Ein Highlight-Spiel für den TuS Ferndorf

Noch einer kurzen Verschnaufpause und dem obligatorischen Saisonabschluss im 16.Bundesland, will man nun Historisches schaffen. Denn noch nie gelang es einem Zweitligateam der Nordsiegerländer, länger als drei Jahre im Unterbau der Beletage zu verweilen. Mit dem Klassenerhalt in dieser Saison wäre dieses Ziel erreicht. Fast schon Tradition hat die Eröffnung des Pflichtspielreigens mit der Partie in der 1.Pokalrunde. Dabei könnte die Hürde für die Rot-Weißen kaum höher sein. Denn zu Gast im Siegerland ist die TSV Hannover-Burgdorf, ununterbrochen Erstligist seit 2009 und gespickt mit Stars auf Bank und Feld.
Denn unter anderem ist am Freitagabend um 19:30 Uhr ein Weltmeister ist zu Gast. Juan Carlos Pastor, Trainer der TSV Hannover-Burgdorf, war Trainer der spanischen Nationalmannschaft, als diese 2005 den Titel gewann. Internationale Spiele sind ein gutes Stichwort. 322 Länderspiele stehen bei Hannover auf dem Parkett, wenn die vermeintliche Stamm-Sieben performt. Eine Spitzenmannschaft mit vielen, vielen Nationalspielern aus ganz Europa wird also ihre Visitenkarte in Kreuztal abgeben. „Das ist für uns ein Training unter Wettkampfbedingungen. Hannover ist kein Maßstab für uns – sie sind uns auf allen Positionen haushoch überlegen“, warnt TuS-Coach Ceven Klatt vor zu hohen Erwartungen und schiebt nach: „Solch ein Top-Erstligist nutzt fünf bis zehn schwache Minuten des Gegners gnadenlos aus!“ Die Niedersachsen wollen zudem ihre Serie ausbauen. Sieben Mal traten die Pastor-Mannen in der Vorbereitung an – sieben Mal verließen die Grün-Weißen das Spielfeld als Sieger. Die bekanntesten Gesichter spielen derweil nur noch ein Jahr im TSV-Jersey. Kreisläufer Justus Fischer, eines der frischen Gesichter der runderneuerten Nationalmannschaft, wechselt 2027 nach Kiel. Renars Uscins, Olympia Held von 2024, geht sogar ins Ausland und wechselt zum französischen Vorzeigeclub Paris St. Germain. Dass die freitäglichen Gäste auch in der kommenden Saison in den Kampf um die europäischen Startplätze eingreifen, bezweifeln nur die wenigsten Handball-Experten. Namen wie Joel Birlehm im Tor, der fast 2 mtr. große Neuzugang Sebastian Heymann auf Halblinks oder aber auch der aktuell verletzte, 85-fache isländische Nationalspieler Sigvaldi Gudjonsson, stehen für ausgesprochen hohe Qualität.
So ein bisschen ist das Verletzungspech der rote Faden des TuS Ferndorf. Bereits in der vergangenen Saison schlug selbiges mehrfach gnadenlos zu und auch aktuell scheint das Ende noch nicht in Sicht. Nico Schnabls Heilungsprozess läuft zwar wie gewünscht, dennoch wird er ebenso fehlen wie Soeren Servos, der sich bei der Junioren-Nationalmannschaft verletzt hatte und noch nicht für einen Einsatz in Frage kommt. Fraglich ist der Einsatz von Julius Fanger, der sich im Testspiel gegen Ratingen Mitte Juli verletzt hatte. Und auch beim hochkarätigsten Neuzugang, dem italienischen Nationalspieler Mikael Helmersson, stehen die Zeichen eher auf Ausfall. „Der Ligaauftakt bei den Eulen und das erste Heimspiel gegen Emsdetten genießen höchste Priorität und sind uns wichtiger“, sagt Klatt und verweist darauf, dass er bei den angeschlagenen Spielern kein Risiko eingehen möchte. „Wir wollen Dinge ausprobieren. Wollen unterschiedliches Tempo spielen, mit zwei Linkshändern im Rückraum agieren und auch das Spiel Sieben gegen Sechs verbessern“ - Klatt hat im Pokalspiel andere Dinge im Fokus als das Weiterkommen und schaut nochmal auf eine Vorbereitung, in der „wir uns im athletischen und konditionellen Bereich verbessert haben“, aber wo „auch immer wieder einige Spieler kurz- und langfristig ausgefallen sind“. Die beiden Neuzugänge auf der Linksaußenposition haben unter der Woche beim Sponsorenabend schon mal aufhorchen lassen. „Hungrig“ war das Wort der Wahl, das Pablo Lange und Thore Rahmlow nutzten, um ihre Ambitionen zu umschreiben. Hungrig auf Tore, hungrig auf gute Leistungen und hungrig auf Erfolge mit dem Team. Hungrig ist auch der Größte im Team – 2,04 mtr. Neuzugang Timo Stoyke ; auf eine gute Performance auf dem Feld, aber auch auf guten Kaffee, wie er unlängst verlauten ließ.
Die große Fanschar des TuS Ferndorf fiebert dem Auftakt entgegen. Tickets gibt es zwar noch in allen Kategorien, aber die Verantwortlichen rechnen mit einem sehr, sehr gut besuchten Hexenkessel. Schließlich haben die Siegerländer Handballfans nicht oft das Vergnügen, einen solchen hochkarätigen Gegner in einem Pflichtspiel bestaunen zu dürfen. Daher ist es fast schon verwunderlich, dass es für dieses Highlight-Spiel noch die angesprochenen Karten gibt. Doch spätestens wenn Christian und Fabian vom Dorff, das Unparteiischen-Gespann für den Freitagabend, die Partie anpfeift, wird es egal sein, ob 1100, 1250 oder 1400 Zuschauer für Ort sind. Denn dann gilt es endlich wieder: Scream for your team – mit der #familieferndorf, mit der #familietus !
WISSENSWERTES
Gegner: TSV Hannover-Burgdorf
Einwohner Hannover: 55.200 + 59.900 (zum Vergleich: Ferndorf = 3.900)
Heimspielstätte: ZAG-Arena (10.767 Plätze)
Trikotfarbe: grün-weiß
größte Erfolge: 4. Platz BuLi-Saison 2019/20, zweimalige Teilnahme DHB Final Four







