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Bittere Derby-Niederlage für den TuS Ferndorf

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Es kennt sie jeder – diese Tage, an denen man irgendwann denkt: Das ist jetzt ein gebrauchter Tag, kann der bitte weg? Und so wie man sich so etwas im privaten Bereich ab und an wünscht, ist das auch im sportlichen Bereich nicht anders. 36 Minuten lang funktionierte der Matchplan der TuS-Jungs, bis, ja bis ein paar Protagonisten den Faden verloren.

Es kennt sie jeder – diese Tage, an denen man irgendwann denkt: Das ist jetzt ein gebrauchter Tag, kann der bitte weg? Und so wie man sich so etwas im privaten Bereich ab und an wünscht, ist das auch im sportlichen Bereich nicht anders. 36 Minuten lang funktionierte der Matchplan der TuS-Jungs, bis, ja bis ein paar Protagonisten den Faden verloren. Zuvorderst natürlich die Mannen in den roten Trikots. Aber auch das Unparteiischen-Gespann wirkte nicht fehlerlos, was auch Ferndorfs Coach Ceven Klatt in seiner Analyse ansprach: „Ganz klar, dass wir die Fehler zuerst bei uns suchen müssen. Wir haben das Spiel verloren. Aber da sind einige wichtige Entscheidungen dabei, wie der harte Gesichtstreffer gegen Mattis Michel und die angeblichen Schritte bei Julius Fangers Tor zum vermeintlichen 20:19 Anschlusstreffer, die sind nicht okay. Insgesamt kassieren wir acht Zeitstrafen, von denen drei, vier Zeitstrafen wirklich sehr diskutabel sind!“

Doch der Reihe nach. Der Gästeblock in der Hagener Ischelandhalle war gut gefüllt. Mehr als 150 Ferndorfer sorgten für echte Derbystimmung, was auch Klatt nochmal zum Anlass nahm, sich dafür explizit zu bedanken: „Super Unterstützung der mitgereisten Fans. 1500 Zuschauer in der Halle, aber man hat unentwegt den Gästeblock gehört!“ Dabei gehörte die Anfangsphase, nach Mattis Michels Tor zum 0:1, klar den Gastgebern. Auf beiden Seiten hatten die Schiedsrichter Schwerstarbeit zu verrichten, denn viele kleine Nickeligkeiten sorgten für ebenso viele Unterbrechungen. Fabian Hecker in der 3.Minute und Daniel Hideg in der 9.Minute – die Rot-Weißen mussten früh in der Partie die ersten Zwei-Minuten-Strafen quittieren, während die Hagener, die ebenso beherzt zupackten wie die Michel & Co., erst in der 20.Minute ihre erste Zeitstrafe kassierten. Schon früh war Klatt also gezwungen, im Spiel Anpassungen vorzunehmen. Das in den ersten Spielen so erfolgreich praktizierte Sieben gegen Sechs konnte nicht entsprechend durchgespielt werden. Diese Rochaden im Ferndorfer System nutzten die Grün-Gelben aus, standen von Beginn an auf dem Gaspedal und hatten beim 4:2 (10.) die erste Zwei-Tore-Führung herausgeworfen. Wer als Zuschauer auf viele Tore gehofft hatte, wurde nachhaltig enttäuscht, dafür waren beide Abwehrreihen zu kompakt. „Wir spielen über sechzig Minuten eine gute Abwehr“, war auch Klatt voll des Lobes über seinen Abwehrverbund. Problematisch war der Spielbeginn für den bis dato überragenden Ferndorfer der Saison, Marvin Mundus. Denn dieser scheiterte in der 10.Minute bereits zum zweiten Mal von der Strafwurfmarke an seinem Ex-Mannschaftskameraden Jonas Wilde, der gegen seine alten Kollegen zur Höchstform auflief. In seiner ersten Auszeit schärfte Klatt nochmal die Aufmerksamkeit der Seinen und wahrlich, es wurde von Minute zu Minute besser auf Ferndorfer Seite. Pouya Norouzinezhad und Juan de la Pena bekam man nun besser in den Griff, so dass Hagen mehr über die Außenpositionen agierte. Ob Sechs gegen Sechs, Sieben gegen Sechs mit zwei Kreisläufern oder auch Sieben gegen Sechs mit vier Rückraumspielern – Hagens Coach Pavel Prokopec hatte sich mit einigen Systemen auf den bisherigen Tabellensechsten vorbereitet. Hagens Halbrechter Jan von Boenigk überrumpelte mit einem Bauerntrick die Ferndorfer Abwehr. Es stand 8:6 in der 22.Minute, doch bereits im übernächsten Ferndorfer Angriff rannte eben jener von Boenigk etwas übermotiviert in Mundus hinein, was die Schiedsrichter mit einer roten Karte quittierten. Das war ein Schlag ins Kontor für die Gastgeber, die einige Minuten brauchten, um sich von diesem Schock zu erholen. Diese Zeit nutzten die Siegerländer perfekt aus. Hideg traf beim 8:9 (24.) zur ersten Ferndorfer Führung. Der Gästeblock stand kopf und in der 28.Minute gab es das nächste Highlight. Josip Eres, langzeitverletzter Rechtsaußen des TuS Ferndorf, übernahm, wie aus früheren Jahren gewohnt, die Verantwortung aus sieben Metern. Der mit Sprechchören gefeierte Eres blieb eiskalt und ebnete den Weg zur 10:12 Pausenführung. Und das, obwohl Wilde das Torhüter-Duell gegen seinen alten Gespannspartner Can Adanir in Hälfte Eins mit 8:4 Paraden für sich entschied. 

„Es war ein sehr umkämpftes, emotionales Spiel“, fasste Klatt es kurz und knapp nach der Partie zusammen. Und es war eine zweite Halbzeit, die in Wellenbewegungen stattfand. Erst ging Ferndorf auf drei Tore weg (10:13, 32.), bevor die Prokopec-Mannen auf 13:14 (34.) verkürzten. Finn Scharnweber, Mattis Michel und Tom Jansen hießen die nächsten Torschützen auf Ferndorfer Seite. Hinten wurde mit einer sehr gut verschiebenden Abwehr Beton angerührt und im Angriff strahlte jede Position Torgefahr aus. Beim 13:17 in der 37.Minute wähnten sich einige Ferndorfer Fans schon auf einer freudetrunkenen Rückfahrt. Doch wie eingangs angesprochen, war die 37.Minute ein  Gamechanger für die Jungs vom Kindelsberg. Hecker traf noch von Außen, ansonsten spielte in den darauffolgenden 15 Minuten nur Hagen. Getragen von einer Welle der Begeisterung pushten sich die Grün-Gelben zu Höchstleistungen, während die Klatt-Mannen auf der Suche nach dem Schalter waren, um das Spiel wieder auf ihre Seite zu bringen. Zu viele technische Fehler und ein famos haltender Wilde brachten Hagen in Front. Zwischen der 37. und 47.Minute mündete das in einem 7:1 Lauf der Hagener. Klatt hatte bei 18:18 (42.) eine Auszeit genommen, doch auch die konnte den Negativ-Flow zunächst nicht stoppen. Als dann das eingangs erwähnte Traumtor Fangers zum 20:19 Anschlusstreffer nicht gegeben wurde, war auch die Moral der Rot-Weißen leicht demoliert. Trotzdem gab man in der Abwehr weiterhin alles. Gute Helfersituationen und Stopfouls sorgten somit für die Möglichkeit wieder heranzuspringen. Immer wieder kam man auf zwei Tore heran, doch die Entscheidungen des Unparteiischen-Gespanns raubten den TuS-Jungs mehr und mehr den Glauben an einen Umschwung. On top wurde in der zweiten Halbzeit auch die mit 1492 Zuschauern gefüllte Ischelandhalle mehr und mehr zum Faktor, trieb die Ihrigen immer wieder lautstark nach vorne. Bei aller Qualität im Hagener Kader – in der ein oder anderen Situation waren die Gastgeber auch ein Stück weit abgezockter. Und natürlich mit einem Teufelskerl im Tor. Wilde, der im Vorfeld auf Social Media die Ferndorfer als „Feind“ bezeichnet hatte, münzte seine Emotionalität in Leistung um und gewann auch die zweite Halbzeit des Torhüter-Duells mit 7:4. „Matchwinner für Hagen ist Jonas Wilde“, zeigte sich Klatt als fairer Verlierer und benannte damit den aus seiner Sicht „größten Unterschied“. Über  21:18 (49.) und 22:20 (54.) war es Hagens Kreisläufer Jungemann, der mit dem 24:21 drei Minuten vor Schluss den Deckel drauf machte. 

„Beide Mannschaften haben heute ihr Herz auf der Platte gelassen“ - Tom Jansen fasste im DYN-Interview die sechzig Minuten aus der Ischelandhalle sehr gut zusammen und analysierte, dass „Hagen es in der Abwehr sehr gut gemacht habe“. Jansen führte aus, dass „mal der Halbspieler hoch raus kam, dann kam der Innenblocker hoch raus, dann mal gar keiner“ und dass man damit schon vor Probleme gestellt wurde. Doch das Derby ist Vergangenheit. Nach ausgiebigem Videostudium wird der Fokus des Teams auf der schweren Aufgabe im Südwesten Berlins liegen. Beim verlustpunktfreien Tabellenführer der 2.Liga, dem VfL Potsdam, hängen die Trauben hoch. Doch am ungewohnten Montagabend, dem 5.Oktober um 19:30 Uhr werden die Michel & Co. natürlich alles daran setzen, den Potsdamern die ersten Kratzer in ihrer makellosen Bilanz zu verpassen. Letzte Saison war es ein toller Auswärtssupport bei einer der weitesten Auswärtsfahrten. Es wäre toll, wenn die Mannschaft sich auch dieses Jahr über Unterstützung freuen dürfte. Damit es nicht erst wieder am 11.Oktober gegen den TV Großwallstadt heißt: Alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!

Eingesetzte Spieler (in Klammern die Tore): Tom Jansen (5), Julius Fanger, Mattis Michel (je 3), Daniel Hideg, Pablo Lange, Marvin Mundus (je 2), Josip Eres (2/2), Fabian Hecker, Finn Scharnweber, Soeren Servos (je 1), Can Adanir, Filip Baranasic, Philip Würz

 

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Fotos A. Domian/TuS Ferndorf

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