Die Stählerwiese soll wieder zur Festung werden

Mit dem HC Oppenweiler/Backnang duellierten sich die Michel & Co. nämlich im Juni 2024, als man in der ersten Runde der Aufstiegs-Playoffs auf die Männer aus dem Rems-Murr-Kreis traf. Zwei Mal konnte man damals gewinnen und trat demzufolge ein Jahr früher den Weg in Deutschlands zweithöchste Spielklasse an.
Denn ein Jahr später war es dann für die Grün-Blauen soweit. Am 7.Juni 2025 waren sie am Ziel ihrer Träume – endlich Zweitligist! Doch bereits nach sieben Saisonspielen und 2:12 Punkten gab es Schatten im Paradies. Aufstiegscoach Stephan Just wurde früh von seinen Aufgaben entbunden. Indes, auch das Interims-Trainerduo Volker Blumenschein und Tobias Klisch schaffte keine Wende zum Besseren. Trainer Nummer Drei in dieser Saison ist seit Jahresbeginn der portugiesische EHF-Master-Coach Rui Silva. Und obwohl die Süddeutschen immer noch keinen Sieg auf dem Konto haben und bei zwei Pluspunkten verharren, hebt Klatt warnend den Zeigefinger: „Wir haben es im Hinspiel gesehen. Wenn wir nur ein bisschen nachlassen, sind sie da. Oppenweiler/Backnang ist eine Mannschaft, die sich über sechzig Minuten lang nicht aufgibt.“ Die zweite Warnung geht an seinen Defensivverbund, denn die Torgefahr der Gäste kommt vornehmlich aus dem wurfgewaltigen Rückraum. Orchestriert vom 24-jährigen Timm Buck, Top-Torschütze und seit sieben Jahren im Verein, sind es Nick Fröhlich im linken und Malte Dedering im rechten Rückraum, die für die größte Torgefahr sorgen. Denn auch wenn die Kooperation mit den Kreisläufern klappt, so ist beim Spiel über die Außen noch mächtig Sand im Getriebe. Apropos Kreisläufer – zwei abwehrstarke Spieler haben sie da in ihren Reihen. Neben dem Isländer Tjörvi Tyr Gislason ist es seit Rückrundenbeginn Lukas Süsser, der zuletzt vier Monate für den TuS Ferndorf auflief, der versucht den grün-blauen Abwehrverbund zu stabilisieren.
Auf Hagens Abwehr hatte man sich in der zurückliegenden Trainingswoche hervorragend eingestellt. Und auch bei dem Gegner am ungewohnten Mittwochabend ist eine neue Ausrichtung des Abwehrverbunds vonnöten. „Wir müssen mit einer gewissen Grundhöhe verteidigen“, will Klatt dem Rückraum der Oppenweiler nicht allzu viel Freiraum gewähren. Dafür steht ihm der gleiche Kader zur Verfügung wie in Hagen. Positives zu vermelden gibt es dabei von Hampus Dahlgren, der wieder im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Und auch Philip Würz brennt geradezu darauf, endlich wieder Spielminuten zu sammeln. Bei Tom Jansen ist noch keine Besserung in Sicht, während Klatt fast täglich auf gute Nachrichten von Julius Meyer-Siebert wartet. Der 2,06 mtr. Hüne fehlt seit dem Dormagen-Heimspiel und wird vor allen Dingen als Entlastung in der Abwehr vermisst. Vorne hat nämlich Daniel Hideg aktuell den Hut auf, wenn es um das Thema Torewerfen geht. Der 29-jährige Hockenheimer, der erst vor kurzem seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert hat, sprüht aktuell vor Spielfreude. Torschütze von der Königsposition im linken Rückraum, wichtiger Innenblock-Spieler mit den meisten Blocks im Team und dazu Wortführer bei Auszeiten. Hideg scheint Gefallen gefunden zu haben an seiner neuen, alten Rolle. Da kommt ein anderer, der beim vom Trainer angesprochenen Thema Wurfeffizienz endlich so reüssiert wie man das von ihm gewohnt war, Marvin Mundus, fast schon ein wenig zu kurz. Es muss aber unbedingt noch ein Satz zu den Youngsters geschrieben werden. Finn Scharnweber und Soeren Servos, die beide im Heimspiel gegen Dormagen debütierten, sorgten nämlich auch in Hagen für Begeisterung bei den zahlreich mitgereisten Fans.
Und die Fans sind das richtige Stichwort. Es war ein tolles Derby in der Hagener Ischelandhalle. Und auch die TuS-Fans haben für großartigen Support im Gästeblock hinter dem Tor gesorgt. Während bei den Gastgebern der Lautstärkepegel meist bei erfolgreichen Aktionen nach oben ging, hatten die Fans der Rot-Weißen genau das richtige Gespür für die Situation und waren in den Momenten für ihr Team da, als dieses die Unterstützung am dringendsten brauchte. So soll es auch am Mittwochabend um 19 Uhr, einem für Ferndorfer Verhältnisse ganz kruden Termin, wieder sein. Denn wie schon oft angesprochen – in wichtigen Situationen kann die Unterstützung der Fans gold wert sein. Nicht umsonst heißt es in einem Fangesang des Dessau-Roßlauer HV: Wir geh'n voran, als euer achter Mann! Diesen achten Mann wünschen sich die Michel & Co., wenn es in Kreuztals bester Stube wieder heißt: Scream for your team – mit der #familieferndorf, mit der #familietus !
WISSENSWRTES
Gegner: HC Oppenweiler/Backnang
Einwohner Oppenweiler & Backnang: 4.400 & 38.800 (zum Vergleich: Ferndorf = 3.900)
Heimspielstätte: Murrtal-Arena – 1.400 Zuschauer Fassungsvermögen
Trikotfarbe: grün-blau
größte Erfolge: Aufstieg in die 3.Liga 2015, Aufstieg in die 2.Liga 2025







