Der Tabellenführer lässt die Muskeln spielen

Der Beginn des Spiels war schon mehr als ernüchternd. Man hatte sich auf Seiten der Nordsiegerländer so viel vorgenommen. Eine gute Abwehr wollte man stellen, aus der man ins Tempospiel gelangen wollte. Dazu brauchte man gute Torhüter. Doch außer dem hohen Tempo ließ die TuS-Equipe alles andere vermissen. Im Angriff ließ man beste Chancen liegen und zum Abwehrspiel kam man kaum, da der Tabellenführer aus Bietigheim den Klatt-Mannen kaum Zeit zum Atmen gab. So musste auch der Kapitän, Mattis Michel, nach dem Spiel konstatieren: „Wir sind gar nicht erst in unsere 6:0 Deckung gekommen, und konnten damit unseren Torhütern auch nicht helfen.“ Der Spielmacher der Gastgeber, Rechtshänder Juan de la Pena, traf wortwörtlich mit links zum 3:1. Und während eine Tempowelle nach der anderen auf das Ferndorfer Tor zurollte, und der bedauernswerte Filip Baranasic auf verlorenem Posten stand, war sein Gegenüber Martin Tomovski von Beginn an auf Betriebstemperatur. So stand es nach fünf Minuten 6:2 und Tomovski hatte schon vier, teils spektakuläre, Paraden auf dem Zettel. Beim 11:5 in der 13.Minute nahm Klatt seine erste Auszeit. Bis dahin hatte die SG Bietigheim fast alle ihre Tore aus der ersten oder zweiten Welle erzielt. Man musste Befürchtungen hegen, dass die Zahl der Gegentore am Ende weit über 40 liegen könnte. Die ganz in Rot gekleideten Gastgeber hatten einen guten Rückzug, spielten mit viel Tempo aus einer gut organisierten Abwehr und hatten einen starken Rückhalt im Tor. Also genau die Attribute, mit denen eigentlich die Klatt-Mannen aufwarten wollten. Die Auszeit brachte keine Veränderung. Nach einer Viertelstunde stand ein 14:6 auf der Anzeigetafel. Doch es gab auch Positives zu vermelden. Denn zum einen machten die Auswärtsfans, trotz des hohen Rückstands, immer wieder lautstark auf sich aufmerksam und stärkten ihrem Team den Rücken. Und zum anderen ist Tom Jansen wieder da. Der niederländische Nationalspieler stellte sich in den Dienst der Mannschaft und löste nach einer Viertelstunde den glücklosen Marvin Mundus ab. Und so langsam beruhigte sich die Gemengelage. Tom Jansen und Soeren Servos gaben dem Angriffsspiel einen anderen Impact und in der Abwehr gelang es nun zumindest immer häufiger mal, die Süddeutschen ins gebundene Angriffsspiel zu zwingen. Der Abstand hatte sich bei acht Toren stabilisiert. Und in der 22.Minute, beim Stand von 17:9, gelang es zum ersten Mal, Bietigheim ins Zeitspiel zu zwingen. Klatt hatte viel gewechselt und alles probiert. Doch kein Wechsel fruchtete nachhaltig. Tomovski hielt inzwischen knapp fünfzig Prozent aller auf seinen Kasten abgefeuerten Würfe. Michel verkürzte eine Minute vor der Halbzeitsirene auf 21:14. Kühne Optimisten holten schon den Rechenschieber raus. Doch ausgerechnet der in der Ferndorfer Jugend mit ausgebildete Maxim Orlov traf zum 22:14, ehe Daniel Hideg mit der Halbzeitsirene auf 22:15 verkürzte.
Es waren nur noch sieben Tore und die ganz in Weiß spielenden TuS-Jungs wollten sich nach einer langen Anreise nicht einfach so ergeben. Servos ging vorne weg und sorgte mit seinen Aktionen immer wieder für Tiefe im Spiel. In der 35.Minute war man beim 26:20 auf sechs Tore herangekommen. Die Achse Hideg/Michel funktionierte, doch der Gastgeber zog sofort wieder die Zügel an. Mit einem 5:0 Lauf zogen die Bietigheimer dann auf 31:21 davon. Somit war das Spiel in der 42.Minute eigentlich schon entschieden. Es ging darum, sich in der verbleibenden Spielzeit nicht vorführen zu lassen und die Tordifferenz im Blick zu behalten. Denn schon 2022 musste die TuS-Equipe aufgrund des schlechteren Torverhältnisses den Abstieg in die Drittklassigkeit hinnehmen. Das soll tunlichst nicht noch einmal passieren. Doch der Top-Aufstiegskandidat blieb erst einmal noch auf dem Gaspedal. Man musste weiterhin befürchten, am Ende weit über vierzig Gegentore zu kassieren. Die Flut an Treffern nahm dann aber rapide ab. Klatt steuerte mit einer weiteren Auszeit gegen und nach dem 34:22 (49.) gestalteten die Jungs vom Kindelsberg das Spiel bis zum Ende ausgeglichen. Mundus schraubte noch an seiner Quote und netzte in den Schlussminuten drei Mal. Bietigheim hatte erneut seine größten Stärken ausgespielt. Alle Spieler hatten in etwa gleich oft getroffen – der Star ist das Team. Und da man im Süddeutschen nächste Saison aller Wahrscheinlichkeit nach eine Liga weiter oben reüssiert, sollte der TuS Ferndorf diese Niederlage auch nicht allzu hoch hängen. Am Ende zierte eine 39:28 Niederlage die Anzeigetafel in der mit 2356 Zuschauern gefüllten EgeTrans Arena.
Festzuhalten bleibt, dass die Fans ein Faustpfand sind im Abstiegskampf der zweiten Liga. Auch beim Stand von 36:24 hörte man noch Ferndorf-Sprechchöre. Jetzt steht ein spielfreies Wochenende auf dem Programm. Die Spieler fahren kurz in die Heimat, um Zeit mit ihren Liebsten zu verbringen. Und den Fokus zu richten auf die nächste schwere Aufgabe. Denn die steht am 28.März um 18 Uhr auf dem Programm, wenn sich der aktuelle Tabellenzweite, die HBW Balingen-Weilstetten, in der Stählerwiese vorstellt. Heimspiel, Hexenkessel im Rücken – kaum vorstellbar, dass die TuS-Equipe ähnlich chancenlos ist wie in Bietigheim. Deshalb auch nochmal der Aufruf an die besten Fans der Liga. Schnappt Euch noch die wenigen Sitzplatz-Billets in Kreuztals bester Stube. Und dann heißt es Ende März: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!
Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Mattis Michel (6), Soeren Servos (6), Marvin Mundus (5), Daniel Hideg (4), Josip Eres, Julius Fanger, Tom Jansen (je 2), Gabriel Viana (1), Can Adanir, Filip Baranasic, Hampus Dahlgren, Valentino Duvancic, Nico Schnabl, Philip Würz
Fotos: SG BBM Bietigheim / HBL










