Die TuS-Jungs brennen auf den Auftakt in der Stählerwiese

Voller Enthusiasmus, voller Liebe für den Herzensclub – und warum: Weil Liebe nicht rational erklärbar ist. Weil diese Fanliebe nicht immer Sinn ergibt. Das favorisierte Team sucht man sich einmal im Leben aus. Man verflucht es, nur um Tage später wieder in die Stählerwiese zu pilgern. Und da die Spieler, der Staff und die Verantwortlichen wissen dass man mit Liebe nicht spielt, haben sie sich für die aktuelle Saison ein ganz großes Ziel gesetzt: Die Stählerwiese wieder zu dem zu machen, was sie einst war – eine schwer einnehmbare Festung, in der zumeist die Fans des Siegerländer Zweitligisten zufrieden nach Hause gehen.
Ferndorfs sportlicher Leiter Michael Lerscht hat es vor Saisonbeginn perfekt skizziert, als er sagte: „Uns erwartet wieder einmal eine brutal starke zweite Liga!“ Und in dieser Liga kommt am Freitagabend ein Aufsteiger in die Stählerwiese, der „kein gewöhnlicher Aufsteiger ist“, wie TuS-Coach Ceven Klatt sagt. Wahrlich, der Kader des TV Emsdetten hat sicherlich das Potenzial, eine Saison im Tabellenmittelfeld zu spielen. „Sehr gute Verstärkungen und die Euphorie des Aufstiegs. Sie praktizieren ein Top-Umschaltspiel und gehen so oft wie möglich ins Tempo. Wir werden sie ins gebundene Spiel zwingen müssen und den Außen wenig Würfe gestatten“, ist Klatt von den Qualitäten der Münsterländer überzeugt. Bei den angesprochenen Neuzugängen spielt der Ferndorfer Trainer auf drei Hochkaräter an: Torwart Paul Dreyer, jahrelanger Leistungsträger beim VfL Lübeck-Schwartau – Rückraumspieler Niclas Heitkamp, der letzte Saison noch für GWD Minden in der Bundesliga reüssierte – Regisseur Björn Zintel, der mit Balingen-Weilstetten und Hamm Erstliga-Luft schnupperte. Da mit dem erfahrenen Torhüter Oliver Krechel, der gebürtiger Sauerländer ist, und dem österreichischen Nationalspieler auf Linksaußen, Eric Damböck, weitere Spieler aus dem gehobenen Regal bei den Grün-Schwarzen spielen, wird deutlich, warum dieses Team den Klassenerhalt im Tank hat. Die torgefährliche rechte Angriffsseite wird auf den Halbpositionen vom 2,07 mtr. großen André Meuser und dem Ex-Nordhorner Jaris Tobeler angeführt, während auf Rechtsaußen der 29-jährige Dauerbrenner Yannick Terhaer spielt, der seit 2001 die Schuhe für seinen TVE schnürt. Trainiert wird das Ensemble von Lennart Lingener. Einer der jungen Wilden. Wie beispielsweise der 31-jährige Julian Bauer aus Dormagen (SC Magdeburg) und der 33-jährige Kenji Hövels aus Essen (Füchse Berlin) hat nämlich auch der 33-jährige Lingener seine Trainer-Ausbildung bei einem Erstligisten genossen (SC DhfK Leipzig).
Auf Seiten des TuS Ferndorf sah man am vergangenen Wochenende fast nur strahlende Gesichter. Bei den Eulen Ludwigshafen konnte ein letztlich ungefährdeter Auswärtssieg eingefahren werden. Allein die weiterhin verletzten Spieler machen Sorgen. Josip Eres wird nach seiner Schultereckgelenksprengung aus dem Mai noch einige Zeit ausfallen. Mikael Helmersson und Nico Schnabl hingegen waren in der Pfalz vor Ort und haben das Team unterstützt. „Beide brennen darauf zu spielen“, muss Klatt allerdings weiterhin der Vernunft Vorrang geben. Und die sieht beide gegen Emsdetten noch nicht im Kader, auch wenn Schnabl inzwischen wieder mit der Mannschaft trainiert. „Der Sieg bei den Eulen hat uns Energie und Selbstvertrauen gegeben. Es macht aktuell sehr viel Spaß ins Training zu gehen“, sagt Klatt, der auch nochmal darauf verweist, dass das komplette Team in Sachen Fitness in einem Top-Zustand ist. Diesbezüglich musste man vor allen Dingen um den Kapitän fürchten. Denn Mattis Michel spulte in Ludwigshafen sechzig Minuten unter Volldampf ab, agierte im Innenblock und erzielte im Angriff zwölf Tore. „Wir haben am Sonntag telefoniert und er schien gut drauf zu sein – er ist halt topfit“, ließ Klatt einen Einblick ins Mannschaftsleben zu. In den nächsten Spielen will man „das Spiel Sieben gegen Sechs weiterentwickeln“, was letzten Samstag über weite Strecken schon sehr gut aussah. Julius Fanger und Soeren Servos haben einige Minuten unter Wettkampfbedingungen gesammelt, was ihrer Entwicklung sicherlich gut tat. Während Fanger große Teile der Vorbereitung verpasst hat, war es bei Servos die komplette Vorbereitung die ihm fehlt. Beide Spieler werden also noch einige Wochen brauchen, um an ihr Top-Level heranzukommen. Einem weiteren Spieler stellte Ferndorfs Chef auf der Kommandobrücke indes ein gutes Zeugnis aus: „Philip Würz hat eine tolle Entwicklung genommen. Ich sehe da noch viel Potenzial!“
Viele positive Nachrichten aus dem Ferndorfer Lager, die auch beim Publikum nicht Halt machen. Zum einen ist da die Zuschauerauslastung der Stählerwiese. Mit über 95% liegt man in der Spitzengruppe und möchte dass dieses Jahr noch verbessern. Zum anderen hat ein neuer Name Einzug gehalten. Während man inzwischen selbstverständlich von Georg-Tribüne und Quast-Tribüne spricht, hat nun auch die Haupttribüne einen Namen – ab sofort sitzen die Zuschauer dort auf der Volksbank-Tribüne. Und egal wo, es wird voll werden am Freitagabend um 19:00 Uhr. Ein paar wenige Sitzplatztickets sind noch vorhanden. Aber Stehplätze gibt es aktuell noch in genügender Zahl. Doch die Verantwortlichen schielen ganz verstohlen in Richtung ausverkaufter Stählerwiese. Verdient hätten es sich die Michel & Co. allemal nach ihrem Husarenritt im Südwesten. Zusammenstehen, zusammenhalten und den Jungs in Kreuztals bester Stube den Rücken stärken. Denn nun heißt es auch in der Saison 2026/27 endlich wieder: Scream for your team – mit der #familieferndorf, mit der #familietus !
WISSENSWERTES
Gegner: TV Emsdetten
Einwohner Emsdetten: 35.900 (zum Vergleich: Ferndorf = 3.900)
Heimspielstätte: Emshalle – 2.200 Zuschauer Fassungsvermögen
Trikotfarbe: grün-schwarz
größte Erfolge: DHB-Pokal Halbfinalist 1983, Aufstieg in die 1.Liga 2013







