Im letzten Auswärtsspiel nochmal alles in die Waagschale werfen

Das letzte Auswärtsspiel der Saison führt ins benachbarte Hessen, zum TV Hüttenberg. Oder, wie es Klatt ausdrückt: „Gott sei Dank eine kurze Fahrt!“ Beim Original aus Mittelhessen, wie sich die Blau-Weiß-Roten nennen, ist es das letzte Heimspiel. Und somit auch Zeit für Abschiede. Bereits letzte Saison mussten die samstäglichen Gastgeber mit den beiden Linkshändern Tristan Kirschner und Niklas Theiß zwei langjährige Stützen ziehen lassen. Diese Saison erwischt es die Hüttenberger genauso schlimm. Zum einen verlässt der Kopf des Teams, Paul Kompenhans, der 2022 von Melsungen kam und in 109 Pflichtspielen 361 Tore erzielte, den TVH. Und es geht der 30-jährige Abwehrroutinier Moritz Zörb, dessen Vertrag nach elf Jahren nicht verlängert wurde. Das ist insbesondere für die 3:2:1 Abwehr der Hessen ein Schlag ins Kontor. Denn Kompenhans spielt in dieser Formation vorne, während Zörb das Deckungszentrum organisiert. Wenn Zörb Pausen braucht, wechselt Hüttenbergs Chef auf der Kommandobrücke, der 73-fache deutsche Nationalspieler Stefan Kneer, auf die 6:0 Formation mit Leif Haack und Hendrik Schreiber im Innenblock. Von Kompenhans in Szene gesetzt werden die beiden Haupttorschützen des TVH – auf Halblinks Paul Ohl und auf Halbrechts David Kuntscher. Dass es trotz dieser Qualität nur zu Platz Elf gereicht hat, dürfte unter anderem daran liegen, das Kneer Qualität einbüßt, wenn er der ersten Garde Pausen gönnt. Klatt hat eine weitere Erklärung parat: „Die Abgänge auf der rechten Seite waren schwer aufzufangen. Dazu mussten sie auch dem Verletzungspech Tribut zollen.“ Auf einen ganz wichtigen Spieler müssen die Mittelhessen nämlich auch verzichten. Kreisläufer Lasse Ohl, einer der effektivsten Schützen ligaweit, hatte bei einem schweren Verkehrsunfall viele Schutzengel, wird seinem Team aber im Liga-Endspurt fehlen.
Verletzungspech ist ein gutes Stichwort. Googelt man dieses Wort, müsste eigentlich das Mannschaftsfoto des TuS Ferndorf kommen. Solch eine Häufung an unterschiedlichen Verletzungen wird man wohl nur einmal erleben. Zum Höhepunkt der Misere stehen Klatt am Samstagabend gerade einmal neun gesunde Feldspieler zur Verfügung.“Aus dem ohnehin schon dünnen Kader aus dem Eulen-Spiel fehlen nun noch zusätzlich Josip Eres und Linus Michel“, berichtet Klatt und schiebt nach, dass „es insbesondere gegen die Hüttenberger, die immer und immer wieder ins Eins gegen Eins gehen, am Ende auch eine Frage der Kräfte“ werden könnte. In Ludwigshafen hat in der ersten Halbzeit das Tempospiel herausragend funktioniert. „In der zweiten Halbzeit machen wir dann allerdings kein Tor mehr aus dem Tempo“, hängt Klatt immer noch an der Pausenführung, die dem Spielverlauf nicht gerecht wurde und dementsprechend zu knapp war, um länger davon zu zehren. Nach dem Ausfall Eres’ (siehe Extrabericht) liegt die Hauptlast auf Rechtsaußen beim 20-jährigen Finn Scharnweber, der zu Beginn des Jahres, als amtierender deutscher A-Jugend-Meister, aus Erlangen ins Siegerland kam. Vielleicht übernimmt Scharnweber ja auch die Aufgabe als Siebenmeterschütze von seinem Gespanns-Partner. Dann könnte er in puncto Effektivität noch am bisherigen vereinsinternen Primus in dieser Kategorie, Linksaußen Gabriel Viana vorbeiziehen.
Auch wenn auf jeder Nachttischlampe aus den 70-ern mehr Spannung sein dürfte als auf diesem Ligaspiel, begleiten auch am Samstagabend wieder viele Ferndorf-Fans die TuS-Equipe. Mehr als einhundert Tickets sind ins Siegerland gegangen – unter anderem hat der Förderverein eine Fahrt für die Jugendspieler organisiert. So dürfte im ausverkauften Sportzentrum wieder einmal ein lautstarker Auswärts-Support zu vernehmen sein. Wer kein Ticket hat, dem sei noch einmal der letzte Spieltag kommende Woche Samstag ans Herz gelegt. Denn zum Saisonfinale gegen den TuSEM aus Essen gibt es noch Stehplätze. Dann heißt es dabei zu sein, wenn verdiente Spieler verabschiedet werden und anschließend wird mit den Michel & Co. ein Kaltgetränk bei der Abschluss-Party getrunken. Bis dahin gilt für die Daheimgebliebenen vor dem Livestream bei DYN, wie auch bei den TuS-Fans vor Ort das altbekannte Motto: Scream for your team – mit der #familieferndorf, mit der #familietus!
Gegner: TV Hüttenberg
Einwohner Hüttenberg: 11.000 (zum Vergleich: Ferndorf = 3900)
Heimspielstätte: Sportzentrum Hüttenberg – 1450 Zuschauer Fassungsvermögen
Trikotfarbe: blau/weiß/rot
größte Erfolge: 4.Platz Bundesliga 1980, Platz 23 in der „Ewigen Tabelle der Handball-Bundesliga"







