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Der Ausgleich wollte am Ende nicht mehr fallen

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Die Hallensportarten gewinnen wieder an Bedeutung - ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich der Sommer dem Ende entgegen neigt. Und die 2.HBL scheint genau da weiter zu machen, wo sie im Frühsommer aufgehört hat. Verrückte Platzierungen in der Tabelle. Enge, kaum vorherzusagende Spielausgänge und reichlich Überraschungen. Rund um den Kindelsberg war man frohen Mutes, aufgrund des Auftaktprogramms, erfolgreich in die Saison starten zu können. Nun stehen die Klatt-Mannen nach einer Derby-Niederlage, gegen einen ausgesprochen starken Gegner aus Hagen, mit 3:3 Punkten im Mittelfeld der Tabelle. Man kann sich nicht so recht entscheiden – es ist weder Fisch noch Fleisch. Wohin die Reise der Siegerländer geht, wird sich wohl in den nächsten beiden Partien zeigen, wenn man zum Aufsteiger nach Oppenweiler/Backnang reist und anschließend den traditionsreichen TV Großwallstadt in der Stählerwiese empfängt.

Hallensprecher Kai Brückmann machte es kurz und knapp – die Stählerwiese war ausverkauft. Leider konnte selbige nicht den Zauber aus dem Vorjahr entfachen. Und das, obwohl von Beginn an Pfeffer in der Partie war. Gabriel Viana wurde nach nicht einmal sechzig Sekunden auf die Strafbank geschickt. Nachdem dem Kapitän des TuS, Mattis Michel, es nicht gelungen war den Torreigen zu eröffnen, fasste sich Marvin Mundus ein Herz. Die drei ersten Treffer der Mannen in Rot gingen auf das Konto des gebürtigen Lengerichers. Gehörigen Anteil an der ersten Führung, beim 4:3 in der 8.Minute, hatte Keeper Can Adanir. Bereits in den ersten Minuten kaufte er den Schwarz-Gelben Würfe von Außen und aus dem Rückraum ab. „Ferndorf hat in der Abwehr sehr gut verschoben, mit einem guten Torhüter dahinter“, war auch Hagens Coach Pavel Prokopec voll des Lobes für den Ferndorfer Abwehrverbund. Wobei der Mann auf Ferndorfs Kommandobrücke, Ceven Klatt, mit ebendieser Abwehrperformance haderte: „In der ersten Halbzeit haben wir wenig Zugriff und kassieren zu viele Gegentore!“ Man hatte das Gefühl, den Michel & Co. bekam die Führung nicht. Denn nach dem 6:5 Kracher des mum heißgelaufenen Mundus in der 11.Minute ging es erst einmal in die andere Richtung. Die Grün-Gelben übernahmen die Führung und bauten selbige auch aus. Den Männern aus dem handballverrücktesten Dorf des Siegerlandes fehlte eine ordnende Hand auf dem Feld. Nico Schnabl, der einsatzbereit gewesen wäre, hatte im Training einen Schlag auf die alte Verletzung bekommen und musste passen. So lag die Hauptlast der Regieführung bei Julius Fanger, der zwischendurch von Hendrik Stock entlastet wurde. Beim 7:10 (16.) war die Prokopec-Sieben erstmals auf drei Tore enteilt. Grund genug für Klatt, seine Jungs zum ersten Mal zu einer Auszeit zu bitten. Und die Gemengelage änderte sich auch wieder. Daniel Hideg mit zwei wichtigen Toren, dazu eine schöne Kombination über Jansen, Stock und den Torschützen Viana – beim 11:12 in der 21.Minute hatten die Rot-Weißen wieder Morgenluft geschnuppert. Fallen wollte der Ausgleich aber nicht. Im Gegenteil – mit einer immer wieder in anderen Abwehrformationen agierenden Hagener Mannschaft hatten die Ferndorfer so ihre Probleme. Ob 6:0, 5:1, 4:2 oder 3:3  - die Grün-Gelben spielen in dieser Saison auf Knopfdruck ihre einstudieren Abwehrformationen und stellen den Gegner vor immer wieder neue Aufgaben. Damit zogen die Gäste wieder bis auf 14:17 davon, was gleichbedeutend mit dem Halbzeitstand war.

„Mit der Phase vom 11:12 in der 21.Minute bis zum 15:19 in der 36.Minute bin ich nicht zufrieden“, konstatierte Klatt, schob aber nach, dass „wir danach mit viel Emotionen, Kampf und Leidenschaft wieder zurückgekommen sind“. Co- und Torwarttrainer Jannis Michel, der aktuell den noch verletzten Jonas Wilde im Tor vertritt, war es dann vorbehalten, die Stählerwiese erstmals anzuzünden. Mit seiner ersten Aktion nahm er Hagens, bis dahin humorlos vom Strich verwandelnden, Hakan Styrmisson einen Siebenmeter weg. Was sich in Halbzeit Zwei allerdings nahtlos fortsetzte war das Aluminium-Pech der Klatt-Mannen. Unzählige Bälle gingen an Pfosten, Innenpfosten oder Latte. Hagen hatte mit Pouya Norouzinezhad einen Denker, Lenker und Entscheider auf dem Platz, den man im rot-weißen Trikot so schmerzlich vermisste. Schnabl wäre in vielen Situationen hierfür der richtige Mann gewesen. Alle Ferndorfer Daumen sind gedrückt, dass er schon in O./Backnang wieder das Trikot überstreifen kann. Beim von Klatt angesprochenen 15:19 hatte Hagen per Tempogegenstoß die Chance, erstmalig auf fünf Tore zu enteilen. Doch der Ferndorfer Zerberus Adanir entschärfte Pierre Buschs Versuch, mit dem berühmten Hans-Lindberg-Signature-Move zu treffen. Und mit dieser Aktionen packte Ferndorf wieder die Tugenden aus, die sie in der letzten Saison so ausgezeichnet hatten. Aufopferungsvolles Abwehrspiel mit viel Bewegung und vorne mit hoher Effektivität abschließen. So knabberte man Stück für Stück vom Hagener Vorsprung ab. Über 18:20 (39.) war es zwei Mal Fanger, der für den 20:20 Ausgleich in der 44.Minute sorgte. Als dann auch noch, in Unterzahl da Valentino Duvancic eine Zeitstrafe absaß, Lukas Süsser für die erste Führung seit dem 6:5 sorgte, musste man ernsthaft Sorge um die Statik der altehrwürdigen Stählerwiese haben. Adanir war der Emotionalste auf Ferndorfer Seite und warf immer wieder gestenreiche Brandbeschleuniger ins Publikum. Die Gäste bekamen ein ums andere Mal Stürmerfouls abgepfiffen, was Prokopec nicht kritisieren wollte, aber dennoch augenzwinkernd zu Protokoll gab, sich das in der Wiederholung nochmal ansehen zu wollen. Leider verpassten es die Michel & Co. das Momentum der Führung für sich zu nutzen. Hagen drehte die Partie zum 21:23 (48.) und man hatte das Gefühl, die Grün-Gelben wussten in fast jedem Ferndorfer Angriff was da auf sie zukommt. Beim 23:25 in der 53.Minute nahm Klatt seine dritte Auszeit. Doch zwei Dinge sollten sich bis zum Schluss nicht mehr ändern. Zum einen war das Aluminium an diesem Abend nicht mit der TuS-Equipe im Bunde. Und zum anderen agierte Eintracht Hagen im Stile eines Spitzenteams. Und dennoch, unverhofft kommt oft – mit dem letzten Angriff des Spiels hatten die aufopferungsvoll kämpfenden Michel & Co. die Chance auf den Ausgleich. Ein Punkt des Willens wäre es gewesen - kein glanzvoll erspielter Punkt. Aber Fortuna hatte am Samstagabend, in der mit 1400 Zuschauern ausverkauften Stählerwiese, kein rot-weißes Trikot an. Julius Meyer-Siebert scheiterte mit einem letzten Wurfversuch.

Mund abwischen und nach vorne schauen. Auch wenn Derby-Niederlagen besonders weh tun, gilt es den Blick auf die nächste Aufgabe zu werfen. An den nächsten Gegner hat der TuS Ferndorf beste Erinnerungen. Mit einer gehörigen Portion Respekt im Gepäck war man am 30.Mai 2024 zum ersten Play-Off Aufstiegsspiel ins Murrtal gereist. In der proppenvollen, und gefühlt vierzig Grad warmen Gemeindehalle, legten die Siegerländer mit einem 31:34 Auswärtssieg den Grundstein für den Aufstieg. Ein Jahr später folgten dann die sympathischen Baden-Württemberger dem TuS in Liga Zwei. Nun duelliert man sich am Samstagabend um 18:00 Uhr in der neu erbauten Murrtal-Arena beim ersten Aufeinandertreffen in Liga Zwei. Genügend Zeit für Klatt, seine Jungs wieder aufzurichten, damit im Süden der Republik eine neue Serie gestartet werden kann. Zählen können die Rot-Weißen dabei ganz sicher auch wieder auf lautstarke Unterstützung. Damit es durch O./Backnang schallt: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!

Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Josip Eres (6/3), Marvin Mundus, Julius Meyer-Siebert (je 4), Julius Fanger, Daniel Hideg (je 3), Gabriel Viana (2), Valentino Duvancic, Tom Jansen, Mattis Michel, Hendrik Stock, Lukas Süsser (je (1), Can Adanir, Hampus Dahlgren, Jannis Michel
 


Fotos: RGR TuS Ferndorf / A. Domian

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