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Das Südwestfalen-Derby steht vor der Tür 

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Derby – eine Begrifflichkeit, die sich aufgrund der verschwenderischen Verwendung fast schon abgenutzt hat. NRW-Derby hier, Nachbarschaftsderby da. Dabei gibt es in Liga Zwei für den TuS Ferndorf eigentlich nur ein echtes Derby. Und das ist das gegen den VfL Eintracht Hagen.

Blickt man allerdings drei, vier Jahrzehnte zurück, war es dass auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Denn während die Hagener beispielsweise 1992 nur hauchdünn am Bundesliga-Aufstieg scheiterten, spielte der TuS Ferndorf mit Spielern aus den eigenen Reihen, resp. aus der Region, in Verbands- und Oberliga. Inzwischen begegnen sich beide Vereine auf Augenhöhe, wobei gar nicht selten die ganz alten Haudegen von Feldhandball-Zeiten schwärmen, in denen sowohl auf den Sportplatz an der Rehstraße in Hagen, wie auch an den Sportplatz Rosenkamm in Ferndorf oft zigtausende Zuschauer pilgerten. 


Die weiße Wand wurde er letzten Sonntag genannt. Pascal Bochmann, Torhüter bei der Hagener Eintracht, machte in Nordhorn ein außergewöhnliches Spiel. Über 52% gehaltener Bälle und zum zweiten Mal in dieser Saison ein HPI-Wert von 100. Dabei steht der 23-jährige erst am Beginn seiner Karriere. „Das war schon ein beeindruckender Sieg in Nordhorn“, befand auch Ferndorfs Chefcoach Ceven Klatt und schob gleich hinterher: „Neben Bochmann haben sie in Hagen überragende Einzelkönner im Rückraum.“ Dabei stechen sofort die beiden Halbspieler ins Auge. Pouya Norouzinezhad auf der linken, Jan von Boenigk auf der rechten Seite. Orchestriert wird das grün-gelbe Ensemble vom erst 20-jährigen Linus Kutz, den die Hagener vor der Saison vom THW Kiel holten. Damit bei soviel Offensivpower die nötige Stabilität im Abwehrverbund gegeben ist, gibt der 41-fache, in Hagen-Hohenlimburg geborene Ex-Nationalspieler Niclas Pieczkowski, immer noch den Abwehrchef. Apropos Abwehr – die ist ein Prunkstück der freitäglichen Gastgeber. Sie sind in der Lage, ihre Systeme quasi auf Knopfdruck zu ändern. Aus einer 6:0 wird dann eine 5:1 oder 3:2:1 Deckung. Die auch Klatt lobt: „Eine sehr bewegliche Abwehr. Mit ihrem 5:1 zwingen sie fast jeden Gegner ins Sieben gegen Sechs. Dafür erarbeiten wir uns taktische Lösungen. Neben dem erwähnten Sieben gegen Sechs auch die Variante mit vier Rückraumspielern. Wir müssen dann schauen, was am Spieltag am besten passt.“ Da die Tormaschine auf Linksaußen, und gleichzeitig überragender Siebenmeterschütze, Hakon Styrmisson, die Hagener auf eigenen Wunsch zum Ende des vergangenen Jahres verlassen hat, sind die Grün-Gelben noch auf der Suche nach dem neuen Schützen vom Strich. Wahrscheinlich fällt die Wahl auf Rechtsaußen Pierre Busch, der von Außen sehr variantenreich reüssiert.


„Gegen Dormagen machen wir zu viele technische Fehler. Das müssen wir gegen Hagen besser machen“ – auch wenn die Stimmung, nach dem von Klatt so titulierten „punktetechnisch perfekten Start in die Rückrunde“ gelöst war, legte der Coach den Finger in die Wunde. Denn man wolle „nach Hagen fahren, um auch da was mitzunehmen“. Und um das zu schaffen, bedarf es nicht nur der Reduktion der technischen Unzulänglichkeiten. Denn Kampf, Wille, Emotionen und Leidenschaft werden auch am Freitagabend unersetzliche Softskills sein, um in der Ischelandhalle erfolgreich zu sein. Zur Verfügung steht Klatt dafür der gleiche Kader wie im Heimspiel gegen Dormagen. Also leider ohne die Halbspieler Tom Jansen und Julius Meyer-Siebert. Hampus Dahlgren laboriert noch an den Nachwehen eines grippalen Infekts. Inwieweit er zur Verfügung steht, wird man am Spieltag sehen. Sicher dabei sind die beiden Youngsters: Finn Scharnweber und Sören Servos, die ihre Sache letzten Freitag gut gemacht haben. Gut gemacht und stark verbessert zeigte sich der TuS in den ersten beiden Rückrundenspielen vor allen Dingen beim Thema Effizienz. Die Wurfquote der beiden Halbspieler Daniel Hideg und Marvin Mundus zeigte steil nach oben. Und wenn dann auch noch Julius Fanger, einer der Derby-Helden aus der Vorsaison, so groß aufspielt wie im Dezember 2024, dann könnte eventuell was gehen für die Jungs in Rot und Weiß. „Wir waren in der Hinrunde in vielen Spielen nicht die schlechtere Mannschaft. Und auch gegen Hagen sahen wir im Hinspiel lange gut aus“, nimmt Klatt die Leistung aus dem September als Mutmacher mit auf den Weg die A45 hoch. 


Diese Strecke wird am Freitagabend nicht nur der Mannschaftsbus des TuS Ferndorf ansteuern. Denn aus dem nördlichen Siegerland wird sich auch ein Fanbus auf den Weg machen. Zudem haben sich viele Privat-PKW mit Fahrgemeinschaften angekündigt. Es darf also durchaus wieder von einer rot-weißen Faninvasion in Hagens Handballtempel ausgegangen werden. Und insbesondere wenn sich zwei Teams auf Augenhöhe duellieren, kann genau diese Unterstützung das Zünglein an der Waage sein. So oft haben in der Vergangenheit die TuS-Fans aus Auswärtsspielen stimmungstechnisch ein Heimspiel gemacht. Und so heißt es hoffentlich am Freitagabend um 20 Uhr aus zahlreichen Kehlen: Live dabei sein und die Rot-Weißen im Abstiegskampf der zweiten Liga unterstützen: Scream for your team – mit der #familieferndorf, mit der #familietus !


WISSENSWERTES
Gegner:   VfL Eintracht Hagen
Einwohner Hagen: 190.400 (zum Vergleich: Ferndorf = 3.900)
Heimspielstätte: Ischelandhalle – 3.145 Zuschauer Fassungsvermögen
Trikotfarbe: grün-gelb
größte Erfolge:   vier Aufstiege in die 2.HBL, Sieger der Staffel Mitte 2.HBL 1992

 

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