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Klatt-Mannen starten mit Sieg in die Rückrunde

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„Eine hochemotionale Partie. Dieser Sieg hat allen in der #familieferndorf gut getan!“ - Ferndorfs Coach Ceven Klatt waren die zentnerschweren Steine anzumerken, die der Auswärtssieg in Krefeld gelöst hatte. Sage und schreibe 105 Tage hatten die Jungs auf dieses Erfolgserlebnis hingefiebert. Entsprechend gelöst war die Stimmung nach dem Schlusspfiff. Bei den Handballexperten waren die kritischen Stimmen, die es am Ende des vergangenen Jahres gab, und die auch teils einzelne Spieler und den Trainer betrafen, durchaus mit Verwunderung wahrgenommen wurden. Und auch die Verantwortlichen des TuS Ferndorf stellten sich vehement gegen diese Kritik und stärkten Team und Trainer den Rücken. Die haben es nun mit dem Sieg zum Rückrundenauftakt zurückgezahlt. Doch das kann nur der Anfang gewesen sein.

Denn gerade der Februar hält mit den Heimspielen gegen Bayer Dormagen und den HC Oppenweiler/Backnang, aber auch dem ewig jungen Südwestfalen-Derby gegen Hagen noch Aufgaben bereit, bei denen die Michel & Co. möglichst noch auf Punktefang gehen sollten. 

Es war ein nervöser Beginn auf beiden Seiten. Der TuS konnte im ersten Angriff, durch einen Wurf aus zehn Metern von Daniel Hideg, mit 0:1 vorlegen, doch anschließend war auf beiden Seiten viel Sand im Getriebe. Man merkte sowohl den Gastgebern, als auch dem TuS Ferndorf die Nervosität an, resp. die Bedeutung dieses Spiels. Von der ersten Minute an auf Betriebstemperatur war der Zerberus im TuS-Tor. Can Adanir, frischgebackener türkischer Nationalspieler, nahm dem Tabellenvorletzten die ersten drei Siebenmeter weg. Dazu war er auch bei Würfen aus dem Rückraum zur Stelle. Doch in dieser Phase lief es im Angriff nicht wie gewünscht, so dass selbst die sagenhafte Quote von 82% gehaltener Bälle, nach zehn Minuten, nicht reichte um wegzuziehen. Ein torarmes 1:3 zeigte die Anzeigetafel nach zwölf Minuten. Es war kein Spiel für die Handballästheten unter den 1496 Zuschauern. Der Ex-Ferndorfer Jörn Persson, der in keiner Phase des Spiels selbigem dermaßen den Stempel aufdrückte wie im Hinspiel, fiel gegen Gabriel Viana höchst spektakulär, so dass dieser eine Zwei-Minuten-Strafe quittieren musste. Und ausgerechnet das Ende dieser Zeitstrafe war der Auslöser dafür, dass es von da an viel besser im Angriff lief. Die Gelb-Schwarzen waren auf 3:4 herangerückt (14.), als Adanir einen Tempogegenstoß Perssons hielt und damit die sehr zahlreich angereisten TuS-Fans in Verzückung brachte. Marvin Mundus sorgte quasi im Gegenzug mit einem Giebelkracher für das 3:6 (16.). Adanir war weiter auf ganz hohem Niveau unterwegs, und auch die Abwehr der Rot-Weißen war nun schneller auf den Beinen. Josip Eres war es vorbehalten, zwei Mal höchst spektakulär von der Außenposition zu treffen. Somit hatten die Nordsiegerländer, beim 5:9 in der 20.Minute, zum ersten Mal eine Vier-Tore-Führung herausgeworfen. Im Anschluss hatte es minutenlang etwas von Abnutzungskampf – oder sollte man es besser mit Abstiegskampf umschreiben? Jedenfalls geizten die Akteure mit sehenswertem Handball, wobei die TuS-Jungs zumindest eine Drei-Tore-Führung über die Zeit retteten. Großer Wermutstropfen in dieser Phase die Verletzung von Tom Jansen. Die Seidenstädter monierten bei der Szene gegen Jansen Stürmerfoul, was zumindest im TuS-Lager große Verwunderung hervorrief. Denn Jansen konnte fortan nicht mehr ins Spiel eingreifen und wurde nach dem Spiel ins Krankenhaus gefahren. „Es ist keine Fraktur, aber wir müssen die Untersuchungen zu Beginn der Woche abwarten“, sprühte Klatt nicht gerade vor Zuversicht, was die Ausfallzeit seines Halbrechten betraf. Adanir schraubte eine Minute vor der Halbzeitpause seine Quote auf atemberaubende 52%, was seine Mannschaftskameraden zur 10:14 Führung nutzten. Die blieb allerdings nicht als Halbzeitergebnis stehen, da die Gastgeber kurz vor der Sirene zum 11:14 verkürzten. 

Das Torhüter-Duell hatte der TuS Ferndorf nach dreißig Minuten haushoch gewonnen. Der spanische Neuzugang im Kasten der Krefelder, Pau Guitart, war in Halbzeit Eins kein Faktor. Klatt haderte ein wenig mit der Angriffsleistung der Seinen: „Basierend auf Cans Paraden müssen wir uns eigentlich deutlicher absetzen. Andererseits hat Krefeld das auch gut verteidigt und uns in schlechte Wurfpositionen gebracht.“ Diese Gemengelage sollte sich in Halbzeit Zwei allerdings vollends ändern. Adanirs Quote rauschte nach unten, während auf der anderen Seite Guitart heiß lief. Das 12:16 (36.), durch einen zauberhaften Dreher von Mundus aus dem Nullwinkel von Rechtsaußen, sollte die letzte Vier-Tore-Führung des TuS sein. Die Krefelder hatten sich nun wesentlich besser auf die rechte Angriffsseite der Ferndorfer eingestellt. Eres und Mundus, die in Hälfte Eins zehn von vierzehn Toren beisteuerten, kamen nicht mehr so zum Zuge. Gleichzeitig gelangen  HSG-Neuzugang Marvin Kix, erst wenige Tage zuvor verpflichtet, immer mehr gute Aktionen. Die schlechte Phase der Mannen vom Kindelsberg mündete in einem 16:17 (39.). Doch es sollte noch weitere sechs Minuten dauern bis der Ausgleich fiel. Das 20:20 war der erste Gleichstand der Partie. Die Rot-Weißen hatten das Spiel von vorne weg gespielt, doch nach einer Dreiviertelstunde war alles wieder auf Null. Hauptprotagonisten auf Seiten der gastgebenden HSG waren in keiner Phase die Ex-Ferndorfer Klasmann, Persson, Schneider und Siegler, sondern Guitat, Kix, Krass und Rose. Mit dem 21:20 war das Spiel gedreht und die Niederrheiner spielten das Spiel nun ihrerseits von vorne weg. 23:22 lautete der Zwischenstand eingangs der Crunch-Time. Bei den TuS-Jungs waren es nun nur noch Einzelaktionen, die ihren Weg ins Ziel fanden. Aus dem gebundenen Angriffsspiel taten sich die Michel & Co. sehr schwer erfolgreich zu sein. Auch die lautstarke Unterstützung der TuS-Fans, die die halbe Gegentribüne in Rot und Weiß färbten, reichte zum Ende hin nicht mehr. Die Gastgeber hatten ihre Nerven augenscheinlich besser im Griff. 26:24 stand es in der 57.Minute. Selbst die kühnsten Optimisten glaubten nun nicht mehr an einen Sieg am Niederrhein. Außer den Mannen von Ceven Klatt selbst. Die gaben ihr letztes Hemd, zeigten Nehmerqualitäten und schafften ein irres Comeback. Hideg, Eres und nochmal der Go-to-guy des TuS Ferndorf, Daniel Hideg, machten innerhalb von 135 Sekunden aus einem 26:24 ein 26:27. „Ein ganz besonderer Moment, da noch einmal zurückzukommen“, war Klatt hörbar stolz auf sein Team. Den letzten Angriff der Gelb-Schwarzen machte wer zunichte – richtig, Can Adanir, der in Hälfte Zwei eigentlich kaum mehr in Erscheinung getreten war, aber die beiden wichtigen Bälle zum Spielende hin entschärfte. 

Was ein Fight in der Krefelder Glockenspitzhalle. Der Ferndorfer Coach verteilte nach dem Spiel ein Sonderlob an Adanir, Hideg und Mundus, die die Hauptstützen des Ferndorfer Auswärtserfolgs waren. Nun gilt es kommenden Freitag nachzulegen. Gegner in der heimischen Stählerwiese ist der mittelrheinische Nachbar aus Dormagen. Die junge Truppe von Coach Julian Bauer spielt herzerfrischenden, schnellen Tempo-Handball und es sollte sich definitiv lohnen, dem Spiel am ungewohnten Freitagabend beizuwohnen. Dann heißt es zum ersten Mal im Jahre 2026 in Kreuztals bester Stube: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!

Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Marvin Mundus (9/1), Josip Eres (8/3), Daniel Hideg (5), Nico Schnabl (2), Julius Fanger, Mattis Michel, Gabriel Viana (je 1), Can Adanir, Filip Baranasic, Hampus Dahlgren, Valentino Duvancic, Tom Jansen, Julius Meyer-Siebert


Fotos: M. Lehmann

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