Desolate erste Halbzeit verhagelt die Chance auf Zählbares

Aber der Reihe nach. Von Beginn an standen die Gastgeber auf dem Gaspedal, währenddessen die TuS-Jungs ein ums andere Mal ins Zeitspiel mussten. Doch zwei schöne Tore von Marvin Mundus und Julius Fanger sorgten für ein 2:2 nach sechs Minuten. Dabei war die Passqualität im Ferndorfer Angriff alles andere als zufriedenstellend. Letztes Highlight für lange Zeit war ein Anspiel Fangers hinter dem Rücken auf den eingelaufenen Josip Eres - gleichbedeutend mit dem 4:3 in der 9.Minute. Wenn bis dahin das Ferndorfer Spiel noch einigermaßen lief, gerät es danach immer mehr ins Stocken. Angeführt von den beiden starken Rückraumakteuren Frieder Bandlow und Björn Zintel kamen die Männer aus der Grafschaft Bentheim nun mehr und mehr ins Tempospiel. Den Michel & Co. gelang es kaum noch, die gastgebende HSG ins Positionsspiel zu Zwingen. „Wir haben keine Unterstützung der Torhüter, aber die Abwehr hilft ihnen auch nicht“ - Klatt sah nun, wie die Niedersachsen Tor um Tor davonzogen. Über 8:5 stellten die Bult-Mannen auf 11:6 (18.). Da half weder eine frühe Auszeit des Ferndorfer Trainers, noch ein wunderschönes Tor vom wieder einsatzfähigen Nico Schnabl, der am Ende ein Lob vom Coach erhielt für ein gelungenes Comeback. Filip Baranasic löste Can Adanir nach einer Viertelstunde im Tor ab. Und hielt den ein oder anderen Ball. Auf der anderen Seite stand allerdings ein Däne im Nordhorner Tor, der nach gut zwanzig Minuten eine Quote von 50% gehaltener Bälle hatte – Kristian van der Merwe. So war es nicht verwunderlich, dass sich die Kommentatoren bei DYN fragten, ob dass die beste Halbzeit ihrer HSG in dieser Saison war. Und diese Frage beantworteten Beide mit Ja. Ferndorf war ohne die nicht einsatzfähigen Hampus Dahlgren, Daniel Hideg und Gabriel Viana, die sich zu den anderen Ausfällen gesellten, ein Stück weit auf verlorenem Posten. Über 14:8 (25.) und 16:8 (29.) endete diese desolate erste Hälfte mit dem Halbzeitstand von 17:8.
Ein Fanger-Tor, ein tolles Anspiel Julius Meyer-Sieberts auf den wieder einmal stark aufspielenden Valentino Duvancic und ein verwandelter Siebenmeter von Tom Jansen. Innerhalb von 110 Sekunden stellten die Männer vom Kindelsberg auf 17:11. Es keimte Hoffnung auf. Vor allen Dingen bei den rund zwanzig mitgereisten Fans, die ihr Team über die volle Distanz eindrucksvoll unterstützten. Klatt war von der Reaktion der Seinen restlos begeistert: „Ich habe in der Halbzeit an unsere Tugenden appelliert. Den Jungs die Frage gestellt, wie sie wahrgenommen werden wollen. Und daraufhin haben sie eine grandiose Reaktion gezeigt. Bravourös Tempo gespielt und Nordhorn-Lingen trotz Mini-Kader vor Aufgaben gestellt.“ Es trieb seltsame Blüten. Denn selbst Kreisläufer Lukas Süsser traf auf einmal von der Linksaußen-Position, die über den Großteil der Distanz von Mattis Michel bekleidet wurde. 20:15 lautete der nächste Zwischenstand in der 38.Minute. Dazu hatte der Lange, Julius Meyer-Siebert, drei Tore und fünf Assists beigesteuert. Insbesondere die Vorlagen Meyer-Sieberts und seine aufopfernde Abwehrarbeit im Innenblock werden oftmals übersehen und man reduziert den Mann mit der Nummer Fünf nur auf die selbst erzielten Tore, was im modernen Handball eine falsche Betrachtungsweise darstellt. Die wilde Fahrt in Hälfte Zwei ging jedenfalls weiter für die TuS-Equipe. In der Halle konnte man immer wieder die lautstarken TuS-Fans vernehmen, während die Michel & Co. das Euregium leiser und leiser spielten. Über ein 22:18 (42.) knabberte man Stück für Stück am Nordhorner Vorsprung. Beim 23:20 eine Viertelstunde vor Schluss war man nach einer halben Stunde endlich wieder in Schlagdistanz. Nordhorns Coach Mark Bult hatte in einer Auszeit „konsequentere Deckungsarbeit und einen besseren Rückzug“ gefordert. Und nach und nach stellte man auf Seiten der Hausherren wieder einen stabileren Deckungsverbund. Nordhorns niederländischer Junioren-Nationalspieler auf Rechtsaußen, Kyan van Berlo, netzte nun ein ums andere Mal sehenswert. Doch wenn am Freitagabend eines wieder mal zutraf, dann der Spruch: Siegerländer geben niemals auf! Jansen warf gute Siebenmeter und der wieder zurückgekehrte Adanir bekam auch wieder eine Hand an den Ball. Auf drei Tore kamen die Klatt-Mannen immer wieder heran. Doch mehrere Chancen, auf zwei Tore zu verkürzen und bei den Gastgebern die Psyche ins Spiel zu bringen, gelang den Michel & Co. nicht. Symptomatisch für die Kleinigkeiten die dann am Ende gefehlt haben, ein Wurf Adanirs aufs verwaiste Tor der Gastgeber. Statt dem Torerfolg Ferndorf, geht der Ball knapp vorbei und im Gegenzug fällt ein Tor. 28:24 statt 27:25 in der 56.Minute. In diesem Moment war klar, dass man bei der hochgehandelten HSG, die im Gegensatz zum TuS über eine prall besetzte Auswechselbank verfügte, am Ende den Kürzeren ziehen würde. Zu groß war die Hypothek der desolaten ersten Halbzeit. Doch man konnte einiges wieder gerade rücken. Zum Beispiel die Tatsache, dass man eine Ferndorfer Mannschaft erst besiegt hat, wenn in der Dusche das Wasser angeht. Denn bis zum Schluss glaubten die Rot-Weißen immer noch an ihre Chance. Am Ende gelangen den Gastgebern noch zwei Tore in den letzten dreißig Sekunden, so dass am Ende ein 32:28 die Anzeigetafel zierte.
Hideg und Viana könnten am kommenden Wochenende wieder dabei sein. Das wäre immens wichtig, stellt sich doch am Samstagabend um 19:30 Uhr der Tabellenfünfzehnte aus Ludwigshafen in der Stählerwiese vor. Es beginnen die Wochen der Wahrheit und Klatt möchte, dass eins auch am späten Samstagabend Bestand hat: „Ich habe als Trainer noch nie gegen die Eulen verloren. Und das soll auch bitte so bleiben!“ Über die Stimmung ist viel gesprochen, aber noch längst nicht alles gesagt. Wer eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat dass man auf sie bauen kann, sind die beiden Fanclubs. Die haben das Team auch bei neun Toren Rückstand weiter unterstützt und ihren Beitrag zur Aufholjagd geleistet. Am Samstag gibt es Handball endlich wieder zur ursprünglichen Ferndorfer Uhrzeit. Um 19:30 Uhr wird der Hexenkessel angezündet sein. Dann wollen die Michel & Co. den zweiten Heimsieg eintüten und die Grundlage für ein stimmungsvolles Nachbarschafts-Derby gegen Hüttenberg, die am 21.Dezember in Kreuztals bester Stube gastieren, legen. Aus diesem Grunde – nur noch drei Mal im Jahre 2025: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!
Fotos: M. Lehmann

























