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31:30! Ferndorf beweist sich als echtes Mentalitätsmonster gegen Hagen

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Bildequelle: Sebastian Wittenberg

In der letzten Saison gab es eine Ausgabe des Ferndorfer Hallenhefts, da war die Rede von Mentalitätsmonstern. Solche Mentalitätsmonster haben wir immer wieder gesehen, aber nie über die komplette Spieldistanz – bis zum Dienstagabend in Hagen. Alle Spieler in Rot und Weiß haben sich zerrissen. Alle Spieler in Rot und Weiß sind von der ersten Minute an bis zur Schmerzgrenze gegangen, die meisten sogar darüber hinaus. Wem es einer Erklärung von Wille und Motivation bedarf, der darf sich gerne den Husarenritt der TuS-Equipe im dritten Derby der Saison 2025/26 ansehen.

Durch das Wiederholungsspiel, in dem der VfL Eintracht Hagen aus einem Punkt zwei Punkte machen wollte, kamen die Gastgeber zum seltenen Privileg, drei Heimspiele innerhalb einer Woche austragen zu dürfen. Die Gäste aus dem Siegerland hingegen hatten noch die Reisestrapazen vom Wochenende in den Knochen, als man auch auswärts beim VfL Lübeck-Schwartau antreten musste. Es ging los wie bei der Feuerwehr. Zwei Mal legte Hagens überragender Halbrechter Jan von Boenigk vor – zwei Mal glichen die Mannen von TuS-Chefcoach Ceven Klatt aus. Nach dem 4:2 (4.) mussten die Grün-Gelben in doppelter Unterzahl agieren. Hierbei war insbesondere das Foul von Philip Jungemann an Tom Jansen schon sehr nahe am Rande der Legalität. Jansen war es dann, der nach siebeneinhalb Minuten, sinnbildlich, erst einmal ein paar Streichhölzer in den gut gefüllten Gästeblock warf. Damit zündete der am Ende überragende niederländische Nationalspieler die ohnehin aufgeheizte Stimmung noch mehr an. Die rund 200 TuS-Fans unter den 603 Zuschauern hatten zu diesem Zeitpunkt schon lange die Stimmungshoheit übernommen, denen auch Klatt im Nachgang nochmal Respekt zollte: „Super Fans, super Stimmung. Wir hatten über sechzig Minuten ein Heimspiel in Hagen!“ Zwischen der 9. und 13.Minute fielen die Tore im Sekundentakt. Der kaum zu stoppende von Boenigk, mit seinem vierten Tor, zum 7:5. Daniel Hideg mit dem Innenpfosten im Bunde zum 7:6. Nico Schnabl, ungewohnterweise mit der linken Hand, zum 8:7. Es endete in einem 10:8. Auf beiden Seiten agieren Ausnahmekeeper. Doch bis zu dieser 13.Minute bekam auf beiden Seiten kein Torhüter eine Hand an den Ball. Das veranlasste Klatt zu einem frühen Wechsel von Can Adanir auf Filip Baranasic, was sich allerdings erst später im Spiel auszahlen sollte. Der über sechzig Minuten von den Hagenern nicht in den Griff zu bekommende Jansen, der für seine Angriffsleistung ein Sonderlob seines Chefs erhielt, zeigte sich beim Tor zum 11:10 als ausgekochtes Schlitzohr. Einen durch den Sechsmeter-Raum kullernden Abpraller nahm er, neben Pouya Norouzinezhad auf den Knien hockend, auf und traf. Der Ferndorfer Abwehrverbund, meist mit Daniel Hideg und dem unermüdlichen Kämpfer und Kapitän Mattis Michel im Innenblock, legte nochmal eine Schippe drauf und wurde von Minute zu Minute mehr zum Bollwerk. Beim 11:12 in der 19.Minute war es dann soweit. Jansen, wer sonst, sorgte für die erste Ferndorfer Führung im Spiel. Die Gastgeber wurden nun immer wieder ins Zeitspiel gezwungen. Es war eine tolle Symbiose zwischen Mannschaft und Fans. Man pushte sich immer wieder gegenseitig, was die Rot-Weißen zum Ausbau der Führung nutzten. Hagens Coach Pavel Prokopec versuchte mit einer Auszeit gegenzusteuern, was aber keine Besserung bei seinem Team brachte. Im Gegenteil – gestützt auf die ersten Paraden Baranasics enteilten die TuS-Jungs bis auf 13:17. „In der ersten Halbzeit erspielen wir uns viele Möglichkeiten, indem wir die Hagener Abwehr gut auseinander spielen“, war Klatt äußerst zufrieden mit der Umsetzung der erarbeiteten Marschroute. Kuriosum in der 27.Minute: Prokopec nahm Auszeit Nummer Zwei – das passiert Trainern äußerst selten, resp. nur dann, wenn sie äußerst unzufrieden mit der Leistung ihres Teams sind. Die Hagener versuchten mit Härte zu agieren, was Josip Eres schmerzhaft zu spüren bekam. Denn dieser musste Platz machen für Finn Scharnweber, nachdem Hagens Tim Düren ihn sehr unsanft attackiert hatte. Scharnweber, da war doch was – richtig, denn Scharnweber war der Schütze des Phantomtors aus dem zweiten Aufeinandertreffen, was dieses dritte Spiel erst nötig gemacht hat. Hagens Keeper Pascal Bochmann konnte sich dann erstmals auszeichnen, was den Halbzeitstand von 15:18 ermöglichte.

Klatt war nach dem Spiel unglaublich stolz auf sein Häuflein der Aufrechten: „Wir sind deutlich über die Belastungsgrenze gegangen und waren durchweg im Fight-Modus!“ Dabei konnte einem zu Beginn von Hälfte Zwei Angst und Bange werden, dass der Tus-Equipe eventuell die Luft ausgeht. Mit zehn Feldspielern ging es über sechzig Minuten. Und diese zehn Feldspieler warfen sich weiterhin, vorne wie hinten, in jeden Zweikampf. Baranasic kam nun immer besser ins Spiel, begann die zweiten dreißig Minuten mit einer Monster-Parade und wurde nun, im Zusammenspiel mit der Abwehr, zum mitentscheidenden Faktor. Emotionalität brachten nun aber auch die Grün-Gelben auf die Platte. In der 40.Minute hatten die Hagener beim 21:20 die Partie wieder zu ihren Gunsten gedreht. Katt verordnete den Seinen das Spiel Sieben gegen Sechs, um die Gastgeber wieder vor mehr Aufgaben zu stellen. In der 43.Minute hielt Baranasic einen Siebenmeter und die Jungs vom Kindelsberg drehten die Partie erneut zum 22:23. Julius Fanger und Nico Schnabl zeigten sich beide extrem verbessert. In puncto Spielsteuerung, aber insbesondere beim Thema Effektivität und Torgefahr. Einen echten Gamechanger gab es dann in der 45.Minute. Norouzinezhad attackierte Fanger extrem hart, was in einer roten Karte für den Hagener Topmann mündete. Es gab eine Rudelbildung auf dem Feld – Derbystimmung also nicht nur auf den Rängen. Nachdem Zerberus Baranasic einen Ball gehalten und anschließend ins verwaiste Hagener Tor getroffen hatte (23:25, 47.), war der Ferndorfer Block völlig aus dem Häuschen. Jansen sagte nach dem Spiel, dass die Unterstützung der Fans dazu beigetragen hat, „nochmal ein, zwei Prozent mehr zu geben“. Ein weiterhin guter Rückzug der Rot-Weißen und wiedergewonnene Effektivität im Angriff sorgten dafür, dass Finn Scharnweber, diesmal mit einem regulär erzielten Tor, zum 24:27 traf. Der Tabellenvierte war nun nur noch mit Einzelaktionen gefährlich, während der TuS Ferndorf Torgefahr von allen Positionen ausstrahlte. Angeführt vom nimmermüden Kapitän, der für seine Abwehrarbeit ein besonderes Lob Klatts erhielt, hielt die TuS-Equipe den Vorsprung bis weit in die Crunch-Time. In der 54.Minute, beim Stand von 25:28 nahm Prokopec seine dritte Auszeit. Letzte Ausfahrt für die Hagener Mannschaft. Letzte Chance, dem Spiel noch eine entscheidende Wendung zu geben. Und vielleicht drehte die TuS-Equipe ein wenig zu früh an der Uhr. Begünstigt durch einige vogelwilde Zeitstrafen auf beiden Seite, kamen die Hagener noch einmal auf. Eine Umstellung der Abwehrformation brachte zusätzliche Unruhe bei den Nordsiegerländern, so dass es mit einem mal nur noch 28:29 (57.) stand. Doch die eingangs angesprochenen Mentalitätsmonster brachten, angeführt von den Routiniers Hideg und Jansen, den Vorsprung über die Zeit. Am Ende stand ein vielumjubelter 30:31 Auswärtssieg zu Buche. Klatt resümierte: „In der zweiten Halbzeit haben wir eine Steigerung im Tor und können so unseren Vorsprung halten. Am Ende schlägt Einstellung Aufstellung.“ Was folgte, war ein Jubelexzess in Rot und Weiß. Spieler, Staff, Fans – alle hatten eine Einheit gebildet, um dem Abstiegsgespenst ein Schnippchen zu schlagen.

Damit dieses Abstiegsgespenst weiterhin einen großen Bogen um Kreuztal macht, dafür wollen die Michel & Co. auch am Freitag sorgen, wenn der TuS N.-Lübbecke zu Gast ist. Wer in Hagen mit dabei war, wird keine zusätzliche Aufforderung benötigen, die TuS-Jungs auch am Freitag zu supporten. Um aber zum wiederholten Male für eine ausverkaufte Stählerwiese zu sorgen, müssen noch ein paar Billets an den Mann gebracht werden. Also, raus aus dem Sofa, rein in den Hexenkessel – alle dabei für den Klassenerhalt in Liga Zwei!

Eingesetzte Spieler: Tom Jansen (10), Julius Fanger, Nico Schnabl (je 4), Daniel Hideg (3), Marvin Mundus, Soeren Servos, Finn Scharnweber (je 2), Josip Eres (2/1), Mattis Michel (1), Can Adanir, Filip Baranasic, Gabriel Viana
Fotos: HBL/VfL Eintracht Hagen und Mathias Lehmann

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