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Den Schwung aus Potsdam mit ins Heimspiel nehmen

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Der Blick in den Rückspiegel – beim Autofahren unerlässlich, beim Profisport oft hilfreich fürs Selbstwertgefühl wenn man selbigen ignoriert. Doch auf den letzten Samstag können die Michel & Co. stolz zurückblicken. Einen hochverdienten Punkt entführte man beim Spitzenteam aus Potsdam. Und nicht wenige hatten den TuS Ferndorf über die sechzig Minuten sogar als das bessere Team ausgemacht. Doch schon zu Beginn der Woche richtete sich der Fokus auf die nächste Mammutaufgabe in der Stählerwiese. Der Tabellendritte aus Dresden ist zu Gast. Vier Punkte und das bessere Torverhältnis haben die Siegerländer Handballer Vorsprung auf die Abstiegsränge – die HSG Krefeld, derzeit auf dem ersten Abstiegsplatz geführt, bekommt es in sieben der letzten acht Spiele mit Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte zu tun. Die Vorfreude, beim Saisonabschluss am 6.Juni ein weiteres Jahr Zweitklassigkeit zu feiern, wird beim TuS Ferndorf allmählich wieder größer.

Auf der Verfolgung des Zweitplatzierten HBW Balingen/Weilstetten, den heißen Atem des Verfolgers Eintracht Hagen im Nacken und das Auswärtsspiel beim TuS Ferndorf vor der Brust. Die Mannen aus Sachsens Landeshauptstadt haben Druck. „Sie werden maximal konzentriert und motiviert zu Werke gehen“, meint TuS-Chefcoach Ceven Klatt. Wobei Ferndorf fast schon Dresdens letzte Ausfahrt ist. Viele Ausrutscher darf sich das Team von Chefcoach André Haber, der in Leipzig Erstligaerfahrung gesammelt hat, nämlich nicht mehr erlauben. Zu sehr waren die Niederlagen in Nordhorn und N.-Lübbecke im März echte Einschläge ins Kontor. „Die Verletzungen machen sich beim HC Elbflorenz bemerkbar. Im Angriff sind sie trotzdem stark. Mit einem ganz starken Kreisläufer-Duo und dem türkischen Nationalspieler Doruk Pehlivan, der viel Verantwortung übernimmt“, weiß Klatt genau, welch schwere Aufgabe am Freitagabend auf die Seinen wartet. Beim Thema Verletzungen spricht der TuS-Coach die Langzeitausfälle von Ivar Stavast, vor allen Dingen aber die von Timo Löser an, der schon im Dessau-Trikot Torschützenkönig der 2.Liga und Garant für einfache Tore aus dem Rückraum war. Neben Pehlivan ist es der Denker und Lenker im Dresdner Spiel, Sebastian Greß, auf dem nun noch mehr Last liegt. Doch damit weiß die Vereinsikone, die seit nunmehr elf Jahren das schwarz-goldene Trikot trägt, umzugehen. Im Tor der Gäste steht mit Marino Mallwitz ein alter Weggefährte von Klatt. „Marino ist unter meinen Fittichen leistungstechnisch explodiert“, sagt der Ferndorfer Coach augenzwinkernd, und denkt dabei gerne an die Zeit bei den Rimparer Wölfen zurück, als Mallwitz, der nun auch schon vier Jahre in Dresden unter Vertrag ist, mit herausragenden Quoten weit jenseits der 30% glänzen konnte.

„Uns steht der gleiche Kader zur Verfügung wie am vergangenen Spieltag“ - Klatt muss weiterhin improvisieren, da sich auch an diesem Spieltag Hampus Dahlgren und Valentino Duvancic zu den Langzeit-Ausfällen dazugesellen. Da das 18-jährige Nachwuchstalent aus dem eigenen Stall, Max Löher, aufgrund DHB-Regularien nur noch ein Spiel für die Zweitliga-Mannschaft absolvieren darf, bewahrt sich Klatt diese Patrone für den weiteren Saisonverlauf auf. Wie gut, dass die Verantwortlichen in der Winterpause reagiert und Finn Scharnweber und Soeren Servos dazugeholt haben. Scharnweber, in Potsdam Top-Torschütze mit acht Toren aus acht Versuchen, ist bis 2028 vertraglich in Kreuztal gebunden. Auch Servos hätte nichts gegen weitere Spiele im TuS-Trikot einzuwenden, was auch Klatt nochmal verdeutlicht: „Soeren fühlt sich wohl. Und ich würde mich über eine weitere Zusammenarbeit sehr freuen!“ Konnte man in den ersten Jahren der gemeinsamen Zweitklassigkeit kaum einmal Land sehen gegen den HC Elbflorenz, so hat sich dieser seit dem Wiederaufstieg zu einer Art Lieblingsgegner entwickelt. Gegen das Topteam von der Elbe blieb die TuS-Equipe in den letzten drei Spielen unbesiegt. In der Dresdner BallsportArena trennte man sich zwei Mal schiedlich, friedlich unentschieden. In der Stählerwiese siegte man vor ziemlich genau einem Jahr 24:21. Eine gute Abwehr wird auch am Freitagabend vonnöten sein, was auch Klatt nochmal unterstreicht: „Wir wollen ähnliches Schaffen wie in Potsdam. Dafür müssen wir Dresden aber zwingend unter dreißig Tore halten!“

Hoffentlich sind alle TuS-Fans gut aus Potsdam wieder in die Heimat zurückgekehrt. Und hoffentlich sind alle am Freitagabend in der Halle. Denn diese herausragende Unterstützung ist es, die den TuS Ferndorf, seines Daseins als Dorfverein zum Trotz, zu einer echten Größe in der 2.HBL macht. Nicht viele Vereine bekommen eine solch zahlenmäßige und lautstarke Unterstützung hin, wie die Fans des TuS. Aber dieser Schulterschluss ist es auch, der hinten raus das Zünglein an der Waage sein kann. Wenn das Unparteiischen-Gespann Lukas Schwarzmeier und Béla Stewen zum Anwurf pfeift, wird Kreuztals beste Stube wieder zum Hexenkessel und die Fans zum achten Mann. Deshalb der Aufruf an alle handballbegeisterten Siegerländer: raus aus dem Sofa, ran an die letzten Tickets. Mit der #familieferndorf, #familietus: Scream for your team !!

Gegner: HC Elbflorenz
Einwohner Dresden: 564.900 (zum Vergleich: Ferndorf = 3.900)
Heimspielstätte: Ballsport Arena Dresden – 2.581 Zuschauer Fassungsvermögen
Trikotfarbe: schwarz-gold
größte Erfolge: Aufstieg in die 2.Liga 2017, DHB-Pokal Achtelfinale 2025

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