläufern der Liga. 

Zu den besten Kreisläufern der Liga zählt ganz sicher auch der Kapitän der TuS-Equipe, Mattis Michel. Und eben dieser Michel war einer der Sieggaranten aus dem September 2024. Gemeinsam und analog zur badischen Ballkanone Daniel Hideg, verbuchte die Identifikationsfigur des TuS sieben Tore bei sieben Versuchen. Diese Effizienz seiner Spieler wünscht sich Klatt auch für den Freitagabend, denn der auf dem Papier knappe Auswärtserfolg in Oppenweiler/Backnang wurmt den Ferndorfer Übungsleiter immer noch ein bisschen: „Wir müssen das Spiel früher für uns entscheiden. Vom Spielverlauf her waren wir fünf, sechs Tore besser als der Gegner!“ Neben der Wurfeffizienz wird dem Tempo- und Umschaltspiel eine große Bedeutung zukommen. Wenn dazu noch der Rückzug stimmt und der Wille zum Abwehrspiel da ist, sollte der erste Heimsieg in der Saison 2025/26 im Bereich des Möglichen liegen. „Wir sind in der Lage gegen jedes Team der Liga zu punkten. Und natürlich wollen wir, gemeinsam mit unseren Fans, den ersten Heimsieg feiern“, lässt Klatt einen Blick ins Innenleben des Teams zu. Helfen kann dabei der Kader vom vergangenen Wochenende. Für Jonas Wilde kommt das Spiel noch zu früh und bei Nico Schnabl schaut man von Tag zu Tag, ob die Belastung wieder gesteigert werden kann. Neben den Langzeitverletzten kränkelte Gabriel Viana zu Beginn der Woche. Denkbar also, dass Hampus Dahlgren auf Linksaußen mehr Spielzeit bekommt. Angesprochen auf den Neuzugang am Kreis, Lukas Süsser, kommt Klatt fast schon ins Schwärmen. „Lukas ist mit seiner Emotionalität ein sehr belebendes Element“, adelt er den gebürtigen Baden-Württemberger. Für zwei Spieler der Rot-Weißen ist das Heimspiel gegen den siebenfachen deutschen Meister auch eine Reise in die Vergangenheit. Can Adanir und Tom Jansen waren beide schon für Großwallstadt aktiv. Adanir kommt sogar aus der Region und ist dort tief verwurzelt.

Das spielt am Freitagabend allerdings keine Rolle mehr, wenn Hallensprecher Kai Brückmann die obligatorische Frage stellt, wo denn die Fans des TuS Ferndorf sind. Dann wird der Hexenkessel Stählerwiese wieder in seinen Grundfesten erschüttert und die Spieler sind bereit alles zu geben, damit aus dem guten Saisonstart ein exzellenter Saisonstart wird. Es gibt nur noch vereinzelte Sitzplätze in Kreuztals bester Stube. Obwohl die Fußballer aus Siegen zeitgleich spielen, riecht es nach einer sehr gut gefüllten Halle. Stehplätze sind noch vorhanden. Und inzwischen sind wir auch wettertechnisch in einer Zeit angekommen, wo das Stehen in der warmen Halle angenehmer ist, als das Stehen im zugigen Rund eines Stadions. Und insbesondere dem Hexenkessel wird wieder eine besondere Bedeutung zukommen. Großwallstadts letztjähriger Trainer Michael Roth war in der damaligen Pressekonferenz voll des Lobes über die prickelnde Atmosphäre. Und wer diese Stimmung nicht live vor Ort erleben kann, dem sei der Livestream bei DYN ans Herz gelegt. Aber ganz egal wo die TuS-Fans am Ende mitfiebern. Im Hexenkessel vor Ort, auf dem heimischen Sofa oder aber im Herzen – wichtig ist: Scream for your team – mit der #familieferndorf, mit der #familietus ! 


WISSENSWERTES

Gegner: TV Großwallstadt
Einwohner Großwallstadt: 4.100 (zum Vergleich: Ferndorf = 3.900)
Heimspielstätte: Untermainhalle, Elsenfeld – 2.500 Zuschauer Fassungsvermögen
Trikotfarbe: blau-weiß
größte Erfolge: 2x Europapokalsieger der Landesmeister,
7x Deutscher Meister, 4x DHB-Pokalsieger

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