Die Michel & Co. wollen die Welle weiter reiten

Diesem Vorhaben stellt sich ein Gegner in den Weg, der aus vielerlei Hinsicht ein liebgewonnener Gegner ist. Denn zum einen duelliert man sich zum inzwischen zwölften Mal in der 2.Liga, zum anderen pflegen die Fanlager beider Teams eine langjährige Freundschaft. In Sachsen-Anhalt ist es die Saison Eins nach Uwe Jungandreas. Ein Jahrzehnt lang prägte Jungandreas die handballerischen Geschicke in der Bauhausstadt. Eine schwere Aufgabe für seinen Nachfolger Vanja Radic, die dieser aber bislang mit Bravour meistert. Denn einer Verletztenmisere zum Trotz, spielen die Gäste eine sorgenfreie Saison, in der nach oben und nach unten in der Tabelle nichts mehr geht. Daher kann man sich in Dessau gezielt der Weiterentwicklung junger Spieler widmen, was sowieso ein Steckenpferd Radics ist. Fritz-Leon Haake und Mika Schüler sind zwei so junge Wilde. Der 23-jährige Schüler kam Anfang der Saison vom Reserveteam der Balingen-Weilstetter, der 21-jährige Haake indes aus der Reserve des SC Magdeburg. Aus der Nähe zur Stadt des Champion-League-Siegers haben sie eine Tugend gemacht. Denn inzwischen haben viele Dessauer Spieler ihre handballerische Ausbildung in der Magdeburger Talentschmiede absolviert. Neben den Mittelleuten gilt Vorsicht geboten vor der rechten Angriffsseite des Tabellenachten. Marcel Nowak auf Halb agiert hervorragend mit dem Außen Yannick-Marcos Pust, wie auch Klatt zu berichten weiß: „Dessau verfügt über ein extrem gutes Tempospiel, gute Mittelmänner und eine starke rechte Seite, von wo aus der Außenspieler viel einläuft.“ Neben Torgefahr von vielen Positionen gibt es eine Konstante im Tor – Philip Ambrosius ; seit 2016 im Dessauer Tor und Publikumsliebling in der Anhalt-Arena. Neben „Brosi“, wie sie ihren Keeper liebevoll rufen, ist auch sein Gespannspartner Janik Patzwaldt zu einem veritablen Zweitliga-Schlussmann gereift. Eine weitere Stärke der samstäglichen Gäste hat Klatt ausgemacht: „Dessau ist eine Mannschaft die nie aufgibt. Auch im Hinspiel, wo wir eins der schwächsten Spiele der Saison gemacht haben, wollten sie den Sieg ein Stück weit mehr als wir.“
Klatt will aber gar nicht zu viele Gedanken an die hohe Hinspiel-Niederlage verschwenden: „Ich will auf die Sachen schauen, die wir in den letzten Spielen gut gemacht haben. Wie zum Beispiel eine gute Abwehr stellen und mit Tempo aus selbiger heraus spielen!“ Daniel Hideg und Mattis Michel waren die herausragenden Spieler beim Auswärtscoup am Main vom vergangenen Sonntag. Insbesondere Hideg scheint die geklärte Vertragssituation – der Hockenheimer verlängerte Anfang des Jahres sein Arbeitspapier in Ferndorf um ein weiteres Jahr – geradezu Flügel zu verleihen. Die meisten Blocks, die meisten Feldtore und die meisten Assists. Hideg ist aktuell der nicht wegzudenkende Kopf des Teams. Beim Thema Wurfeffektivität hat die gesamte Mannschaft einen großen Schritt nach vorne gemacht. Hier liegt die Top-Quote, mit 80%, beim Capitano – Michel, der in Großwallstadt aus neun Versuchen neun Treffer machte, ist endgültig in der Saison angekommen und wird von Woche zu Woche stärker. Vom Personal gibt es nichts Neues zu vermelden. Die bislang angeschlagenen und verletzten Spieler werden in Gänze auch am Samstagabend ausfallen. „Wir wollen durch gutes Abwehrspiel einfache Dessauer Tore verhindern. Und ebenso wie unsere samstäglichen Gäste wollen wir für unsere Gegner maximal unangenehm sein, unter anderem weil wir ebenfalls nie aufgeben“, gibt Klatt die Marschroute für die kommenden Wochen aus. Ein wichtiger Baustein wird dabei auch ein Junioren-Nationalspieler sein. Soeren Servos ist erstmals ins Aufgebot der U20-Nationalmannschaft berufen worden. „Er hat nach seinem Wechsel in der Winterpause vom BHC zum TuS Ferndorf gute Spiele gezeigt und sich seine Nominierung verdient“,<s> </s>sagt dazu Bundestrainer Martin Heuberger.
Zu einem Spiel von Dessau gegen Ferndorf gehört, neben dem sportlichen Wettkampf, auch das gesellige Zusammensein der Fans. Man trifft sich am Samstag bereits vor dem Spiel und beginnt den Spieltag mit einem Fanmarsch von Ferndorf an die Stählerwiese. Tolle Stimmung und beste Samstagabend-Unterhaltung ist, da wieder einmal ein recht voller Gästeblock erwartet wird, nahezu garantiert. Einige wenige Sitzplätze gibt es noch im Vorverkauf. Die Verantwortlichen sind nicht vermessen, wenn sie zum wiederholten Male mit einer ausverkauften Stählerwiese rechnen. Handball ist in, der TuS Ferndorf ist in. Erfolg macht sexy, und so haben die Siege zu Jahresbeginn auch an der Stimmungsschraube gedreht. Man ist wieder gerne Teil des Hexenkessels und freut sich auf den Moment, wenn der Klassenerhalt auch in der Saison 2025/26 unter Dach und Fach gebracht wird. Bis dahin ist noch ein gutes Stück des Weges zu gehen. Der nächste Schritt dahin soll am Samstagabend ab 18 Uhr gemacht werden. Dann heißt es wieder in Kreuztals bester Stube: Scream for your team – mit der #familieferndorf, mit der #familietus!
WISSENSWERTES
Gegner: Dessau-Roßlauer HV 06
Einwohner Dessau: 79.800 (zum Vergleich: Ferndorf = 3.900)
Heimspielstätte: Anhalt Arena – 3.300 Zuschauer Fassungsvermögen
Trikotfarbe: blau-weiß
größte Erfolge: Erstligist 1991/92, 19 Jahre ununterbrochen Zweitligist von 1992-2011







