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Ein überragender Adanir reicht nicht für Zählbares

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Beim letzten Heimspiel gegen Lübeck, der bitteren Ein-Tor-Niederlage, waren die Highlights vor Spielbeginn zu suchen. Das soll sicher nicht zur Gewohnheit werden, doch auch am Freitagabend war das eigentliche Highlight bereits vor dem Spiel, als Hallensprecher Kai Brückmann beim Einlaufen der Mannschaften die Vertragsverlängerung bis 2028 des Kapitäns, Eigengewächs' und Identifikationsfigur Mattis Michel bekanntgab. Nach dem Spiel gab es ebenfalls einen Grund zur Freude, weil andere Teams aus dem Tabellenkeller ebenfalls Niederlagen kassierten. Während der sechzig Minuten hingegen gab es, bis auf den alles überragenden Can Adanir im Tor, wenig Positives zu berichten.

„Es war ein Spiel der Torhüter“ - der Satz von TuS-Coach Ceven Klatt umschreibt sehr passend die sechzig Minuten, passt aber insbesondere auf die ersten fünf Minuten. Paraden auf beiden Seiten und ein gehaltener Siebenmeter von Coburgs Keeper Petros Boukovinas. Nach knapp fünf Minuten gab es dann zum ersten Mal das inzwischen berühmt gewordene „Vamos“. Gabriel Viana, portugiesischer Nationalspieler in Diensten des TuS Ferndorf traf sehenswert zum 1:0. Im Übrigen mit einem Ball, bei dem der ein oder andere Coburger vor dem Spiel die Nase gerümpft hatte, ob der geringen Luft die dieser aufwies. Das war aber sicherlich nicht der Grund dafür, dass Coburg dann früh im Spiel die Führung an sich riss. Über 1:2 (7.) und 2:4 (9.) gestattete der Ferndorfer Abwehrverbund den Gästen viel zu viele leichte Tore. Der sonst so gerühmte Ferndorfer Abwehrverbund stand nicht sattelfest, so dass nach einer Viertelstunde, beim 5:8, die erste Drei-Tore-Führung der Coburger auf der Anzeigetafel stand. Die Ferndorfer Rückraumspieler nahmen sich immer wieder die Verantwortung für den Ball, wurden dieser aber nur in den seltensten Fällen gerecht. Coburgs Coach Anel Mahmutefendic zur Anfangsphase: „Wir hatten uns auf ein schweres Spiel vorbereitet und wussten, dass die stimmungsvolle Halle ein Riesen-Plus für Ferndorf sein kann.“ Beim 5:9 in der 17.Minute nahm Klatt das erste Team-Time-Out, um dem Trend entgegenzuwirken. „Mehr Kontakt, mehr Kompaktheit“, forderte der TuS-Coach in der Abwehr ein. „Zwei Mannschaften, die beide Top aufeinander eingestellt waren“, so sagte es Klatt nachher in der Pressekonferenz. Und man gewann den Eindruck, dass der Coach der Rot-Weißen in dieser Auszeit die richtigen Rädchen gedreht hatte. AC/DC's TNT lief in der 19.Minute nach dem 8:10 Anschlusstreffer. Viana war wahrlich on fire und hatte zum vierten Mal genetzt. Kurz danach gab Nico Schnabl sein Comeback. Was allerdings nicht von Erfolg gekrönt war, hatte der 29-jährige doch gleich mehrere unglückliche Aktionen. An den Kräfteverhältnissen änderte das nicht viel, denn hinten stand ein Zerberus im Ferndorfer Kasten, der alles hielt was zu halten war. Adanir machte ein Riesenspiel und erhielt im Nachgang ein Sonderlob vom Coach: „Was Can heute gehalten hat war einfach super!“ Bis zum Halbzeitpfiff ging es über 9:12 (23.) und 10:12 (25.) dahin. Die Keeper auf beiden Seiten zeigten überragende Leistungen, so dass es mit eben diesem 10:12 in die Halbzeit ging. 

„Wir hätten zur Halbzeit schon mit mehr als nur zwei Toren führen müssen“, war Mahmutefendic mit der Leistung der Seinen nicht in Gänze einverstanden und legte nach: „Wir wussten, dass die Halle noch kommen wird, haben das aber sehr erwachsen gespielt.“ Der Gäste-Coach spricht von den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit. Die Ferndorfer Rückraumspieler kamen weiterhin nicht in die Zweikämpfe. Es wurde nicht auf die Nahtstellen gespielt. Und die physisch starke Deckung der Franken, mit den drei kantigen, bulligen Kreisläufern, wurde viel zu selten in Bewegung gebracht. Nach diesen ersten zehn Minuten in Hälfte Zwei war die Messe zwar noch nicht gelesen, aber zwei Dinge stimmten nachdenklich. Zum einen erzielten die Gelb-Schwarzen die erste Fünf-Tore-Führung (13:18), zum anderen hatten die Michel & Co. größte Probleme selbst zum Torerfolg zu kommen. Nach 44 Minuten zeigte die Anzeigetafel ein 15:19, was Klatt zur nächsten Auszeit veranlasste. Doch die Suche nach dem passenden Schlüssel zum Erfolg gestaltete sich weiterhin schwierig. Schnabl war in der Kabine geblieben. Grund waren weder seine Leistung, noch seine zwei Zwei-Minuten-Strafen. Vielmehr zwickte es Schnabl erneut, und man ließ Vorsicht walten, um die Einsätze in den nächsten Wochen nicht zu gefährden. Das zwang den TuS-Coach zu allerlei Experimenten. Doch auf der Suche nach der richtigen Formation gingen wertvolle Minuten ins Land. In der 50.Minute hatte sich beim 16:21 noch nicht viel verändert. Das passierte erst zu Beginn der Crunch-Time. Tom Jansen war es dann, der endlich mal den Zweikampf suchte und in die Nahtstelle ging. Belohnung: Ein Siebenmeter und ein selbst erzieltes Tor. Marvin Mundus ging anschließend noch zwei Mal in genau dieselbe Lücke. Nämlich die, wo Coburg aufgrund der bankabgewandten Seite nicht mehr wechseln konnte. 20:22 (52.) und man hatte das Gefühl, die Bis, Kontrec und Röller müssen den vorangegangenen 50 Minuten Tribut zollen. „Wir sind auf Schlagdistanz geblieben und haben das Spiel offen gehalten“, war Klatt nun endlich einverstanden mit dem gezeigten Drive der Seinen. Mattis Michels Anschlusstreffer zum 21:22 wurde von den 1234 Zuschauern endlich so frenetisch gefeiert, wie sich das der Ferndorfer Coach über sechzig Minuten gewünscht hatte. Adanir machte weiterhin einen herausragenden Job im Ferndorfer Kasten, so dass sich der TuS-Equipe die Chance zum Ausgleich bot Doch ausgerechnet Daniel Hideg, bei den letzten beiden Auswärtsauftritten der Go-to-Guy des TuS, warf nun zwei Mal den Ball weg. Und der HSC 2000 Coburg spielte es im Anschluss, unter dem Jubel der rund zwei Dutzend mitgereisten Fans, „sehr erwachsen“ nach Hause, wie es Coburgs Coach umschrieb. Die Oberfranken hatten einige Male die Tür aufgemacht, nur, der TuS Ferndorf war am Freitagabend nicht abgezockt genug, um diese Chancen zu nutzen. Schlussendlich musste man eine 22:25 Niederlage quittieren, obwohl man mit Adanir, der auf 44% gehaltener Bälle kam, den besten Mann auf der Platte hatte. 

Mahmutefendic sprang seinem Kollegen Klatt in der Pressekonferenz beiseite, als dieser die Frage nach der Stimmung wohlwollend mit einem „wir sind für die Stimmung ja mitverantwortlich“ umschrieb: „Die Zuschauer sind auch bei uns in Coburg immer dann stimmungsvoll und zufrieden wenn es gut läuft. Es ist halt schwer zu vermitteln, dass die Mannschaft genau dann die Unterstützung braucht, wenn es nicht läuft!“ Viele Plätze waren leer geblieben in der Stählerwiese. Weihnachtsmärkte, Weihnachtsfeiern und die vielen Heimniederlagen haben Wirkung gezeigt. Nun ist es an den Jungs vom Kindelsberg zu zeigen, dass sie es besser können. Im Euregium, der Heimstätte der HSG Nordhorn-Lingen gibt es bereits am Freitag die Gelegenheit dazu. Wobei dort die Trauben sehr hoch hängen. Umso wichtiger wird die Partie am 13.Dezember werden, wenn sich die Eulen Ludwigshafen in der Stählerwiese vorstellen. Und spätestens da benötigen die Michel & Co. die bedingungslose Unterstützung der Fans. Wie Mahmutefendic richtigerweise sagte – besonders in den Phasen, in denen es mal nicht so gut läuft: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!

Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Josip Eres, Gabriel Viana (je 4), Valentino Duvancic, Julius Meyer-Siebert, Marvin Mundus (je 3), Tom Jansen (2), Julius Fanger Daniel Hideg, Mattis Michel (je 1) Can Adanir, Filip Baranasic, Nico Schnabl, Lukas Süsser


Fotos: H. Burbach, T. Adanir, TuS Ferndorf-RGR

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