Fünfte Ein-Tore-Niederlage im achten Heimspiel

„Hätzlich willkumme in dä Stadt mit K“, singen die kölschen Mundart-Musiker von Kasalla. „Herzlich willkommen im Abstiegskampf der zweiten Handball-Bundesliga“, heißt es seit Samstagabend für die Mannen von Chefcoach Ceven Klatt, der nach dem Spiel konstatierte: „Wir müssen jetzt enger zusammenrücken, den Abstiegskampf annehmen und uns gemeinsam aus der Situation herausarbeiten. Wir haben das in der Vergangenheit auch immer als Mannschaft gelöst bekommen!“ Es war die nächste Ein-Tore-Niederlage, die mittlerweile fünfte im achten Heimspiel, die Fragen hinterlässt. Waren vielleicht Hexen und Schamanen im Frühling in der Stählerwiese? Denn seit Ende März diesen Jahres konnte nur eines von dreizehn Heimspielen, im einst so gefürchteten Hexenkessel, siegreich gestaltet werden. Oder müssen die Michel & Co. inzwischen auf das berühmte Sofa des Psychologen. Denn rein an der Qualität kann es nicht liegen. Die haben die TuS-Jungs schon das ein oder andere Mal gezeigt. Und im Gegensatz zu manch anderem Team waren die beiden höchsten Niederlagen die Vier-Tore-Niederlagen bei den Spitzenteams aus Balingen und Nordhorn.
Ziga Urbic, der Mann im Tor der Eulen Ludwigshafen, war der Mann der ersten Minuten. Drei spektakuläre Paraden zeigte der Slowene zu Beginn des Spiels, so dass es bis zur vierten Minute dauerte, bis Josip Eres das erste Ferndorfer Tor erzielte. Bis zum 4:4 in der neunten Minute war es dann ein Spiel auf Augenhöhe. Julius Fanger, der sein Arbeitspapier bei den Ferndorfern bis 2028 verlängert hatte, war mit einem Kracher in den Winkel erfolgreich. Und auch Daniel Hidegs Tor zum 6:4 aus zehn Metern, war mit Fulminant durchaus treffend umschrieben. In der nun folgenden Phase war es zum einen Eulen-Spielmacher Marc-Robin Eisel, der seine Farben auf Schlagdistanz hielt und zum anderen die Umstellung von einer 5:1 auf eine 6:0 Abwehr. Der eingangs erwähnte Urbic performte weiter auf hohem Niveau, doch auf Ferndorfer Seite tat es ihm Can Adanir gleich. Auf 10:8 hatten sich die Gäste herangerobbt, als die TuS-Jungs eine Überzahl humorlos ausnutzten und wieder auf 13:9 (21.) davonzogen. „Statt 7:4 muss es eigentlich schon 10:4 stehen. Und statt 13:9 muss es eigentlich 17:9 stehen“, wurmte den TuS-Coach die Phase, in der die Pfälzer wieder auf 14:13 (26.) herankamen. Symptomatisch für die fehlende Konsequenz in Durchgang Eins war die Schlussphase. Adanir hielt weiter alles was zu halten war, aber ansonsten war es vorne wie hinten fahrig. Im Angriff ließ man viele Chancen ungenutzt, während man im Abwehrverbund wenig Stopfouls zog und schlecht in Helfersituationen kam. Statt mit dem letzten Angriff auf 17:14 zu stellen, vergab man diese Chance und kassierte mit der Halbzeitsirene einen Siebenmeter zum 16:15.
Michael Haaß, Weltmeister von 2007, hatte die Seinen gut eingestellt auf das Kreisläufer-Spiel des TuS Ferndorf, was selten zum Tragen kam. Und schon mit dem ersten Angriff in Hälfte Zwei glichen die Eulen aus. Der erste Gleichstand seit dem 4:4. In Überzahl legten die Rot-Weißen dann wieder vor. Endlich einmal mit anderen Varianten des Überzahl-Spielzugs, den inzwischen die ganze zweite Liga verteidigt bekommt. Gabriel Viana auf Linksaußen war einmal mehr Nutznießer. Nach vierzig Minuten hatte die TuS-Equipe auf 23:19 vorgelegt. Alles lief in geordneten Bahnen und man war auf einem guten Weg. Doch dann kam die Königsposition bei den Gästen zum Tragen. Klatt war ein Stück weit enttäuscht von der TuS-Abwehr: „Wir hatten uns vorgenommen, Schmitt nicht ins Werfen kommen zu lassen. Das haben wir dann nicht gut verteidigt. Wir hatten ständig zu wenig Druck!“ Schmitt, damit meint Klatt den Halblinken Friedrich Schmitt, der am Ende auf zehn Tore kam, und der die rechte Abwehrseite der Ferndorfer vor große Probleme stellte. Zudem gab es aus der Spielmacher-Position keinen Impact mehr aufs Spiel. Weder Fanger noch Schnabl bekamen das Heft des Handelns in die Hand. Und so kam es wie es kommen musste. Beim 25:26 sorgte Kian Schwarzer, Sohn von Kreisläufer-Legende Christian „Blacky“ Schwarzer, für die erste Eulen-Führung seit dem 3:4. Als Schwarzer, der mittlerweile aus allen Lagen traf, gar auf 27:29 (53.) stellte, nahm Klatt sein drittes Team-Time-Out. Ganze zwanzig Sekunden Redebedarf hatte der TuS-Coach. Doch es blieb beim Übergewicht der Gäste. Mihailo Ilic und Lars Röller bildeten einen über vier Meter großen Innenblock und stellten damit den Ferndorfer Rückraum vor große Probleme. Bei der TuS-Equipe war über den Innenblock und die rechte Angriffsseite der Eulen ebenfalls kein Durchkommen. Doch über die linke Angriffsseite reüssierten die Pfälzer ein ums andere Mal. Und in einer der wichtigsten Phasen der Partie, in den 120 Sekunden zwischen der 56. und 58.Minute nahm Urbic den Ferndorfer Angreifern drei hundertprozentige Chancen weg. Einzig Viana war in dieser Zeit in der Lage, Urbic zu überwinden. Der Anschlusstreffer zum 30:31 eine Minute vor Schluss war dann zu wenig, um nochmal die Chance auf den Ausgleich zu bekommen. Zu routiniert agierten die Ludwigshafener. So blieb nichts anderes übrig, als zum wiederholten Male eine Ein-Tore-Niederlage zu quittieren. „Wir bekommen schon in Hälfte Eins zu viele Gegentore. Am Ende sind 31 Gegentore gegen die Eulen einfach zu viel. Wir dürfen dar nicht mehr in die Situation kommen, dass es am Ende knapp wird“, musste Klatt das Geschehene erst einmal sacken lassen. Das Schlusswort gehört Matchwinner Schmitt: „Wir sind natürlich sehr glücklich. Auch beim Rückstand sind wir bei uns geblieben und haben nicht den Kopf verloren.“
„Am Ende wollten die Eulen Ludwigshafen den Sieg auch ein Stück weit mehr. Warum das so war, das gilt es in der kommenden Woche aufzuarbeiten“, muss Klatt neben den Trainingsaspekten sicher auch den Psychologen mimen. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – das berühmte Herberger-Zitat gilt insbesondere für die Jungs vom Kindelsberg. Denn so bitter der Abend auch war, schon nächste Woche Sonntag steht das nächste Spiel an. Der hessische Rivale vom TV Hüttenberg gibt sich die Ehre in Kreuztals altehrwürdiger Stählerwiese. Da haben die Michel & Co. schon sehr zeitnah die Chance, das Gerede vom Heimkomplex im Keim zu ersticken. Somit gilt nächsten Sonntag um 17 Uhr mehr denn je der Spruch: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei! Zusammenrücken und gemeinsam die Weichen stellen, um auch in der Saison 2026/27 wieder Teil der zweiten Handball-Bundesliga zu sein.
Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Daniel Hideg (6), Gabriel Viana (5), Josip Eres (5/1), Valentino Duvancic, Tom Jansen (je 4), Marvin Mundus (2), Julius Fanger, Julius Meyer-Siebert, Mattis Michel, Nico Schnabl (je 1), Can Adanir, Filip Baranasic, Lukas Süsser
Fotos: T. Adanir, A. Domian, RGR/TuS Ferndorf


























