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Die Sehnsucht nach Heimsieg Nummer Eins

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Champagner-Handball kann man aktuell vom TuS Ferndorf nicht erwarten. Was man aber Woche für Woche geliefert bekommt, ist ehrlicher Handball mit der Bereitschaft, sechzig Minuten alles in die Waagschale zu werfen. In jedem Saisonspiel hatte die TuS-Equipe Chancen auf Zählbares. Selbst beim ideenlosen Auftritt in Dessau hatte man zwölf Minuten vor Schluss die Chance, aus sieben Metern auf ein Tor Rückstand heranzukommen. Auch dem Spitzenteam aus Balingen konnte man am Sonntag vierzig Minuten auf Augenhöhe begegnen. Allzu tragisch ist die Entwicklung hingegen bei den Heimspielen. Aus vier soliden bis hin zu sehr guten Auftritte wurden 1:7 Punkte geholt. Alle drei Niederlagen erfolgten mit einem Tor Unterschied. Gerade beim Handballsport, wo sich viele Dinge im Bereich von Nuancen entscheiden, scheint es daher nur ein Frage der Zeit zu sein, bis der Handballgott auch mal wieder in Kreuztals bester Stube Station macht.

„Eine Mannschaft mit toll ausgebildeten Handballern, die individuelle Spielstärke mit sechzigminütigem Vollgas-Handball kombinieren“ - Ferndorfs Coach Ceven Klatt hat durchaus Respekt vor der jungen Truppe des VfL Potsdam. War es bis vor anderthalb Jahren noch das Lieblingsprojekt Bob Hannings, so hat sich das Enfant Terrible es deutschen Handballs inzwischen etwas zurückgezogen beim VfL. Was geblieben ist, ist eine Talentschmiede, die mit Emir Kurtagic einen ganz erfahrenen Trainer an der Seitenlinie hat. Und ein Kader, der hauptsächlich mit Spielern der Jahrgänge 2003-2005 bestückt ist. Ausnahmen sind beispielsweise der österreichische Nationalspieler Markus Mahr. Vor seinem sommerlichen Wechsel nach Brandenburg heimste er erst noch die Auszeichnung als Spieler der Saison 2024/25 in Österreichs HLA Meisterliga ein und wurde damit Nachfolger von Constantin Möstl, der inzwischen in Lemgo das Tor hütet. Neben Mahr ist ein italienischer Nationalspieler der Goalgetter bei den Potsdamern - Marco Mengon, dessen Zwillingsbruder Simone beim TVB Stuttgart spielt. Klatt ist aber auch von der Spielphilosophie des Absteigers angetan: „Trotz des jungen Alters bleiben sie bei ihrem Spiel und lassen sich auch von Rückständen nicht beirren. Dazu gehen sie gnadenlos ins Tempo, suchen immer wieder Eins gegen Eins Situationen, um dann irgendwann den Durchbruch zu generieren! Identifikationsfigur der Potsdamer ist das 22-jährige Eigengewächs Nils Fuhrmann auf Linksaußen, der nun schon seit 13 Jahren die Schuhe für den VfL schnürt. Auffällig ist die Effizienz des jungen Teams. Bis auf zwei Rückraumakteure, liegt der Rest des Kaders bei einer Wurfeffektivität von 62-87%!

Genau da liegt der Hase beim TuS Ferndorf im Pfeffer. Beim Großteil liegt die Wurfquote unter 64%. Doch den Stab möchte der TuS-Coach keinesfalls über den Seinen brechen: „Oft müssen die Jungs im Rückraum Würfe im Zeitspiel nehmen, was die Quote schlechter macht. Wichtiger wird sein, dass wir keine Hundertprozentigen liegen lassen. Es muss die Bereitschaft da sein, noch mehr in diese Würfe zu investieren!“ Klatt spricht die Thematik an, dass ein ganzes Team über sechzig Minuten arbeitet. Alle sind am Erfolg beteiligt und arbeiten für die entstehenden Torchancen. Und dann ist es umso bitterer, wenn die Hundertprozentigen nicht genutzt werden. Dabei spiegelt die interne Torschützenliste der Rot-Weißen das wieder, was auf dem Feld zu sehen ist: Torgefahr kreieren in der Hauptsache die Protagonisten im Rückraum. Dazu gesellt sich mit Valentino Duvancic noch ein Kreisläufer. Über Außen fallen beim TuS die wenigsten Tore, auch wenn sich Josip Eres als Siebenmeterschütze etabliert hat und dort so gut wie keinen Strafwurf liegen lässt. Wer beim Auswärtsauftritt in Balingen auf ganzer Linie überzeugt hat, ist Neuzugang Filip Baranasic. Der Torhüter stieß erst in der letzten Woche zum Team, löste aber seine Aufgabe als Gespannspartner von Can Adanir zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz sah es bei den Jungs vom Kindelsberg schon wieder einmal nach einem Rumpfkader aus. Klatt hat wenig Hoffnung, dass ihm ein anderer Kader zur Verfügung steht als vergangenen Sonntag. Der Neuzugang auf der Mitte, Nico Schnabl, macht zwar große Fortschritte – ob es aber für einen Einsatz gegen Potsdam reicht, scheint aktuell mehr als fraglich.

Umso mehr geht die Verantwortung auch auf die Tribüne über. Beim Heimspiel gegen Bietigheim war die Unterstützung herausragend. Dass Publikum honorierte den Abnutzungskampf der Michel & Co., und war über die volle Distanz der gefühlte achte Mann auf dem Feld. Diese Energie wünscht sich die TuS-Equipe auch am Samstagabend zur besten Handballzeit. „Wir wollen von Anfang an da sein. Und dann, auch mit der Hilfe der Fans, möglichst was Zählbares einfahren“, ist Klatt optimistisch, dass der Hexenkessel seinem Namen wieder alle Ehre macht. Stehplätze gibt es noch genug. Alle in die Halle – dabei sein, wenn Hallensprecher Kai Brückmann den Hexenkessel anzündet. Um gemeinsam mit der #familieferndorf, mit der #familietus zusammenstehen: Scream for your team ! 


WISSENSWERTES
Gegner: VfL Potsdam 
Einwohner Potsdam: 185.000 (zum Vergleich: Ferndorf = 3.900)
Heimspielstätte: MBS Arena (2.250 Zuschauer Fassungsvermögen)
Trikotfarbe: rot  /  blau
größte Erfolge: Aufstieg in die 1.Liga 2024

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