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Kein guter Auftritt des TuS in Dessau

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Ein Aphorismus lautet: „Der Erfolg hat viele Väter. Der Misserfolg ist ein Waisenkind!“ Die letzten zwei Saisons des TuS Ferndorf waren wie aus dem Bilderbuch. Einer grandiosen Aufstiegssaison folgte eine erste Spielzeit in Liga Zwei, die, insbesondere zum Saisonbeginn 2024/25, selbst die kühnsten Optimisten nicht für möglich gehalten hatten. Nach diesen zwei tollen Jahren gibt es nun erstmals eine kleine Delle in der ansonsten sonnigen rot-weißen Welt. Und jetzt gilt es, Hashtags wie #familieferndorf, #familietus mit Leben zu füllen. Als Mannschaft, Offizieller, Fan o.ä. während der erfolgreichen Phase den Kopf oben zu behalten ist ein Leichtes. In einer schwierigen Phase den Aktiven den Rücken zu stärken und Gemeinschaft auszustrahlen ist das, was dann ein wirkliches Wir-Gefühl ausmacht.

In Dessau begann das Spiel zwar mit dem 0:1 durch Daniel Hideg, doch in der darauffolgenden Anfangsphase lief nicht mehr viel zusammen bei der TuS-Equipe. Im Angriffsspiel tat man sich ungewohnt schwer, brachte die Heim-Abwehr nicht in Bewegung und kam deshalb nur zu selten in gute Wurfpositionen. In der Abwehr kamen die beiden Top-Zweikämpfer, Lukas Süsser und Gabriel Viana, nicht in selbige und somit gab es immer wieder Durchbrüche auf den Halbpositionen. Nach zehn Minuten hatte TuS-Coach Ceven Klatt Redebedarf und bat die Mannschaft beim 6:2 zum ersten Team-Time-Out. An den Kräfteverhältnissen auf dem Feld sollte das allerdings erst einmal nichts ändern. Bis zum 9:3 in der 13.Minute zogen die Dessau-Roßlauer davon. Mehr Tiefe im Spiel und mehr Körperlichkeit – das waren zwei der Dinge, die Klatt in der Auszeit einforderte und die nun langsam in Spiel der Rot-Weißen Einzug hielten. In der Abwehr kam man endlich einmal zu Stopfouls und besser in die Helfersituationen. Schon bis dahin auffälligster Akteur der Gäste, der Mann mit der Nummer 16 im Dessauer Tor – Philip Ambrosius. „Wir kommen nicht gut ins Spiel, sind nicht gut im Spiel, doch trotzdem ist beim 9:7 (20.) alles wieder offen“ - Klatt spricht die Phase an, als Julius Meyer-Siebert ins Spiel kam. Vorne Torschütze und Assistgeber, hinten, gemeinsam mit Kapitän Mattis Michel, Teil des nun besser agierenden Innenblocks. Beim 10:9 (22.) hatten die Klatt-Mannen das Spiel wieder auf gemacht. Doch wie gewonnen, so zerronnen. Jetzt kamen die sieben Minuten des Fritz-Leon Haake. Dessaus wiedergenesener Spielgestalter profitierte ein ums andere Mal vom gut arbeitenden Kreisläufer der Blau-Weißen, netzte vier Mal und brachte damit seine Farben mit 15:11 in Front. Das war auch gleichbedeutend mit dem Halbzeitstand.


„Wir haben in der Halbzeit darüber gesprochen, dass wir das Spiel wieder öffnen können, was uns ja dann auch gelungen ist“ - Klatts Ansprache beim Pausentee zeigte offensichtlich Wirkung, denn nach dem 16:11 kurz nach dem Wiederbeginn, brauchten die Mannen vom DRHV knapp zwanzig Minuten für drei weitere Tore. „Wir haben uns in dieser Phase sehr schwer getan gegen die gute Ferndorfer Abwehr“, kommentierte Dessaus Coach Vanja Radic diese Wellenbewegung im Spiel. Was er nicht ansprach, was aber von entscheidender Bedeutung war, war die Leistung der Torhüter. Ambrosius zeigte über sechzig Minuten eine starke Leistung. Doch insbesondere in der Viertelstunde nach Wiederbeginn lief Can Adanir ihm den Rang ab. Der Ferndorfer Zerberus verbarrikadierte seinen Kasten und zeigte eine Parade nach der anderen. Doch im Angriff taten sich die Jungs vom Kindelsberg weiterhin schwer. Einzig Eres und Meyer-Siebert konnten in dieser Phase Ambrosius überwinden. Doch damit war beim 16:14 (41.) der TuS wieder im Spiel. Wieder Eres und wieder Meyer-Siebert – spätestens beim 17:16 in der 44.Minute waren nun auch die mitgereisten TuS-Fans wieder frohen Mutes, mit Zählbarem auf die Heimreise zu gehen. Klatt hatte in einer Auszeit auf Sieben gegen Sechs umgestellt, um dem Spiel mehr Breite zu geben. In der 48.Minute hielt dann auch Ambrosius wieder einen Siebenmeter. Statt 18:17 hieß es postwendend 19:16. Und dass die wiederholte Aufholjagd Körner gekostet hatte, war den Rot-Weißen nun anzumerken. Hampus Dahlgren konnte zwar zu Beginn der Crunch-Time nochmal auf 20:17 verkürzen, doch auch in der Abwehr musste der harten Arbeit Tribut gezollt werden. Es wurde nicht mehr so konsequent verschoben. Und im Angriff wurde das Sieben gegen Sechs nicht mehr mit allerhöchster Konzentration gespielt. Als Ambrosius den Ball zum dritten Mal im verwaisten Ferndorfer Tor unterbrachte und auf 22:18 (55.) stellte, war das Spiel entschieden. Ein x-tes Spiel-Comeback sollte den TuS-Jungs nicht mehr gelingen. Im Gegenteil – die Köpfe gingen nach unten und das Heimteam lief einen schnellen Gegenstoß nach dem anderen. Statt mit einem guten Gefühl aus dem Spiel zu gehen, gestattete man dem Heimteam zum Ende hin einen 6:2 Lauf. Aus der durchaus berechtigten Generalkritik wollte der Coach neben Adanir und Eres auch Meyer-Siebert herausnehmen.

 

Sein Gegenüber Radic war mit der Leistung seiner Jungs natürlich überaus einverstanden. „Wir hatten uns vorgenommen, sechzig Minuten zu arbeiten und zu kämpfen, um ein anderes Gesicht zu zeigen als zuletzt. Und deshalb bin ich stolz auf mein Team!“ Die Feierlichkeiten der Dessau-Fans konnten also weitergehen, währenddessen man auf Ferndorfer Seite einer Chance auf Punkte nachtrauerte. Neben der gelebten Fan-Freundschaft, mit allerlei Aktionen am Samstag und Sonntag, hatten es ansonsten leider nur ein in Jena lebender Siegerländer nach Dessau geschafft und Familie Adanir. Schade, dass nicht mehr Fans die leidenschaftliche Dessauer Fankultur genossen haben. Eine Chance auf Punkte bietet sich der TuS-Equipe schon am kommenden Freitag, wenn der Erstliga-Absteiger aus Bíetigheim seine Visitenkarte in der Stählerwiese abgibt. Eigentlich sind die Rollen dann sehr klar verteilt. Vielleicht aber auch genau das richtige Spiel, um einmal befreit aufzuspielen. Denn dass die Klatt-Mannen mehr im Tank haben als zuletzt gezeigt, dürfte jedem Fan klar sein. Deshalb gilt es am Freitagabend um 19:30 Uhr ganz besonders: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!

 

Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Julius Meyer-Siebert (5), Josip Eres (5/1), Valentino Duvancic (3), Julius Fanger (2), Hampus Dahlgren, Daniel Hideg, Tom Jansen, Mattis Michel (je 1), Marvin Mundus (1/1), Gabriel Viana, Hendrik Stock, Lukas Süsser, Can Adanir
 


Fotos: M. Lehmann

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