Die lange Rückfahrt mit etwas Zählbarem vergolden

Denn wie auch in der Saison 2024/25 wurde das Hinspiel der aktuellen Saison recht unglücklich verloren. Wie so oft in der Hinrunde waren die Siegchancen vorhanden, wurden aber teils leichtfertig vergeben. Wobei auf der anderen Seite auch ein Team steht, dem man in diesem Jahr den Titel der Zweitliga-Mittelmäßigkeit verleihen kann. Und das darf der VfL Lübeck-Schwartau durchaus als Kompliment verbuchen. Denn die Mannen von Coach David Röhrig haben weder mit dem Aufstiegs-, noch mit dem Abstiegskampf zu tun. Ende Februar / Anfang März schwächelten die Röhrig-Mannen kurz, um aber schnell wieder in die Spur zu finden. „Es ist so ein bisschen, als ob wir gegen uns selbst spielen“, skizziert TuS-Chefcoach Ceven Klatt die Abwehrformation der Norddeutschen. Eine mannorientierte Deckung, der, wenn die Helferkette stimmt und man in die Stopfouls kommt, schwer beizukommen ist. Abwehrchef Paul Skorupa fehlt den Gastgebern zwar schon länger, aber der 1,96 mtr. große Rückraumlinke Ole Schramm füllt diese Rolle gut aus, was seine vierzehn Blocks beweisen. Es gibt zwei weitere Rückraumspieler, die sich für das erfolgreiche Angriffsspiel verantwortlich zeichnen, wie Klatt ausführt: „Mit Magnus Holpert und Einar Nickelsen haben sie zwei Topspieler im Rückraum.“ Was bei den Blau-Weißen auffällt, ist die mannschaftliche Geschlossenheit. Neben den genannten Spielern sind auch erfahrene Spieler wie Linksaußen Jan-Eric Speckmann zu nennen oder aber der slowenische Keeper Mark Ferjan, der 2024 mit dem VfL Potsdam ins Oberhaus aufstieg und ein Jahr Erstliga-Erfahrung sammelte. Alles in allem eine gut austarierte, effektiv agierende Truppe, die Röhrig, der im Handballverband Mittelrhein groß geworden ist, da beisammen hat.
Klatt kann keine Rückkehrer aus Verletzungen melden, will aber nicht klagen: „Auch wenn wir wieder nur einen kleinen Kader beisammen haben – die Stimmung ist super und ich bin wirklich zufrieden mit den Jungs.“ Somit dürfte auch der Sechs-Tore-Mann aus dem Dresden-Spiel, der am Saisonende scheidende Gabriel Viana, nichts Schwerwiegendes abbekommen haben. Klatt spricht von „20 zu 80 Spielen“, wenn er auf die letzten Begegnungen gegen die Spitzenteams aus der Tabelle schaut. Aber bei den kommenden Aufgaben seien auch mal wieder Spiele dabei, wo sich die Kräfteverhältnisse Richtung 40 zu 60 oder gar 50 zu 50 bewegen. Auch wenn die Liste der Rekonvaleszenten im Laufe der Saison eher größer als kleiner geworden ist, so hat Klatt mit den Winterneuzugängen Scharnweber und Servos wichtige Alternativen an die Hand bekommen. Einzig beim Thema Spielsteuerung ist immer noch etwas Sand im Getriebe. Wenn nur Julius Fanger und/oder Nico Schnabl die durchaus vorhandenen PS mal auf die Platte bekämen, würden die Männer vom Kindelsberg wohl bei fast jedem der noch ausstehenden Partien für Zählbares in Frage kommen. Über jeden Zweifel erhaben ist momentan das Torhüter-Gespann des TuS Ferndorf. Can Adanir und Filip Baransic bilden quotentechnisch das beste Gespann der Liga. Eine Konstante, auf die Klatt auch in der Hansehalle Lübeck baut.
Samstagvormittag rollt der Mannschaftsbus wieder in heimische Gefilde. Sonntag wird ebenso trainiert wie am Montag. Schon am Dienstag steht das Wiederholungsspiel in Hagen auf dem Programm. Mittwoch wird dann wieder trainiert – ebenso am Donnerstag ; bevor dann kommende Woche Freitag der Traditionsverein aus Nettelstedt-Lübbecke seine Visitenkarte in der Stählerwiese abgibt. Ein mehr als strammes Programm für die TuS-Jungs. Da ist Klatt ganz besonders im Bereich der Belastungssteuerung gefragt. Freuen tut sich der Coach jedenfalls schon im Vorfeld auf die Unterstützung in Lübeck: „Das war bereits letztes Jahr fantastisch, als man über sechzig Minuten hinweg die Ferndorfer im linken oberen Eck der Halle lautstark gehört hat!“ Es sollen wieder mehrere Dutzend sein, die sich angekündigt haben. In der Kategorie Auswärtsfans dürfte dem TuS Ferndorf somit ein Spitzenplatz sicher sein. Siegerländer, Wittgensteiner, Sauerländer und Oberberger die alle zwei Wochen mit ihrem Team durch die Republik reisen – so viele kommen von den meisten Teams nicht einmal annähernd mit in Kreuztals beste Stube. Doch ganz egal wo am Freitagabend mitgefiebert wird. Ob live vor Ort, beim Streamingdienst DYN oder nur im Herzen. Überall heißt es dann wieder: Scream for your team - mit der #familieferndorf, mit der #familietus!
Gegner: VfL Lübeck-Schwartau
Einwohner Lübeck: 219.000 (zum Vergleich: Ferndorf = 3.900)
Heimspielstätte: Hansehalle – 3.200 Zuschauer Fassungsvermögen
Trikotfarbe: blau-weiß
größte Erfolge: viermaliger Aufstieg in die 1.Handball-Bundesliga, Gewinn des DHB-Pokals als SG VfL Bad Schwartau







